Kitschromantik im Digitalland

GREYWIND

Albumtitel: Afterthoughts

Genre: Modern Metal/Pop

Label: Spinefarm Records

Anzahl Tracks: 10

Dauer: 39 Minuten

 

Die Biographie der beiden irischen O'Sullivan Geschwister Steph (Gesang) und Paul (Gitarre) liest sich wie ein kitschiger Roman: Aufgewachsen in der abgelegenen Touristen-Provinz Killarney war die Möglichkeit, als Musiker gross rauszukommen, laut Steph und Paul, eher beschränkt. Selbst Steph's vergangene Liebe glaubte nicht daran, dass aus ihr jemals eine erfolgreiche Sängerin werden könne. Also blieb den O’Sullivans nur das Träumen über den grossen Erfolg auf ihrer einsamen, irischen Insel. Als ihr Onkel tragischerweise Selbstmord begann, entschieden sie sich, da das Leben ja so schnell Enden kann, als Duo wieder Musik zu machen. Denn es bot sich niemand, der ernsthaft in ihrer Band spielen wollte. So kam Eins zum Anderen. In einer Woche schrieben sie die Single-Auskoppelung „Afterthoughts“, woraufhin sie sich nach einem Upload im Internet kaum mehr vor Anfragen von Seiten der Musikindustrie retten konnten…, und so weiter, und so fort.

Auf Worte folgen bekanntlich Taten. Also! Was hat ihr Debütalbum, ausser einer grossen Entstehungsgeschichte dahinter, denn musikalisch so zu bieten? Nicht sehr viel Aufregendes, wie ich finde.

GREYWIND versuchen ihren Popsongs mit verzerrten Gitarren metallisches Leben einzuhauchen. Die Gitarren sind aber derart verfälscht und sauberpoliert, da hat der Putzteufel im Studio aber ganze Arbeit geleistet. Tja, immerhin jemand, der hier etwas ordentlich macht. Von Heavy Metal kann hier jedenfalls kaum die Rede sein.

Auch Steph's zierliche Stimme lässt kein Staubkörnchen an sich heran und es wurde alles daran gesetzt, das letzte Quäntchen Leben weg zu digitalisieren, damit das Ding auf Biegen und Brechen auch ja im Radio gespielt werden kann. Hätte denn die junge Dame ein Talent, wurde es spätestens bei der Produktion von „Afterthoughts“ im Keim erstickt.

Jetzt könnte man natürlich alles auf den Producer abschieben. Aber auch rein aus Songwriter-Sicht haben die Stücke weder Arsch noch Füsse und gehen nicht einmal annähernd als gute Popsongs durch. Sowas würde aus meiner Sicht bestenfalls im Disney Channel eine Plattform kriegen.

Gehe ich mit GREYWIND womöglich etwas zu hart ins Gericht? Nein! Das Musikbusiness ist hart. Es entstehen ziemlich sicher genau jetzt wieder tolle musikalische Werke von übermenschlich guten Musikern und überaus kreativen Songschreibern, die es aber nicht schaffen, irgendwie Fuss zu fassen, weil der musikalische Horizont von Mainstream versifften Eintagsfliegen den Tellerrand vor echter, ehrlicher Musik verdeckt. Da reagiere ich nun mal etwas allergisch.

3/10 Punkte

(Text by Pink)

 


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