Archiv Musik Reviews


A-G

Alter Bridge

Albumtitel: The Last Hero

Genre: Alternative

Label: Napalm Records

Anzahl Tracks: 14 Tracks

Dauer: 68 Minuten

 

Alter Bridge hauen auch auf ihrem fünften Studioalbum wieder mächtig was raus. Hier gibt es echt was auf die Lauschlappen. Auch nach

Jahren lassen die Jungs nicht nach. Gleich vierzehn Tracks sind es auf der aktuellen Scheibe, die auf den Namen „The Last Hero“ hört geworden. Ein gigantisches Riffing, einfühlsame Melodien und natürlich Myles Kennedys Stimme dazu. Was braucht es mehr um den geneigten Fan zufrieden zu stellen?

Alter Bridge haben es einfach drauf. Keine großartigen Experimente. Man bekommt was man erwartet, aber trotzdem kommt keine Langeweile auf. Mit den knapp neunundsechzig Minuten Laufzeit ist das Werk zwar ein richtiges Monster geworden, trotz allem macht es Spaß Song für Song durch zu hören, immer und immer wieder.

Ausgereift und in sich stimmig haben es Alter Bridge wieder mal geschafft ein wirklich gutes Alternative Rock Album auf den Markt zu werfen, das wir im Herbst auch live erleben dürfen.

9.5/10 Punkte

(Text by Melanie)


AMARANTHE

Albumtitel: Maximalism

Genre: Metalcore/Pop

Label: Spinefarm Records

Anzahl Tracks: 12

Dauer: 40 Minuten

 

So wie auf dieser Scheibe, muss es wohl in der Vorhölle von gestrandeten Musiker klingen, die sich eines schweren Verbrechens schuldig gemacht haben. Nein, ich spreche hier nicht von Mord oder Vergewaltigung, wobei man letzteres in Anführungs- und Schlusszeichen durchaus stehen lassen könnte. Denn das hier ist ein echter Brainfuck der ganz, ganz schlechten Sorte. Dann teile ich mir doch lieber einen Platz mit Deicide’s Glen Benton im echten Heizkessel und lass mich von Satans Dreizack gepflegt in den Hintern pieken, als mich mit solchen Klängen auch nur eine Sekunde länger herumzuquälen. In der Hölle verstehen sie wenigstens etwas von Musik.

Ich bin ja wirklich sehr offen für alternative Klänge und mag auch ironische oder nicht so ernstgemeinte musikalische Seitenhiebe. Aber wenn man meint, ein singendes Popsternchen, mit klinisch und seelenlosen produzierten, nicht mal im Ansatz guten Gitarrenriffs und eines schlechten Aushilfsshouters mache ein Album zu etwas besonderem, dann macht es sich die Band doch etwas zu einfach. Unter Ambitioniert verstehe ich dann doch etwas anderes.

AMARANTHE können doch unmöglich hinter diesem ganzen Dreck stehen, die sie hier auf die Menschheit loslässt. Aber „Shit Sells“. Und es werden wohl wieder eine ganze Menge Leute dieses Album kaufen, ziehen, streamen oder was zur Hölle auch immer, es danach liken, tweeten, retweeten und so auf der ganzen Welt verbreiten.

Der Heavy Metal hat es doch schon so schwer genug, im total verblödeten Mainstream, der sich heutzutage als Metal anpreist, zu überleben. Da braucht man nicht noch einen weiteren Trittbrettfahrer wie AMARANTHE.

„Maximalism“? Ja!  maximal Scheisse!

1/10 Punkte

(Text by Pink)


A TORTURED SOUL

Albumtitel: On This Evil Night

Genre: Heavy Metal

Label: Pure Steel Records

Anzahl Tracks: 10

Dauer: 62 Minuten

 

Nach sechs Jahren Lichtabstinenz kehren die düster Metaller A TORTURED SOUL aus der Vorhölle zurück und verbreiten mit ihrem neusten Werk „On This Evil Night“ Angst und Schrecken. Mit einer geballten Ladung an Metal-Riffing, die sowohl eingängig als auch komplex in der Ausführung daherkommen, fesselt das Album jeden qualitätsbewussten Head-Banger der alten Schule vor seine Stereoanlage.

Verweise auf Mercyful Fate/King Diamond sowie klassischen Einflüssen aus NWoBHM sind hier natürlich wie schon bei den beiden Vorgängern Programm, dass TORTURED SOUL trotz fast kompletter Neubesetzung Pflichtbewusst ausführen. Zu pflichtbewusst vielleicht, könnte man einwerfen, hätte man sich doch etwas mehr Eigenständigkeit gewünscht, zumal es sich bei „On This Evil Night“ mittlerweile um das dritte Album handelt.

8/10 Punkte

(Text by Pink)


BELENOS

Albumtitel: Kornog

Genre: Pagan/Black Metal/Death Metal

Label: Northern Silence Productions

Anzahl Tracks: 9

Dauer: 58 Minuten

 

Die Einmanninstitution um den talentierten Franzosen Loic Cellier fährt sein Schiff mit „Kornog“ zum achten Mal aus dem Hafen. Thematisch fischt er diesmal nach den legendenbehafteten Geschichten, die sich rund um die Bretagne ranken. So wild, geheimnisvoll, dunkel und exotisch die tiefe Unterwelt ist, so abwechslungsreich gibt sich auch das neue Werk.

Cellier flechtet seine Musik mit überzeugter Leidenschaft. Die Knotenpunkte seines musikalischen Netzes setzen sich durch eine Mischform aus tosend-schwarzmetallischen Grundsätzen, gradlinigem Todesblei mit paganischem Gedankengut und einer leichten Tendenz zur volkstümlichen nordischen Folklore zusammen.

