Stimmen aus dem Jenseits

PAGAN ALTAR

Albumtitel: The Room Of Shadows

Genre: Doom Metal

Label: Temple Of Mystery Records

Anzahl Tracks: 7

Dauer: 46 Minuten

 

Das Material zu „The Room Of Shadows“ wurde bereits vor dreizehn Jahren aufgenommen. Eigentlich sollte das Werk unter dem Namen „Never Quite Dead“ erscheinen. Mit dem Einhergehen von Terry Jones Tod und aufgrund mangelnder Qualität wurde das Vorhaben immer wieder vertagt. Nun schliesslich steht „The Room Of Shadows“ in aufgepeppter Form – das Songmaterial wurde teilweise neu aufgenommen und abgemischt, zur Freude vieler ungeduldig wartender Fans in den Läden – beinhaltet das Album schliesslich das letzte Studiozeugnis des verstorbenen Terry Jones. Hier wurden aber nicht einfach ein paar Songs zusammenhang- und lieblos auf die Platte gepresst. „The Room Of Shadows“ ist ein in sich geschlossenes Machwerk.

Mit dem grandiosen Einstieg von „Rising Of The Dead“ brechen PAGAN ALTER zum letzten Auftakt ihrer Zeitgeschichte auf. Bedächtig und sorgsam umschifft die Band mit dem Opener den Hafen des klassischen Doom Metal und lässt die Toten getreu des Songtitels aus ihren Gräbern erheben. Während die Untoten die Erde ihres nassen Grabs beiseite scharren und ungelenk aber entschlossen aus ihrer Ruhestätte rudern, führt Terry Jones seine Gefolgschaft aus Totenflüsterer sicher zum magischen Altar. Mit einem geübten Ruck öffnet der Vierer die darunterliegende Gruft und lässt die Geister der Vergangenheit daraus emporsteigen, die hernach hypnotisch tänzelnd den Hörer in ihren nekrotischen Tanz miteinbeziehen. Was danach kommt ist die logische Fortsetzung und die Quintessenz dessen, was PAGAN ALTAR seit Anbeginn ihres Bestehens ausmachte.

PAGAN ALTAR umwerben ihre Bruder- und Schwesternschaft der Dunkelheit mit poetischer Lyrik, satanischer Verführung und einer melancholischen Gewissheit der Sterblichkeit, umgarnt mit einer Feinfühligkeit aus musikalischer Subtilität, die nur durch die Vereinigung von Genie und einem unermesslichem Gespür von melodischer und rhythmischer Sicherheit entspringen kann. So wie man eine Pflanze stets sorgsam bewässert damit sie wächst, geben auch PAGAN ALTAR stetig etwas hinzu, oder stutzen wieder zurück, was nur durch viel Übung, Talent und Passion zu solch einem ausgeglichenen Meisterwerk gedeihen kann. PAGAN ALTAR verfallen niemals dem Übermut. Das Zünglein an der Waage bleibt stets im Gleichgewicht. Hier fehlt es an Nichts, hier ist niemals etwas zu viel.     

Was PAGAN ALTAR den Wartenden nach dreizehn Jahren mit „The Room Of Shadows“ hinterlassen, ist ein Gedicht aus dunkler Schönheit und wahrhafter Epik.

10/10 Punkte

(Text by Pink)

 


Kommentar schreiben

Kommentare: 0