Gute strunksche Unterhaltung

JÜRGEN

Autor: Heinz Strunk

Sprecher: Heinz Strunk

Sparte: Unterhaltungsroman

Verlag: ROOF Music/tacheles!

Dauer: 349 Minuten

 

Mit einer wenigeren Ernsthaftigkeit als es sein letzter Roman „Der goldene Handschuh“, der ja sehr düster, aussichtslos und bei mir schwer auf der Magengrube gelegen hat, geht es mit seinem neuen Werk JÜRGEN wieder mit einem etwas lockereren Schreibstil ins Gefecht. Zwar sind die beiden Hauptfiguren – der titelgebende JÜRGEN und sein Kumpel Bernd, alles andere als alltägliche Protagonisten und liefern dem Roman das nötige Gütesiegel für gute strunksche Unterhaltung. JÜRGEN, der ewige Optimist, lebt noch zu Hause bei seiner Mutter, aber nicht weil er unselbstständig ist, sondern sich um seine bettlägerige Mutter kümmern muss. Von einem ganz anderen Schlag als JÜRGEN, bei dem das Glas immer halbvoll ist, ist sein Kumpane Bernd Würmer, der im Rollstuhl sitzt und immer etwas zu meckern hat. Den Beiden fehlt zu ihrem Glück noch die richtige Frau an der Seite und so besuchen sie in regelmässigen Abständen Speed-Datings, die aber alles andere als das gewünschte Ergebnis liefern. Frei nach JÜRGEN’s Lebensmotto, „wer wagt, gewinnt“, nehmen die beiden Einzelkämpfer bei der Partnervermittlungsfirma „Euro Love“ an einer Reise nach Polen teil. Ob JÜRGEN und Bernd in Osteuropa die Frau ihres Lebens finden?

Heinz Strunk setzt dem Literaturkonsumenten ein feines Stück Humor vor, die bei der Hörbuchfassung, welche Strunk selbst liest und eben gerade deswegen zum Lachen komisch ist, so richtig zur Geltung kommt. Man soll zwar über Minderheiten nicht lachen, denn JÜRGEN und Bernd sind alles andere als mit optimalen Attributen für eine geeignete Partnerfindung gesegnet. Der Roman ähnelt in seinem Stil etwas an „Fleisch ist mein Gemüse“, lässt die Marotten der Protagonisten ebenso wie bei den „Tiffanys“ in einem urkomischen, wenn auch zwischen den Zeilen, etwas bemitleidenswerten Licht erscheinen.

Heinz Strunk erzählt die Geschichte mit seinem gewohntem Sprachwitz, verstellt Stimme- und Dialekt bei der Erzählung, was dem Hörbuch einen Hörspiel-Charakter verleiht. Nach dem sehr schweren, aber ebenso empfehlenswerten Brocken „Der goldene Handschuh“ ist sein Nachfolgewerk wieder viel leichter zu verdauen und sollte statt Bleimagen, mehr die Lachmuskulatur beanspruchen.

(Text by Pink)


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