Damit jagt BELENOS in Gewässern, in denen unter anderem auch schon Bathory, Enslaved oder Primordial unterwegs waren. Hierbei möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass BELENOS schon seit 1995 das Flaggschiff auf Kurs hält.

Mit „Kornog“ ist Loic Cellier ein langlebiges Stück Musik gelungen das für Genrevertreter unverzichtbar ist. Das Album zählt jedenfalls

zu etwas Besserem, was ich aus dieser Richtung in jüngster Zeit zu hören bekommen habe.

8/10 Punkte

(Text by Pink)


BE THE WOLF

Albumtitel: Rouge

Genre: Modern Hard Rock

Label: Scarlet Records

Anzahl Tracks: 10

Dauer: 41 Minuten

 

Nachdem sich die Italiener BE THE WOLF mit diversen Singles, einer EP und vielen Auftritten in- und ausserhalb ihres Heimatlandes einen kleineren Namen machten, 2015 unter den Schutzbanner von Scarlet Records kamen und mit „Imago“ im gleichen Jahr ihr Debütalbum veröffentlichen, gelten sie hierzulande

immer noch als Geheimtipp.

Völlig zu Unrecht. Denn BE THE WOLF schreiben Songs die sowohl radiotauglich- als auch intelligent umgesetzt und über einen enormen Wiedererkennungswert verfügen, was nicht zuletzt der einprägsamen Kopfstimme von Federico Mondelli geschuldet ist.

„Rouge“ zündet bereits mit dem Opener „Phenomenons“ durch seine eingängigen Hooks und schnellverständlichen Gitarrenmelodien, ein Song der auch gut im tanzbaren Bereich untergebracht werden kann. Der Übergang zur Halbballade „Down To The River“ verläuft fliessend- ein echter Gänsehauterzeuger auf den mit „Animals“ die Midtemponummer mit Funky Bass-Line folgt.

Gerade die ersten drei Tracks kehren die ganz grossen stilistischen Trademarks des Albums nach aussen, die irgendwo zwischen Punk Rock, Funk und einer leicht verrückten Seite der Marke System Of A Down zu Hause ist. Das Pulver haben BE THE WOLF aber damit noch lange nicht verschossen und Totalausfälle gibt’s auf „Rouge“ so gut wie keine zu verzeichnen.

Bei aller Lockerheit die die Musik zuweilen aber auch versprüht, steckt dahinter doch ein sehr ernstzunehmendes thematisches Konzept, dass sich mit dem französischen Albumtitel „Rouge“ dem Bataclan Terroranschlag vom 13.November 2015 widmet und als Hommage der Opfer zu verstehen ist.

Chapeau!

8.5/10 Punkte

(Text by Pink)


THE BLACK MOODS

Albumtitel: Medicine

Genre: Rock

Label: Another Century

Anzahl Tracks: 12

Dauer: 36 Minuten

 

Mit den BLACK MOODS ist eine neue Band im Rockzirkus erschienen. Sie stammen aus Phoenix, Arizona und haben sich dort live schon einen Namen erspielt. Mit Stolz verkünden sie nun, dass ihr Debüt, mit dem Titel „Medicine“ auf dem Markt gekommen ist. Was erwartet uns auf dem Album? Old School Rock in neuer, frischer Auflage. Eingängige Melodien, rhythmischer Sound und rockiger Groove. Sicher, sie erfinden das Rad nicht neu, doch macht es Spaß, ihrer Musik zu lauschen. Man darf gespannt sein, ob es von der Band noch mehr zu hören geben wird.

7,5/10 Punkte

(Text by Melanie)


BLEEDING

Albumtitel: Behind Transparent Walls

Genre: Progressive Metal

Label: Pure Prog Records

Anzahl Tracks: 8

Dauer: 44 Minuten

 

Vor vier Jahren hatte ich das Vergnügen, das erste Lebenszeichen der deutschen Combo BLEEDING in Form ihrer selbstbetitelten EP zu reviewen. Der aus vier Songs bestehende Silberling drehte auch noch lange nach dem Test in meinem CD-Player seine Runden. Die Band, die ihren Namen auf das gleichnamige Album der Gruppe Psychotic Waltz beruft war damals noch auf der Suche nach ihrer stilistischen Bestimmung, der sie sich mit ihrem Debütalbum „Behind Transparent Walls“ schon mit grossen Schritten genähert haben.

Das im März 2015 erschienene Album hat zwar bereits den ersten Jahrestag überschritten und die Jungs werkeln schon fleissig an dessen Nachfolger. Aber gute Alben kennen kein Alter und schon gar kein Verfallsdatum und wollen natürlich auch hier mit einigen Worten erwähnt werden.

„Behind Transparent Walls“ ist eine wilde Jagd nach allen Regeln der Kunst. Psychotische Klänge sind hier zuhauf zugegen, haben aber nur im Entferntesten etwas mit der Namensgebenden Band zu tun. Im Gegenteil. BLEEDING erfinden sich ständig neu in dieser Achterbahnfahrt durch den stilistischen Irrgarten. Inmitten der Verwirrung stiftenden Riffwerkeleien finden BLEEDING aber immer einen Ankerpunkt für ihre Zwischenstopps, um die ruhigeren und gradlinigeren Passage im Songgut unterzubringen und das Ziel der Hatz von neuem aufzunehmen.

Das Album mutet dem Hörer zu Anfang zwar viel zu. Je öfter sich dieser aber auf diese Reise einlässt, umso mehr lichtet sich der Pfad und er findet sich immer mehr zurecht im Labyrinth dieses von Genialität strotzenden Werks.

Ich für meinen Teil bin auf jeden Fall bereit und gespannt auf die nächste angekündigte Reise.

