Archiv Musik Reviews


H-N

HEAVEN'S CRY

Albumtitel: Outcast

Genre: Progressive Metal

Label: Prosthetic Records

Anzahl Tracks : 7

Dauer: 52 Minuten

 

HEAVENS'S CRY hauen ihre Alben zwar nicht im Jahresakkord raus, aber wenn sie etwas veröffentlichen, dann immer mit hohem Qualitätsstandard. Auch „Outcast“ macht in dieser Hinsicht keine Ausnahme und sollte die Wünsche eines jeden progressiv Metal-Interessierten erfüllen.

Das Konzeptalbum um den Untergang der Welt aufgrund politischen Fehlleitungen bleibt trotz musikalisch-anmutenden Wirrsalen griffig und hat gerade wegen der Thematik eine enorme Härte im Bauch. HEAVENS'S CRY halten diese Wut aber mittels allgegenwärtigen akustischen Einschüben und der warmen Stimme von Pierre St-Jean stetig im Zaun und vollführen eine ausgewogene Quintessenz zwischen zeitgemässem Progressive-Metal mit funkigen Beisätzen und althergebrachtem Progressive Rock der Sorte Yes oder Rush.

9/10 Punkte

(Text by Pink)


IHSAHN

Albumtitel: Arktis

Genre: Progressive/Black Metal

Label: Candlelight Records

Anzahl Tracks : 11

Dauer: 57 Minuten

 

Einmal wieder beweist IHSAHN, wie wenig er sich in seiner Kunst reinreden lässt. „Arktis“ ist zwar etwas weniger experimentell als der verrissene 2013er Output „Das Seelenbrechen“, aber immer noch innovativ genug um die Meinungen in zwei Lager zu teilen.

In meinen Ohren hat der einstige Emperor-Fronter jedenfalls immer alles richtig gemacht. So lässt er auch auf seinem sechsten Full Lenght so gut wie keine Wünsche offen, im Gegensatz zum bisherigen Verlauf des Sommers, dem IHSAHN mit dem Albumcover kontra gibt und sich gleich die Skier umschnallt.

„Arktis“ klingt als Ganzes wieder etwas mehr nach seinen anfänglichen Soloschritten von „The Adversary“ (2006) und „Angl“ (2008) und ist daher kompositorisch wieder greifbarer als es der Vorgänger war, der fast schon den Ansatz von Filmmusik in sich trug. Ein Steckenpferd, das IHSAHN übrigens auch gut zu Gesicht stehen würde.

Das Grundkonzept auf „Arktis“ bleibt aber dasselbe: Raffiniert-gestricktes progressiv Songwriting mit reichlich klassischem Metal Gedankengut und Black-Metallischer Düsternis trifft auf jazzig-avantgardistische Klänge, wobei die melancholische Stimmung stets allgegenwärtig ist.

9/10 Punkte

(Text by Pink)


IMPERIAL STATE ELECTRIC

Albumtitel: All Trough The Night

Genre: Rock

Label: Psychout Records

Anzahl Tracks: 10

Dauer: 32:15

 

Ja, ja, die Schweden, wieder einmal. IMPERIAL STATE ELECTRIC dürften dem einen oder anderen schon bekannt sein. Immerhin treiben die Herren um Nicke Andersson (ex-Hellacopters) schon seit 2010 ihr Unwesen im Rockzirkus.

Mit Album Nummer vier im Gepäck "All Through The Night", melden sie sich zurück, obwohl, zurück melden ist der falsche Ausdruck, sie haben ja erst letztes Jahr den Vorgänger „Honk Machine“ auf den Markt geworfen. So dürfen sich die Fans freuen, dass es schon wieder Neues von der Band auf die Lauschlappen gibt.

In gewohnter Manier rocken sie mit guter Laune Musik, bei dem kein Tanzbein ungeschwungen bleibt, drauf los. Locker flockig, rockig und verspielt, mit deutlichen Anleihen aus den 70er Jahren spielen sie sich durch die 10 Tracks wie man es eben von der Band kennt und liebt.

Mitmachen und mitsingen ist angesagt und über allem steht gute Laune und Fun, Fun, Fun. Live haben die Herren einen ganz besonderen Zauber. Schon ab den ersten gespielten Tönen verwandelt sich die Konzerthalle in eine riesige Partyarena. Wer also die Möglichkeit hat, sie live zu sehen, nichts wie hin!

