Ein Spiel, bei dem zwei Generationen aufeinanderprallen.

THIMBLEWEED PARK

Genre: Point & Click Adventure

Getestete Plattform: PC

Publisher: Terrible Toybox

Studio: Terrible Toybox

Entwickler: Ron Gilbert, Gary Winnick

 

Der Vater der traditionellen Point & Click Spielen, Ron Gilbert, seines Zeichens Schöpfer von Evergreens wie Maniac Mansion, ZakMc Kracken oder Monkey Islands ist zurück! Ganz weg war er zwar aus der Spielebranche zwar noch nie so richtig, so hat er vor einigen Jahren mit seinem Action Adventure „The Cave“ auf verschiedenen Plattformen einschneidende Erfolge gefeiert.

Doch zu richtig Ehre zu seinem Namen gereicht er gegenwärtig mit der neusten Kreation THIMBLEWEED PARK. Viele haben lange darauf gewartet, denn seit Mitte der Neunzigerjahre gab es zwar immer wieder tolle Point & Click-Kost – gerade gegenwärtig feiert das Genre in der Gaming-Kultur ein Revival. Aber so richtig „echt“ fühlt es sich nur an, wenn der Meister persönlich dahinter steckt. Das Spiel konnte dank grosszügigen Spenden via Crowdfunding umgesetzt werden und erhielt mit der Mithilfe von Gary Winnick, der ebenso an vielen Spielklassikern massgeblich beteiligt war, seinen Feinschliff.

 

THIMBLEWEED PARK entführt den Spieler in das titelgebende verschlafene Dörfchen, welches mit seiner Einwohnerzahl von Einundachtzig Nasen nicht gerade als Hochburg des pulsierenden Lebens gilt. Und kürzlich ist die Zahl sogar auf den absoluten Tiefpunkt von Achtzig Einwohner gesunken, denn aktuell beklagt man das Ableben eines Einwohners, der tot am Fluss vorgefunden wurde, weswegen die beiden Agenten Angela Ray und Antonio Reyes nach THIMBLEWEED PARK gerufen wurden, um den Tatvorhergang genauer zu untersuchen.

Als Angela und Antonio Reyes am Tatort eintreffen, ist der Leichnam bereits auf bestem Wege, sich in seine Bestandteile aufzupixeln. Also beeilen sich die beiden Krimanalisten, die sich irgendwie nicht ganz so für den Fall zu interessieren scheinen, ihre Notizen zu machen, um ihn möglichst schnell ad Acta legen und sich endlich wieder um Wichtigeres kümmern zu können. Doch Job ist Job. Und dazu gehört nun einmal auch, dass man die nähere Umgebung auskundschaftet, mit den Bewohnern auf Tuchfühlung geht um so schliesslich den Täter dingfest machen zu können.

 

In THIMBLEWEED PARK begegnet man während der Erkundung vielen Kuriositäten, allen voran die eigenwilligen Bewohner, die alle irgendwie einen an der Klatsche zu haben scheinen. Mit dem Ort wird handelsüblich mit Hilfe von Verben wie „Nehme“, „Schaue“, „Öffne“ und so weiter interagiert, wobei natürlich einige Rätsel zum Lösen auf den Spieler warten.

Beim Verlauf der Geschichte übernimmt man nicht nur die Rolle der beiden Agenten, sondern wird auch mit einigen anderen schrägen Charakteren aus THIMBLEWEED PARK zwecks Rückblick in die Vergangenheit bekanntgemacht, um so deren Hintergründe zu Erfahren und nach bis nach das Rätsel hinter dem Mord zu lüften.

 

THIMBLEWEED PARK scheint in der Präsentation zeitlich eingefroren. Der Grafikstil orientiert sich an die goldene Achtziger-Ära ebenso wie die Geschichte selber, die im Jahr 1987 angesiedelt ist. Vermutlich scheiden sich genau hier die Geister, wobei sich die einen freuen aufgrund des nostalgischen Feelings einen Bär freuen und die anderen sich ob der retro-gerichteten grafischen Aufführung verwundert die Augen reiben. Hier prallen eben Generationen aufeinander.

Doch zumindest bei solchen Spielen war und ist die Grafik schon immer zweitrangig und möge dem Grafikfetischisten die Erleuchtung bringen, dass High-End-Grafik nicht immer das wichtigste ist, was ein gutes Spiel ausmacht.

 

Und genau das ist THIMBLEWEED PARK: Ein überaus tolles Spiel mit sehr hohem Unterhaltungsfaktor sowohl in der Erkundung als auch in der Story, die sich an Mystery-Fernsehserien wie Twin Peaks oder Akte X anlehnt. Das Abenteuer brilliert durchwegs mit einem zum Schiessen komischem Humor und einem Sprachwitz, wie es die Welt schon lange nicht mehr gesehen hat.

 

Ohne Diskussion: Bei THIMBLEWEED PARK können Point & Click Adventure-Fans der alten Garde blind zugreifen und sich auf stundenlanges rätseln und erkunden freuen, wobei sie auch dem einen oder anderen bekannten Easteregg aus vergangenen Tagen begegnen werden.

Auch jüngere Spieler sollten an THIMBLEWEED PARK ihre helle Freude haben und könnten damit an ein Genre herangeführt werden, dass vielen alten Zocker-Hasen schon in den Achtzigern tagelange und kurzweilige Unterhaltung bereitete.

Kleiner Spoiler am Rande: Chuck die Pflanze ist auch wieder dabei.

(Text by Pink)

  


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