9/10 Punkte

(Text by Pink)


BLUES PILLS

Albumtitel: Lady In Gold

Label: Nuclear Blast Records

Genre: Vintage Rock

Anzahl Tracks: 10

Dauer: 40 Minuten

 

Die medizinische Wunderpille BLUES PILLS geht mit „Lady In Gold“ in die zweite Runde. Nach zwei Jahren des Herumexperimentierens bringen die amerikanisch-schwedisch-französischen Vertreter des Vintage Rock ihre Alternativmedizin wieder unter die Leute und lassen Jung und Alt an ihrem Rausch teilhaben. Natürlich ist auch der Wirkstoff Blues wieder in grossen Mengen darin enthalten. Als Nebenelement schwingt eine Handvoll Soul und gewohnheitsmässig natürlich Rock in einer hohen Dosierung mit.

Eigentlich nicht viel Neues, was die Jungs Dorian Sorriaux, Zack Anderson, André Kvarnström mit Frontröhre Elin Larsson hier zusammengebraut haben. Aber wieso eine Zusammensetzung ändern, die sich bereits auf ihrem selbstbetitelten Debüt bewährt hat?

BLUES PILLS führen die Rezeptur weiter, die Jimi Hendrix, Janis Joplin, Fleetwood Mac, Led Zeppelin vor vier Jahrzehnten patentiert haben. „Lady In Gold“ kann ich ausnahmslos weiterempfehlen. Eine musikalische Arznei die zwar abhängig macht, aber garantiert ohne bösen Nebenwirkungen auskommt.

9/10 Punkte

(Text by Pink)


BRUJERIA

Albumtitel: Pocho Aztlan

Genre: Grindcore/Death Metal

Label: Nuclear Blast Records

Anzahl Tracks: 13

Dauer. 46 Minuten

 

Sechzehn Jahre sind vergangen, seit dem letzten Studioverbrechen der selbsternannten Drogenbarone Mexikos. Die neue Scheibe hätte vermutlich nochmals eine Schippe mehr an Extremitäten aufgeladen bekommen, wenn sie nach den amerikanischen Präsidentschaftswahlen entstanden wäre. Denn wie man aus dem Cover schliessen kann, ist die Band nicht ein allzu grosser Anhänger des nun neuen, überraschend gewählten Staatsoberhauptes, Donald Trump. Fast schon scheint es, als hätten sie die politischen Kuriositäten der USA zum Anlass genommen, ein neues Album auf den Markt zu schmeissen.

„Pocho Aztlan“, was grob übersetzt so viel wie fauler Azteke heisst, lässt natürlich gewohnheitsmässig viel aufgestauten Dampf auf die Hörerschaft los. Unentwegte Salven aus Todesblei, die sich zu unkontrollierten Selbstläufern aus Grindcore-Exzessen entwickeln. Der Wahnsinn sickert dabei unvermeidlich zu einem durch, ausserdem angetrieben der zum Teil wahnsinnigen Vocals des Anführers Juan Brujo.

„El Presidente“ sollte sich auf eine wütende Meute einstellen, wenn denn eines Tages abgewiesene Mexikaner das Weisse Haus stürmen und alles in ihre Einzelteile zerlegen, angestachelt durch den Sound von BRUJERIA, der währenddessen aus ihren Ghettoblastern strömt. Ein Bild, das durchaus auszumalen ist, denn Trump hatte bekanntlich während seines Wahlkampfs nicht allzu schöne Worte für seine Landesnachbarn übrig. Und dass er am liebsten eine Mauer an der mexikanischen Grenze errichten will, macht die Beziehung auch nicht gerade besser.

Tja! Selber schuld, wenn man die Rechnung ohne die einflussreichen Mexikaner BRUJERIA macht.

7.5/10 Punkte

(Text by Pink)


CARNIFEX

Albumtitel: Slow Death

Genre: Deathcore/Melodic Death Metal

Label: Nuclear Blast Records

Anzahl Tracks: 10

Dauer: 37 Minuten

 

CARNIFEX bewegen sich immer mehr auf den traditionellen Death Metal zu. Mit ihrem sechsten Output „Slow Death“ reichern sie neu ihren Stil nicht nur durch Keyboards an, sondern treten auch vermehrt aufs Gas. Eigentlich gute Neuigkeiten für Fans der extremeren Gangart. Doch wie es  leider oft der Fall ist, wurde hier produktionstechnisch wieder herumgedoktert, bis auch jegliche Form von Leben im Keim erstickt wurde. Für mich wirkt das Album daher viel zu herausgeputzt, so, dass auch die letzte „Evilness“ vor Meister Propper die Flucht gesucht hat. Schade eigentlich. Denn CARNIFEX beweisen auf dem Silberling ein Gespür für gute Melodieführung und Präzision mit zahlreichen Tempovariationen im Songwriting.

6/10 Punkte

(Text by Pink)


CRAZY DIAMOND

Albumtitel: Live At Augusta Raurica

Genre: Progressive Rock

Label: Eigenvertrieb

Anzahl Tracks: 22

Dauer: 148 Minuten

 

Ganz in der Tradition von „Live At Pompeii“ (1972), wie es dereinst Pink Floyd in ihrem eigenwilligen Musikfilm an einem geschichtsträchtigen Ort durch Adrian Maben dokumentierten, liessen die Schweizer Cover Band CRAZY DIAMOND im August 2014 eines ihrer zahlreichen Konzerte in ganz grossem Stil in der ehemaligen römischen Siedlung Augusta Raurica im baslerischen Augst aufnehmen.

Exakt ein Jahr und acht Monate nach diesem Gig erschien nun dieses musikalische Dokument nicht nur in auditiver Form, sondern auch als komplettes Live-Erlebnis in visueller Version fürs heimische Kino in hervorragendem Soundgewand.