9,5/10

(Text by Melanie)


JORN

Albumtitel: Heavy Rock Radio

Genre: Heavy Metal

Label: Frontiers Records

Anzahl Tracks: 12

Dauer: 57 Minuten

 

Ich mach mir eigentlich nicht sehr viel aus Best-Of- oder aus Cover-Alben. Lieber bevorzuge ich hier „echte“ Studioalben mit eigenen Songs der jeweiligen Künstler und besorg

mir solche Outputs auch nur der Ordnung halber, um die Sammlung zu komplettieren.

Wenn eine meiner Lieblinscombo sich dann doch irgendwann in ihrer Musikerkarriere entschliesst sowas auf ihre Discographie zu packen, besorg ich mir das Ding eben irgendwann mal billig aus der Ramschkiste im Laden.

JORN, einer meiner Lieblingssänger im Heavy Spektrum, hat sich entgegen meiner Erwartungen auf ein gewohntes Metalfeuerwerk auch lieber zur Aufgabe gemacht, mal ein paar dufte Covers einzuspielen.

Schön und gut. Stimmlich ist hier natürlich wie gewohnt alles „Over The Top“. Und eines muss man JORN zugutehalten: Statt sich nur durch „Evergreens“ zu singen, die eh schon jeder dritte Künstler auf einem Coveralbum stehen hat, greift der symphytische Norweger tiefer in die Kiste.

Klar werden seine offensichtlichen Faves wie Dio („Rainbow In The Dark“) oder Deep Purple („Stormbringer“)feilgeboten. Dass Herr Lande aber die Platte gleich mit Frida’s (ABBA) Solonummer „I Know There’s Something Going On“ einläutet, sowie Tracks wie „Running Up That Hill“ von Kate Bush oder John Farnham’s achtziger-Hitparadenstürmer „You're The Voice“ auf’s Album schmeisst zeugt nicht nur von tollem Musikgeschmack, sondern auch von gutem Charakter.

Interessant ist auch, dass sich JORN bei Iron Maiden an „Final Frontier“ aus ihrem eher unterbewerteten 2010er Album bedient, statt sich eine berühmtere Nummer der NWoBHM-Legenden auszusuchen. Sowas riecht überhaupt nicht danach, mit ein paar billigen Nummern mal locker ein paar Scheine zu verdienen, was bei vielen Künstlern, oder besser, deren Plattenlabels, der eigentliche Beweggrund zu sein scheint. Sowas passt natürlich auch nicht ins Charakterbild von JORN.

Alles in Allem also gar nicht so schlecht, was Lande hier abgeliefert hat. Aber halt eben „nur“ ein Coveralbum. Sowas sehe ich eben lieber als Bonus auf einem regulären Album.

Für ein paar Strandparty’s reicht das ja allemal, aber dann ist das Thema leider auch wieder durch und man stellt sich das Ding schliesslich doch zu Hause in den Kasten, wo es dann für die nächsten Jahrzehnte still vor sich hin dämmert. Aber ich bin mir sicher dass JORN mit seinem nächsten Album wieder alles richtig machen

wird.

5/10 Punkte

(Text by Pink) 


KANSAS

Albumtitel: The Prelude Implicit

Genre: Progressive Rock

Label: Inside Out Music

Anzahl Tracks: 10

Dauer: 53 Minuten

 

KANSAS, die alten Herren wollen es nochmals wissen. Das heisst, richtig weg waren die amerikanischen Prog-Väter noch nie. Schliesslich waren sie auch ohne aktuelle Veröffentlichungen Live immer fleissig am Touren. Das letzte Studiorelease ist aber schon eine ganze Ecke her. Fünfzehn Jahre, um genau zu sein, wobei die Originalstimme Steve Walsh 1983 zum letzten Mal auf „Drastic Measures“ für KANSAS Studioaktiv war. Mit Ronnie Platt steht jetzt der neue Mann hinter dem Mikro. Keine leichte Aufgabe, aber jedenfalls eine, die er locker wegsteckt.

„The Prelude Implicit“ wird kein Megaseller. Das meine ich nicht abwertend, sondern ist durch und durch als Kompliment zu sehen. Ein Kompliment deshalb, weil KANSAS hier sicher kein Album für den schnellen Fuffziger gemacht haben, sondern eine ernstzunehmende Platte auf den Markt gebracht haben.

Man hört hier sofort, woher aktuelle Prog-Grössen wie Symphony X oder Dream Theater unter anderem ihre Inspiration bezogen haben.

