Back To Pompeii

DAVID GILMOUR – LIVE AT POMPEII

Sparte: Konzertfilm

Erscheinungsjahr: 2017

Regie: Gavin Elder

Darsteller: David Gilmour & Band

Dauer: 120 Minuten

Originalsprache: Englisch (GB)

 

Fünfundvierzig Jahre, nachdem Pink Floyd durch Regisseur Adrian Maben ihren sprichwörtlich einzigartigen Musikfilm „Pink Floyd – Live At Pompeii“ gedreht haben, kehrte der Gitarrenmeister David Gilmour an diesen geschichtsträchtigen Schauplatz zurück um nun seit damals erstes Konzert zu geben.

 

„Live At Pompeii“– das Original – war für mich einer der Ausschlagpunkte, wieso ich Pink Floyd heute noch vergöttere. Noch nie kamen derartige Klänge an meine noch unschuldigen, jugendlichen Ohren, die Krach, simpelsten Blues, psychedelische Rauschfahrten, progressive Subtilität und erhabene Schönheit so in sich vereinte, wie es Pink Floyd vermochten, ihre Musik in Szene zu setzten. Dies, gepaart mit den visuellen Eindrücken, den dokumentarischen Vorbereitungen und Aufnahmen zu einem der meistverkauften und berühmtesten Rockalbum – „The Dark Side Of The Moon“ (1972) – ergab diese einzigartige Mischung, die „Pink Floyd – Live at Pompeii“ ausmachte. Die noch relativ mässig erfolgreiche Band wusste zum Zeitpunkt der Filmaufnahmen noch nicht, dass eben dieses Album für sie die Weichen stellen sollte und sie schliesslich zu einer der grössten Rockband der Welt machte. Und genau mit dieser Unbefangenheit, dem Streben nach Ungewöhnlichkeit, dem Herumtüfteln auf ihren zum Teil selbstzusammengebastelten Klangwerkzeugen und der nahezu kindliche Neugier eines Roger Waters, David Gilmour, Richard Wright und Nick Mason, öffneten mir Pink Floyd die Ohren und die Erkenntnis dafür, dass es jenseits von AC/DC, ZZ Top oder den Dire Straits noch viel zu entdecken gibt. Ebenso sind Pink Floyd und dieser Film bis heute für meinen stetigen Drang verantwortlich, nach immer aussergewöhnlicheren Klangwelten zu suchen.

 

Der Film, DAVID GILMOUR – LIVE AT POMPEII, wurde am 13.September 2017 für einen einzigen Abend weltweit in einigen auserlesenen Kinos uraufgeführt, dem ich natürlich mit Spannung beiwohnte.

Anders als das Original, eine Art Dokumentarstreifen um ein Konzert herumzubauen, umfasst DAVID GILMOUR – LIVE AT POMPEII bis auf eine Einführung durch den Meister Himself, ein reines Konzert mit der Setliste der „Rattle That Lock“-Tour, das auch ich letzten Sommer im italienischen Florenz Live erleben durfte.

 

So gibt David Gilmour mit einigen der besten Musiker, die die Rockwelt hergibt, vor einem übersichtlich, fast schon familiären Rahmen auf. Gilmour gibt inmitten der besterhaltenen Ruinen-Städte der Antike, einer Stadt, die im Jahr 79 n. Chr. gänzlich durch den Ausbruch des Vulkans Vesuvs vom Antlitz der Erde getilgt und im achtzehnten Jahrhundert Wiederentdeckt wurde, wo sich dereinst Gladiatoren blutige Kämpfe lieferten, die Soloaktivitäten seines aktuellsten Albums „Rattle That Lock“ (2016), über sein voriges Machwerk „On An Island“ (2015) zum Besten.

Natürlich fehlen dabei auch Klassiker der zweiten- und dritten Pink Floyd-Ära nicht, die unter anderem mit „Sorrow“,  „High Hopes“ über „The Great Gig In The Sky“, „Time“, Shine On You Crazy Diamond“, „Wish You Were Here“, „One Of These Days“, „Run Like Hell“, und zu Ende durch „Comfortably Numb“ mit einem Gitarrengewitter seinen gebührenden Abschluss findet und flächendeckend vieles abdeckt, was sich ein Floydianer wünscht.

 

Für mich als Pink Floyd-Maniac einziger Wehmutstropfen ist die Absenz älterer Stücke der ersten Schaffensphase. So sucht man Stücke wie „A Saucerful Of Secrets“ oder Careful With That Axe Eugene“ vergebens und auch auf den Hund „Seamus“ muss man leider vergeblich hoffen, obwohl ein pelziger Vierbeiner im erzählerischen Vorspann seine kalte Schnauze in die Kamera streckte und die Vorfreude dafür anstachelte. Am schmerzlichsten für mich war aber das Fehlen des Übersongs „Echoes“, gerade weil jener den Rahmen des Originalfilms aus 1972 bildete und sich für diese aussergewöhnliche Audienz deshalb mehr als angeboten hätte.

 

Keine Frage ist, dass der Film nicht nur bei der Setliste Grosses auffährt, sondern auch in Bild- und Ton alles hergibt, was sich die Audio-Visuell-Fetischisten wünschen. Schliesslich hat man es hier mit jemandem zu tun, der zusammen mit Pink Floyd schon in den frühen Siebziger Klanglandschaften zauberte, die weit jenseits vom Gewöhnlichen existierten.

 

Wer seine Erwartungen mit  DAVID GILMOUR – LIVE AT POMPEII an ein zweites „Pink Floyd – Live At Pompeii“-Dokument knüpft, muss diese etwas herunterschrauben – dieser Film ist und bleibt ein Unikat des Musikfilms und in seiner Art unerreicht.

Wer es sich aber für zwei Stunden gemütlich machen und sich dabei hochklassige Unterhaltung geben, Top-Musiker bei ihrer Bühnenarbeit auf die Finger schauen und eine mangellose 1A-Show in der heimischen Stube geniessen will, darf sich auf diese DVD, die noch in diesem Monat erscheinen soll, freuen.

Und ich bin mir sicher, dass zumindest diese voll mit Dokumentaren, Behind The Stage-Filmen etc. sein wird, damit auch die Dokumentaristen voll auf ihre Kosten kommen werden.

(Text by Pink) 

 


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