Im ausverkauften Amphitheater, in dem sich rund 50 v. Chr. römische Siedler womöglich Lustspiele zur ihrer Unterhaltung ansahen, geben sich CRAZY DIAMOND die Ehre und verzaubert das Publikum mit einer wahnsinnigen Setliste die sich wie ein Traum liest.

Mit „Astronomy Domine“ wird das Konzert eröffnet, so wie Pink Floyd 1967 damals auf ihrem ersten Studioalbum „The Piper At The Gates Of Dawn“ eine neue Ära in Sachen musikalische Neuerfindung einläuteten. Danach wird eine Dekade vorgespult um das erste Sechstel von „The Wall“ (1979) zum Besten zu geben.

Durch den Übersong „Shine On You Crazy Diamond“ müsste spätestens jetzt auch der letzte Zuschauer in der Arena vom floydianischen Zauber ergriffen worden sein. Mit „Perfect Sense Part 1 & 2“ folgt eine kurze aber intensive Huldigung an Roger Waters und dessen viel zu wenig beachteten Solowerk „Amused To Death“ (1992). Das massiv, aber intelligent gekürzte „Atom Heart Mother“ stellt bis anhin die grösste Überraschung der ersten von zwei CD's dar. Nicht minder überrascht aber auch der darauffolgende Song „On The Turning Away“ aus der David Gilmour-Phase der Pink Floyd-Historie und deren 87er Album „A Momentary Lapse Of Reason“ um mit dem rabiaten Instrumental „One Of These Days“ und „Pigs (Three Different Ones) die Erwartungen auf ältere Klassiker wieder nach oben zu schrauben, welche mit einer weiteren Überraschung in Form von „Childhood's End“ zu Beginn der zweiten CD auch sogleich erfüllt wird.

Die dunkle Seite des Mondes wird mit „Time“ sprichwörtlich eingeläutet aber nicht konsequent fortgeführt. Nach einem Schlenker in die „The Wall“-Kerbe („Comfortably Numb“) und der Ballade „Wish You Were Here“ folgt durch das von Kathrin Bucher grandios gesungene „The Great Gig In The Sky“ der sehnlichst erwartete „Dark Side Of The Moon“-Zuschlag.

„Not Now John“ markiert eine weitere Überraschung des Live-Spektakels um mit „A Saucerful Of Secrets“ experimentell in die psychedelischen Tiefen vorzudringen. „Run Like Hell“ überrascht erneut mit dem genial zusammengekoppelten „Set The Controls For The Heart Of The Sun“. Mit „Echoes“ schliessen CRAZY DIAMOND ihr Konzert schliesslich mit einem mehr als grosszügigen Schlussakt den Abend.

Was CRAZY DIAMOND auf diesem Live-Monument abliefern ist wahre Hingabe. Echte Huldigung an eine der wohl grossartigsten Rockband dieser Welt. Die Band spielt hier als Fans- für Fans. Und das spürt man zu jeder Sekunde in jeder Note. Spielerisch über alle Zweifel erhaben lassen sie dabei ihren eigenen Stil mit einfliessen, eine Kunst, die vielen Coverbands fehlt. Man merkt in jeder gesungenen Silbe, wie ernst sie die thematischen Hintergründe der Pink Floyd-Texte verinnerlicht haben. Diese Intensität, diese Innbrunst kann man nur in solcher Form zum Ausdruck wenn man sich in intensivster Art und Weise mit der Thematik auseinandergesetzt, ja sogar damit identifizieren kann.

Dieses Live-Feuerwerk gehört in jede gute Musiksammlung, so wie auch jedes einzelne Pink Floyd-Album in keinem Plattenregal fehlen sollte.  

„Shine On You“…CRAZY DIAMOND....

(Text by Pink)


CRYSTAL BALL

Albumtitel: Deja Voodoo

Genre: Melodic Hard Rock

Label: Massacre Records

Anzahl Tracks: 11 (& 2 Bonus Tracks im Digipack)

Dauer: 54 Minuten

 

Freunde des melodiösen Hard Rocks aufgepasst, es gibt wieder was auf die Lauschlappen! CRYSTAL BALL aus der Schweiz veröffentlichen ihr nunmehr neuntes Studioalbum, das auf den Titel „Deja Voodoo“ getauft wurde. Was erwartet uns? Astreiner Hard Rock, der im Fahrwasser von U.D.O. oder Accept mitschwimmt.

Druckvoll und mit auf den Punkt gebrachtem Songwriting überzeugen die Luzerner auch diesmal wieder auf ganzer Länge. Melodiös und mit mehrstimmigen Hooklines trällern und spielen sie sich durch die Songs. Natürlich darf eine Powerballade nicht fehlen, und die finden wir bei „Home Again“ auf diesem Album.

CRYSTAL BALL stehen den Grossen im Hard Rock-Geschäft, mit denen sie die Bühnen schon geteilt haben (z.B. Doro) in nichts nach und "Deja Voodoo" hat alles was ein Hard Rock-Album braucht: harte Riffs, druckvolle Rhythmen und eingängige Hooklines.

Also Freunde des melodiösen Hard Rocks, nichts wie ran an die Buletten.

9/10 Punkte

(Text by Melanie)


THE DEAD DAISIES

Albumtitel: Make Some Noise

Genre: Hard Rock

Label: SPV

Anzahl Tracks:12

Dauer:44 Minuten

 

Frisch und fröhlich rocken THE DEAD DAISIES von der Leber weg. Aber was sich so easy anhört ist gekonnter Rock'n'Roll mit langjähriger Erfahrung in diesem Bereich. Die Allstar-Truppe, die sich hier um Gitarrist, Gründer und Songwriter David Lowy schart, dürfte dem einen oder anderen bekannt vorkommen. Hochkarätige Namen wie John Corabi, Brian Tichy oder auch Marco Menoza (Whitesnake, Dio, Mötley Crüe, Thin Lizzy oder auch Ozzy Osbourne) konnte er für diese Scheibe verpflichten. Diese Namen sprechen für sich und das musikalische Können. Sie legen sich richtig ins Zeug und viel Herzblut in die Songs und raus gekommen ist ein Album, das sich sehen lassen kann.