KANSAS waren bei ihrer Inspiration sicher ganz oben mittdabei. Das hört man auch schon ganz gut bei „With This Heart“ dem Opener des Albums, der sich durch seine Geradlinigkeit auch perfekt dazu anbietet.

Zur späteren Virtuosität trägt vor allem die Violine sehr viel bei und auch die Keys mischen zu dieser Sache ganz vorne mit. Das Schlagwort „Folkrock“ ist zumindest im Ansatz sicher nicht unangebracht. Die Songs zeichnen melancholische Bildnisse mit einer vagen Hoffnung auf den trostbringenden Sonnenaufgang.

Wie die Hoffnung wächst auch „The Prelude Implicit“ mit jedem neuen Durchgang und schlägt immer mehr Wurzeln im Gehörgang. Darf man auch in Zukunft auf weitere neue Werke des nun endlich gefestigten Line-Up von KANSAS hoffen? Von mir aus gerne.

8/10 Punkte

(Text by Pink)


KING COMPANY

Albumtitel: One For The Road

Label: Frontiers Music s.r.l.

Genre: Rock

Anzahl Tracks: 11

Dauer: 54 Minuten

 

Eine neue Band aus dem hohen Norden, das klingt schon mal viel versprechend. KING COMPANY gründeten sich 2014 zuerst als No Man’s Land, aber da es diesen Bandnamen schon mehrmals gab, benannten sie sich einfach um in KING COMPANY. Nachdem sie mit dem Songwriting angefangen und ein paar Gigs live gespielt haben, nahm Frontiers sie unter ihre Fittiche und - tattaaa - hier ist das Debütalbum.

Schon beim Opener und Titelsong zeigen uns KING COMPANY wohin die Reise führt. Mit eingängigen, Radio tauglichen Rocksongs, preschen sie nach vorne und nehmen kaum das Tempo raus. Die Songs machen einfach Spass und wandern direkt vom Ohr ins Bein. Mit viel Gespür für Melodien und rockigen Riffs schießen sie einen Song nach dem anderen aus der Hüfte. Natürlich haben sie auch was fürs Herz und die Damenwelt im Gepäck, sprich die obligatorischen Balladen fehlen nicht.

Alles in allem ist KING COMPANY mit "One For The Road" ein wirklich gutes Stück Rockmusik gelungen, das Spass macht und auf mehr

hoffen lässt.

7,5/10

(Text by Melanie)


THE KINGS OF FROG

ISLAND

Albumtitel: IV

Genre: Psychedelic Stoner Rock

Label: Kozmik Artifactz

Anzahl Tracks: 7

Dauer: 41 Minuten

 

Viele haben sicher schon von der halluzinogenen Wirkung des Krötensekrets gehört oder vielleicht sogar schon eigens ausprobiert. Ich will euch jetzt hier keinen Vortrag über die Einnahme und den Effekt von Krötenflüssigkeiten halten. Aber mir schwant, dass auch den Briten von THE KINGS OF FROG ISLAND diese Wirkung nicht fremd ist. Denn ihre Musik klingt wie ein musikalisch umgesetzter Drogenrausch.

Hört man sich das neue Album- am besten mit Kopfhörer- an, machen sich wundersame Welten vor dem geistigen Auge auf. Zumindest bei mir traten interessante Formen einer bunten Märchenwelt auf, in der, ohh Wunder, Frösche die Regentschaft haben. Die Könige von der Froschinsel, eben. Irgendwie ein kleines, vertontes Alice im Wunderland. Die Scheibe klingt wirklich wie eine Geschichte aus einem verrückten, fremdartigen Buch entrissen, in der man mittendrin steht.

Nun, wie klingt denn sowas? THE KINGS OF FROG ISLAND sind relativ minimalistisch unterwegs und bedienen sich gängiger Rock, Doom- und Stoner-Klischees, würzen das aber mit einem psychedelischem Brei aus allerlei Klimbim, speziellen Verzerrungen, Synthi-Klängen, vielen verschiedenen Percussions und einer absolut grossartigen Produktion.

Was man hier zu hören bekommt, ist echte Kunst die man zumeist nur im Underground vorfindet. Also: Unbedingt reinhören und verzaubern lassen.