Auf "Make Some Noise" machen sie nicht nur etwas Lärm, sondern liefern 12 Songs ab, bei denen man die Spielfreude bis ins hinterste Eck hören kann. Dynamisch, locker, erdig, groovig und mit coolen Riffs spielen sie sich mit viel Verständnis und Gespür für Melodie und den Blues durch die Scheibe. Aber nicht alle Songs stammen aus der Feder von Lowy, es haben auch zwei Covers aufs Album geschafft, "Fortunate Son" (CCR) und "Join Together" (The Who). THE DEAD DAISIES knüpfen mit "Make Some Noise" nahtlos an Hardrock Klassiker von Aerosmith oder Whitesnake an und ist für Freunde dieses Genres fast ein Muss.

8/10 Punkten

(Text by Melanie)


DEAD LABEL

Albumtitel: Throne Of Bones

Genre: Death Metal

Label: Nuerra Records

Anzahl Tracks: 8

Dauer: 44 Minuten

 

Auf Irland, der grünen Insel, spriessen auch so manch dunkle Pflänzchen. Das Trio DEAD LABEL gehört zu dieser Art Nachtschattengewächs. Noch wenig beachtet und unerforscht von hiesigen Death Metal-Botanikern, sollten sich diese die Kreuzung aus Death'n'Roll und Crossover mit leichtem Verwandtschaftsbezug zu Bolt Thrower und frühen Entombed-Setzlingen doch mal näher unter die Lupe nehmen.

DEAD LABEL sind meistens zielgerichtet und tief verwurzelt im extremen Erdreich des Metal.

Auch wenn man ihnen ihren Mut zu akustischen und balladesken Experimenten zugutehalten muss, verschenken sie dabei doch zu viel Potenzial, was sie besser in einem weiteren Killerriff verwendet hätten. Denn echte Killerriffs verschiessen ist das was DEAD LABEL richtig gut können.

Sowas kommt aber auf „Throne Of Bones“ selten vor. Was die Überhand hält sind hier echte Kracher. Deshalb gibt’s hier eine stolze Sieben.

7/10 Punkte

(Text by Pink)


DAN REED NETWORK

Albumtitel: Fight Another Day

Genre: Hard Rock/Funk

Label: Frontiers Music SRL

Anzahl Tracks: 13

Dauer: 59 Minuten

Tja, wer hätte das gedacht… 25 Jahre nach der letzten regulären Studio-Veröffentlichung und einer fast 20 jährigen Trennung gibt es endlich wieder einen neuen Dreher von DAN REED NETWORK! Gleich der Opener „Divided“ macht klar, dass Sänger Dan Reed und seine Truppe nichts verlernt haben. Der Sound ist natürlich etwas moderner als früher – auch tauchen im Vergleich zu früher öfters mal kritische Themen auf, doch man erkennt eindeutig, dass hier DAN REED NETWORK am Werk sind. Das nachfolgende „The Brave“ mit seinen „eoh‘ eho’s“ lässt dann die Fans von damals noch mehr aufjubeln, bevor man zur (alles andere als kitschigen) Ballade „The Champion“ übergeht. Um hier nochmals die ersten Worte dieses Reviews aufzugreifen: Tja, wer hätte das gedacht… aber die Jungs haben hier tatsächlich das beste Werk ihrer Karriere abgeliefert. Zwar hat man keinen Überobermega-Hit am Start, doch das gesamte Werk bietet ein durchgehend hohes Niveau, was den Jungs früher in dieser Konstanz nicht gelungen ist. Etwas befremdlich fand ich zu Beginn lediglich „Save The World“ mit seinen Reggae-Anleihen, doch sogar dieser Track fügt sich homogen als Teil des Ganzen ein. Leider hat sich das Musikgeschäft seit den späten 80ern stark verändert und somit wird dieser tollen Scheibe kein durchschlagender Erfolg gegönnt sein, trotzdem möchte ich Dan Reed, Brion James (Gitarre), Rob Daiker (Keys), Melvin Brannon II (Bass) und Dan Pred (Drums) bitten: Macht weiter! FIGHT ANOTHER DAY ist zu gut und schreit nach einem Nachfolger! Wer auf eingängigen Rock mit leichten Funk-Einflüssen steht findet hier kleines Juwel, das mit ohne mit der Wimper zu zucken

9/10 Punkte  wert ist.

(Text by Ralph)


DANTE

Albumtitel: When We Were Beautiful

Genre: Progressive Metal

Label: Gentle Art Of Music

Anzahl Tracks: 7

Dauer: 63 Minuten

 

Mit dem Album „When We Were Beautiful“ verarbeitet das Augsburger-Quartett DANTE den Verlust ihres Gründungsmitgliedes Markus Berger, der den Vorgänger „November Red“ (2013) um wenige Tage nicht mehr erleben durfte, da er aufgrund seiner schweren Krankheit leider viel zu früh dem Tode erlag.

Bereits beim aufreizenden Cover und des titelgebenden Kontexts des fünften Outputs müssen intelligente Schlüsse zwischen den Zeilen gezogen werden, die auf der musikalischen Ausrichtung und des lyrischen Konzepts ihren Fortgang erfahren. Denn DANTE schreiben Songs mit hohen Ansprüchen, wissen jedoch gleichzeitig mitzureissen und zu verzaubern, was auch heute noch vielen Künstlern gerade im progressiven Segment nicht im Entferntesten gelingt.

Auf „When We Were Beautiful“ bauen die Bayern ihre Brücken über die progressiv-geschlungenen Wege beispielhaft mit metallischer Gradlinigkeit und harmonischer Entspanntheit. Jazzige Passagen mit wilden Bächen an Verspieltheit werden hier beispielhaft überwunden, bevor Markus Berger in Form des abschliessenden Viertelstünder „Finally“ seine letzte Wanderung antritt und auch das musikalische Meisterstück die finalen Atemzüge findet.

9/10 Punkte

(Text by Pink)


DENNER/SHERMANN

Albumtitel: Masters Of Evil

Genre: Heavy Metal

Label: Metal Blade Records

Anzahl Tracks: 8

Dauer: 41 Minuten

 

„The King Is Dead?“ Na hoffen wir’s nicht. Aber langsam mach ich mir schon meine Gedanken, ob King Diamond, der in seinen besten Jahren schliesslich als echter Workaholic bekannt war, überhaupt noch mal was auf die Beine stellen wird. Ist schliesslich schon ne ganze Ecke her, seit dem grossartigen Output „Give Me Your Soul…Please“ (2007).

Umso schöner aber, wenn sich aus solchen Defiziten Konstellationen wie aktuell bei DENNER/SHERMANN ergeben und sich zwei legendäre Gitarristen zum Klassentreffen zusammenfinden um ein Album aufzunehmen.

Als ob das nicht schon schön genug wäre, hat das Gitarren-Dreamteam mit Drummer Snowy Shaw überdies noch einen weiteren alten Bekannten und Bandkollege ins Camp geholt. Den Bassisten Marc Grabowski hat Shermann praktischerweise gleich aus seiner Band Demonica mitgebracht und durch Death Dealer-Fronter Sean Peck wurde das Line-Up

vervollständigt.

Michael Denner, Hank Shermann und ihre unheilige Bande machen auf „Masters Of Evil“ Nägel mit Köpfen. Wenig überraschend klingt darauf natürlich vieles wie man es von frühen Mercyful Fate-Klassikern her kennt und liebt. Und daraus machen die Jungs nun wirklich keinen Hehl. Sonst hätten sie sich zumindest die Mühe gemacht und einen anderen Coverzeichner als Thomas Holm für die Platte engagiert.

Denner und Shermann hört man die Zeitspanne, die zwischen ihrer letzten gemeinsamen Zusammenarbeit steht, zu keiner Sekunde an und gibt sich gewohnt verspielt und versiert zugleich.

Sean Peck, der eigentlich den schwierigsten Posten im Team innehat, denn ich höre bereits diverse Unkenrufe nach dem King, macht seinen Job hervorragend, gibt sich enorm abwechslungsreich sowohl in den tiefen- (inklusive eingestreuten Growls) wie auch den hohen Stimmlagen im Gesang und mimt bei „The Wolf Feeds At Night“ sogar ein im Song verirrten Ozzy Osbourne-Double. Grossartig!

Mit „Masters Of Evil“ haben die Herren Denner und Shermannn ein echtes Breiteisen rausgehauen,

auf das die (Unter)Welt schon lange gewartet hat und dabei wirklich alles richtig gemacht.

10/10 Punkte

(Text by Pink)


DGM

Albumtitel: The Passage

Genre: Progressive Metal

Label: Frontiers Music s.r.l.

Anzahl Tracks: 11

Dauer: 61 Minuten

 

Als etwas älteres Scheibchen vom August dieses Jahres, das bei mir aber noch in der Deadline steht, möchte ich das Album der Italiener DGM doch noch kurz behandeln. DGM wetteifern seit Ende der Neunziger mit Grössen wie Dream Theater oder Vanden Plas um die Wette und schneiden dabei eigentlich sehr gut ab, reichen aber niemals an deren Popularität ran. An was das liegt? Keine Ahnung.

DGM schauen aber nach vorne und machen auch auf ihrem neusten Werk eine gute Figur. Geboten wird feinster Progressive Metal in bester Manier. Wo sich ihre stilistischen Artgenossen zum Teil auf Experimente einlassen, bleiben DGM geradewegs auf dem Highway des traditionellen Progressive-Stahl und liefern mit „Passage“ ein rundes Ding ab, das sich nirgends verstecken muss.

7.5/10 Punkte

(Text by Pink)


DINOSAUR PILE-UP

Albumtitel: Eleven Eleven

Genre: Grunge/Garage Rock/Alternative Rock

Label: SO Recordings

Anzahl Tracks: 12

Dauer: 39 Minuten

 

Mit ihrem dritten Album, das den etwas aussergewöhnlichen Titel „Eleven Eleven“ trägt, schmeisst das Trio DINOSAUR PILE-UP aus dem englischen Leeds ihre Amps wieder an und eröffnet das Drittwerk gleich mit dem gradlinigen Opener und Titeltrack. In seiner direkten Spielart stellt dieser Song eine echte Ausnahme dar, aber als Einleitung hätte sich kein anderer Song auf der Trackliste besser geeignet. Ansonsten geht es auf dem neuen Werk experimenteller zu Werke. DINOSAUR PILE-UP agieren dabei irgendwo in der Schnittmenge zwischen Nirvana und den Smashing Pumpkins sowie rüdem Garagen Rock, streuen hie und da auch alternative Optionen in ihre Songs mit ein und geben sich in ihren besten Phasen recht kaltschnäuzig mit punkigem Anstrich.

Man merkt, dass der Dreier sich nichts vorschreiben lässt und sie einfach ihr Ding durchziehen. Gut so. Denn Authentizität wird hier sowohl in der bedingungslosen Ausführung der Songs, als auch der Präsentation durch die Produktion des Albums gross geschrieben.