8.5/10 Punkte

(Text by Pink)


KING OF THE NORTH

Albumtitel: Get Out Of Your World

Label: Rodeostar Records

Genre: Rock

Anzahl Tracks: 12

Dauer: 51 Minuten

 

KING OF THE NORTH stammen nicht, wie ihr Bandname vielleicht vermuten lässt, aus dem hohen Norden, sondern aus dem Süden, nämlich Australien. Bekannt durch Bands wie AC/DC oder auch Airbourne, steht dieses Land für erdigen, groovigen bluesorientierten und handgemachten Rock. Hier reiht sich die Zwei-Mann-Band KING OF THE NORTH mit ihrem Zweitlingswerk "Get Out Of Your World" sicher mit ein. Ja, ihr habt richtig gelesen, es handelt sich hier nur um zwei Bandmitglieder. Das ist zum einen Drummer Steve Tyssen, der erst seit Kurzem mit von der Partie ist, und Gitarrist und Sänger Andrew Higgs. Dieser spielt mit einem speziellen 3-in-1-Pedal unisono erste Gitarre, zweite Gitarre und Bass. Das mag live ein Erlebnis sein, auf CD merkt man davon aber nicht viel, klingt eben wie eine "ganze" Band. Hier müssen jedoch die Songs überzeugen.

Die 12 Songs sind allesamt, bis auf ein, zwei Ausnahmen im Midtempo-Bereich angesiedelt, und auch ein Cover von Jimi Hendrix hat es aufs Album geschafft. Dieses ist den Jungs gut gelungen.

Alles in Allem ist "Get Out Of Your World" ein netter Zeitvertreib, jedoch ohne Hitpotenzial. Schade eigentlich, denn vom Grundtenor sind sie gar nicht so weit weg von den oben genannten Bands.

6,5/10 Punkte

(Text by Melanie)


LACRIMAS PROFUNDERE

Albumtitel: Hope Is Here

Label: Oblivion/SPV

Genre: Gothic Rock

Anzahl Tracks: 12

Dauer: 47 Minuten

 

LACRIMAS PROFUNDERE, lange Zeit als Geheimtipp gehandelt, ist inzwischen nicht mehr aus der etablierten Gothic-Szene wegzudenken. Jetzt stehen sie mit „Hope Is Here“ mit ihrem bereits elften Longplayer in den Startlöchern. Neu ist, dass die Band zum ersten Mal in ihrer musikalischen Schaffensphase konzeptionelles Terrain betreten.

Aramis, der Antiheld des Albums, durchstreift einen dunklen Wald, wobei ihm so Einiges durch den Kopf geht. Dass er dabei nicht vergnügt vor sich hin pfeift und Gänseblümchen sammelt ist natürlich klar. Schliesslich war das Fachgebiet der Gothic Rocker schon immer das besingen der weniger sonnigen Seiten des Lebens. Daher haben LACRIMAS PROFUNDERE dem von der Gesellschafft ausgestossenen Aramis das richtige musikalische Outfit geschneidert, dass er in jener dunklen Nacht beim einsamen Waldspaziergang trägt. Die bedrückende Einsamkeit der Reise ist dabei greifbar, wobei die Band dem Aussenseiter nicht unbedingt Trost, aber dennoch eine Stütze bietet.

„Hope Is Here“ umfasst den sanften, vertrauten Kuss der Verlorenen und die dunkle aber verständnisvolle Umarmung, in die man sich

fallen lassen kann.

LACRIMAS PROFUNDERE verpassten dem Longplayer einen gemächlichen Flow, den sie über die ganze länge permanent beibehalten. Das Album wird bis jetzt als das wohl düsterste und das am beklemmendste Werk in ihre Discographie eingehen.

„Hope Is Here“ eignet sich hervorragend für nachdenkliche Spaziergänge und ist gerade jetzt, wenn der Herbst die sommerlichen Lebensgeister wieder zu sich holt, der passende Soundtrack dazu.

8/10 Punkte

(Text by Pink)


LANFEAR

Albumtitel: The Code Inherited

Genre: Progressive Metal

Label: Pure Legend Records

Anzahl Tracks: 8

Dauer: 45 Minuten

 

Vier Jahre nach dem grossartigen „This Harmonic Consonance“ legen uns die deutschen Progressive Metaller LANFEAR mit „The Code Inherited“ einen, wie nicht anders von ihnen gewohnt, echten Leckerbissen vor.

Der thematisch futuristisch angesiedelte Longplayer Numero sieben überzeugt durch seine stilistische Ausgewogenheit der metallisch-harten Gangart und der ausgeklügelt-intelligenten Brillanz ihres Songwritings. LANFEAR bleiben sich dabei stets treu und authentisch und leisten damit einen echten Dienst am Fan.