8/10 Punkte

(Text by Pink)


EARTHSHINE

Albumtitel: Doomed To Wander And Never Die

Genre: Atmospheric Doom Black Metal

Label: Northern Silence Records

Anzahl Tracks: 6

Dauer: 47 Minuten

 

Der Titel „Doomed To Wander And Never Die“ dieser Scheibe aus Down Under ist hier Programm. Zu erwarten ist darauf also sicher kein heiterer Sonnenschein. EARTHSHINE, die sich aus lediglich zwei Musikern, den Brüdern Sam und Connor Dwyer zusammensetzt, portieren hier minimalistisch echte Düsternis auf CD. Sehr tiefe, aber gut verständliche Growls, gepaart mit dezent im Hintergrund gehaltenen Keyboards, werden schleppend von halbverzerrten Gitarren und dem diensttuendem Schlagzeug durch karges, unwirtliches Gelände getragen. Die einprägsame Atmosphäre der ewigen Verdammnis wird hier sehr gut eingefangen und vertont und die Wanderschaft durch dunkle Landschaften aus trostlosen in Nebel gehüllten Feldern manifestiert sich sogleich im Kopfkino des Hörers. Nimmt man zur Imagination das Cover der Scheibe zur Hilfe, das auf einer Reise nach Neuseeland entstand, geht der Tauchgang in die Unterwelt noch schneller vonstatten.

7/10 Punkte

(Text by Pink)


ELDAMAR

Albumtitel: The Force Of The Ancient Land

Genre: AtmosphericBlack Metal/Ambient

Label: Northern Silence Productions

Anzahl Tracks: 8

Dauer: 74 Minuten

 

ELDAMAR, das ist das Einmannprojekt des Norwegers Mathias Hemmingby. Gäbe es von Mittelerde und Umgebung eine Postkarte, so würde sie in etwa so aussehen, wie die Bilder, die im Kopf während der Exkursion des Debütalbums „The Force Of The Ancient Land“ entstehen, die unter anderem zur Inspiration des Longplayers dienten. Elfischer Klargesang, verträumte Keyboards und rhythmisches Gitarrengrundgerüst führen zu meditativen Tiefenerlebnissen beim Hörer, die auch noch lange nach der musikalischen Reise nachhallen.

Hemmingby holt mit „The Force Of The Ancient Land“ ein Stück magisches Norwegen in unsere heimischen Stuben, wobei mir am Ganzen die Wildheit etwas fehlt. Die Clean-Vocals sind nach meinem Geschmack etwas zu dominant vertreten und die Gitarren treten doch zu sehr nur als songdienliches Beiwerk auf. Lieber hätte ich mir da etwas mehr Black Metallisches Gekeife und impulsiveres Gitarrengeschrubbe gewünscht.

Das instrumentalische Gesamtwerk funktioniert trotzdem. Genau jetzt, da ich dies schreibe, verdunkelt sich der abendliche Herbsthimmel und macht sich für ein bevorstehendes Gewitter bereit. Und dafür, ist „The Force Of The Ancient Land“ ist genau der richtige Soundtrack. Und wenn man dazu noch ein passendes Buch bereit hat: Perfekt!

7/10 Punkte

(Text by Pink)


EPICA

Albumtitel: The Holographic Principle

Genre: Symphonic Metal

Label: Nuclear Blast Records

Anzahl Tracks: 12

Dauer: 72 Minuten

 

EPICA. Dieser Name ist Programm. Denn wenn es um epische Klänge geht, spielen die Holländer stets in den oberen Rängen mit. „The Holographic Principle“ macht hierbei keinerlei Ausnahme.

Das Sextett paart auf ihrem siebten Longplayer wieder bombastisches Power Metal-Riffing mit ausgeklügelter, klassischer Grundierung, das auch glatt als Fantasy-Filmmusik durchgehen könnte. Die Frontsopranröhre Simone Simons, die als Sidekick mit Mark Jansen im gutturalen Gesang abermals Unterstützung erhält, übernimmt dabei eine der Hauptrollen ein, ohne aber allzu theatralisch zu wirken. Die Bandaktivität jedes einzelnen steht hier immer im Vordergrund.

Die Geschichte hat gezeigt, dass so etwas nicht immer selbstredend ist bei einer Metal-Band als Frau an der Speerspitze und sich vieles wie ein Soloalbum der betreffenden Sängerin anhörte. Bei den Holländern wir Bandintern „Demokratie“ eben noch gross geschrieben, was man auf der Scheibe auch deutlich hört.

Für einige wird sich „The Holographic Principle“ zu opulent anhören. Das war aber bei EPICA immer schon die Kernphilosophie. Um es mal mit zwei Werbeslogans auszudrücken: Wo Epik draufsteht, ist auch Epik drin. Dafür stehen EPICA mit ihrem Namen.

8/10 Punkte

(Text by Pink)


ESCARNIUM

Albumtitel: Interitus

Genre: Death Metal

Label: Testimony Records

Anzahl Tracks: 10

Dauer: 37 Minuten

 

Kurz, knackig, extrem. Drei Eckdaten, die das zweite Machwerk der Brasilianer ESCARNIUM auf den Punkt bringt. Das Quartett eiert nicht lange rum und knüppelt in den knapp vierzig Minuten alles nieder, was sich ihnen in den Weg stellt. Hängen bleibt auf diesem kurzen Höllenritt nicht allzu viel, ausser unendliche Schwärze und unstillbarer Hass.

Die Südamerikaner lassen mit ihrem Monstrum eine Eindrucksvolle Saat der Zerstörung zurück. Doch die alles zerstörende Wut ist weder ausufernd noch unkoordiniert, sondern hat ihr Ziel punktgenau anvisiert und durchkalkuliert.

Keine Frage: Die Jungs beherrschen ihr Handwerk und bringen mit „Interitus“ einen Hoffnungsträger des Death Metal der alten Schule vor das nach blutlechzende- und ausgehungerte Folk dieses Genres.

7.5/10 Punkte

(Text by Pink)


FATES WARNING

Albumtitel: Theories Of Flight

Genre: Progressive

Label: InsideOut Music

Anzahl Tracks: 8

Dauer: 52 Minuten

 

Die amerikanischen Proggötter konnten vor allem Mitte der Achtziger ihre grössten Erfolge innherhalb eines auserlesenen Fankreises verbuchen. Spätestens seit „No Exit“ (1988) verharren FATES WARNING aber unumstösslich auf dem Veteranen-Thron des modernen progressive Metal.

Mit „Theories Of Flight“ finden FATES WARNING nun endgültig zu ihren alten Stärken zurück. Klang ihr keineswegs schlechter Vorgänger „Darkness In A Different Light“ (2013) stellenweise noch etwas verkrampft, ist das neuste Eisen in jeder Beziehung ein meisterhaftes Vorbild. Die Songs, die sich auch ein Normalsterblicher ohne akuten Hirnkrampf anhören kann, gehen relativ rasch in Fleisch und Blut über. Taucht man aber weiter in die Materie der Songs vor, fallen einem jede Menge detailreiche Facetten auf.

Das Zusammenspiel der Musiker geht hierbei mit gutem Beispiel voran. Man versucht auf „Theories Of Flight“ nicht zu jeder Sekunde den grossen Instrumenten-Akrobat zu markieren. Hier geht man subtiler zur Sache und es ist ein Genuss die einzelnen Musiker auf ihrer privaten Party bei der Arbeit anzuhören. Speziell Schlagzeuger Bobby Jarzombek, der die Bürde hatte, in die Fusstapfen von  Mark Zonder zu treten, gehört ein eigener Verdienstorden angesteckt. Was die restlichen Mitglieder zu leisten im Stande sind, braucht schliesslich keiner weiteren Erwägung mehr. Ein perfekter Einstand.

9/10 Punkte

(Text by Pink)


GHOST

Albumtitel: Popestar

Genre: Heavy Metal/Rock/Psychedelic/Occult

Label: Spinefarm Records

Anzahl Tracks: 5

Dauer: 23 Minuten

 

Wer hätte gedacht dass GHOST einmal in den oberen Rängen des kommerziellen Erfolgs mitmischen werden? Mit der Grammy Verleihung vom Februar dieses Jahres für die beste Metal Performance geht der Teufel nun offiziell bei den Reichen und Schönen ein und aus.

Die EP „Popestar“ beinhaltet nebst dem aktuellsten Song „Square Hammer“ vier Coverversionen aus den Pop-Bereichen. Mit dabei sind Nocturnal Me (Echo And The Bunnymen), I Believe (Simian Mobile), Missionary Man (Eurythmics) und Bible (Imperiet). Stilistisch schliessen sich die Covers jedoch mit der Eigenkomposition überhaupt nicht aus. Ghost hatten schon immer ein Faible für poppige Klänge und machten daraus niemals ein Geheimnis. Ich kann mich noch gut erinnern, als GHOST nach der Veröffentlichung ihres ersten Albums in einem Interview sich positiv für Lady Gaga äusserten.

GHOST haben sich bei ihrer Songauswahl natürlich auch etwas dabei gedacht. So sind bei näherer Betrachtung die Lyrics der Popsongs subtil antichristlich, satanistisch aber zumindest zynisch-ironisch zu deuten. Wirklich Neuland betreten sie damit nicht. Denn die Schweden haben spätestens seit ihrem letzten offiziellen Output Kurs auf spezielleres Terrain genommen und sich vom gradlinig gespielten okkulten Heavy Metal, wie sie ihn noch auf ihrem Debüt praktizierten, verabschiedet. Mit dieser EP machen sie sich nun endgültig salonfähig.

Keine Wertung

(Text by Pink)


GRIM REAPER

Albumtitel: Walking In The Shadows

Genre: Heavy Metal

Label: Dissonance Productions

Anzahl Tracks: 12

Dauer: 50 Minuten

 

Der GRIM REAPER geht wieder um! Nach neunundzwanzig Jahren im Ruhestand ist er des Wartens überdrüssig geworden. Nun dürstet ihn wieder nach frischem Blut und jungen Heavy Metal-Seelen und spielt erneut zum Totentanz auf. Als hätte er niemals Pause gemacht, beherrscht der Schnitter sein Handwerk immer noch locker aus der Hüfte heraus. Gelernt ist eben gelernt.

Der englische Todeslord wendet nach wie vor seine alte Handwerkskunst an und versucht sich nicht an neumodischem Kram. Mit seinen stichfesten Argumenten kann ihm nicht widersprochen werden und die geneigte Heavy Metal-Anhängerschaft nickt dazu gehorsam mit dem Kopf. Daran findet Gevatter Tod grossen Gefallen und lässt seine getreuen Jünger nochmals, wenn auch mit höllischen Nackenschmerzen, bis zum Ende dieser Runde davonkommen.

Danach beginnt das Spiel wieder von vorne. Angestachelt durch die personifizierte Allegorie des Todes, immer und immer wieder, bis zum Armageddon und darüber hinaus, oder bis keiner mehr übrig bleibt, der zu seinen Klängen freudig sein Haupt schüttelt. Doch in seiner weisen Hellsicht ist er sich gewiss, dass diese Alternative niemals eintreten wird.

Heavy Metal Till The End!

8/10 Punkte

(Text by Pink)