„This Harmonic Consonance“ hält sich, bis auf die Spassnummer „The Summer Of 89“, bei dem es sich weder um ein abgewandeltes Cover von Bryan Adams noch um den gleichnamigen Popsong von Butch Walker And The Black Widows handelt, die gesamte Länge über in einem melancholischen und nachdenklichen Terrain, wobei sie sich mit Grössen wie Nevermore oder den neueren Fates Warning ein Kopf-an-Kopfrennen liefern.

8.5/10 Punkte

(Text by Pink)


THE LAST IN LINE

Albumtitel: Heavy Crown

Genre: Heavy Metal

Label: Frontiers Records

Anzahl Tracks : 11

Dauer: 50 Minuten

 

Im Dezember dieses Jahres musste leider die traurige Nachricht überbracht werden, dass Bassist Jimmy Bain mit achtundsechzig Jahren an seinem Krebsleiden erlag. Mit „Heavy Crown“ liegt nun das letzte musikalische Lebenszeichen des Gründungsmitglieds der Band Dio vor, auf deren Originalbesetzung der Alben „Holy Diver“ (1983), „The Last In Line“ (1984) und „Sacred Heart“ (1985) THE LAST IN LINE fusst.

Eigentlich hatten die vier Herren bei ihrer Reunion nicht vor, eigene Songs zu schreiben oder aufzunehmen und tourten zu Anfang mit Dio-Klassikern durch die Gegend. Aufgrund eines Deals der Plattenfirma hin überlegten sie es sich zum Glück doch anders. Heraus kam ein Album, das sich nebst den logischen Dio-Referenzen unverkrampft und frisch anhört.

Ich denke mir, dass es gerade Sänger Andrew mit seinem Punk-Background anzurechnen ist, dass „Heavy Crown“ auch diese „Freshness“ im Songwriting intus hat. Ihn mit der grossen Stimme von Ronnie James Dio zu vergleichen wäre sicher ein Kompliment, aber gleichzeitig eine Herabwertung seines grossartigen Jobs den er hier leistet.

„Heavy Crown“ ist ein rundum geglücktes Debüt das THE LAST IN LINE hoffentlich auch trotz des Todes von Jimmy Bain zu einer Fortsetzung ermutigt.

8.5/10 Punkte


LORDI

Albumtitel: Monstereophonic (Theaterror vs. Demonarchy)

Genre: Hard Rock/ Metal

Label: AFM Records

Anzahl Titel: 14

Dauer: 64:26

 

LORDI bringen mit Monstereophonic (Theaterror vs. Demonarchy)“ gleich zwei Alben in einem raus. Auf der A-Seite rocken sie in gewohnt spaßiger Manier nach einem gruseligen Intro inklusive Schlachtruf, HE-Man zu schlachten, drauf los. Die Grusel-Rocker aus Finnland haben sich mit der Zeit eine eigene kleine Nische im Rockzirkus geschaffen. Und diese Nische bedienen und füllen sie exakt aus. Fans der Band dürfen sich auch auf diesem Album wieder auf lustige Texte und rhythmische Rocker mit eingängigen Hooks und Mit-Sing-Refrains freuen. LORDI hauen einem hier Riffs um die Ohren, die es in sich haben. Es ist eine wahre Freude.

Auf der B-Seite, wird in guten acht Minuten die Geschichte von „The Undead Son, The Bloodsucking Count, The She-Wolf and The Witch“ erzählt. Und dieser Teil hat es in sich. Beim Opener "Demonarchy" gibt es sowas von auf die Lauschlappen und LORDI zeigen, dass sie auch das Spiel mit schnellerem Tempo verstehen. Auch auf dem folgenden "Break Down" geht es schnell und Rifflastig zu Werke.

Zum Abschluss entlassen uns die Finnen dann mit „The Night The Monster Died“ mit einem eher langsamen Song in die gruselige Nacht.

Wo LORDI drauf steh ist auch LORDI drin. Trotzdem schaffen es die Finnen uns mit Abwechslung zu überraschen. Ein wirklich gelungenes Album das Spass macht!

9/10 Punkte

(Text by Melanie)


MAYFAIR

Albumtitel: My Ghosts Inside

Genre: Progressive Metal

Label: Pure Prog Records

Anzahl Tracks: 11

Dauer: 40 Minuten

 

Als sich MAYFAIR vor drei Jahren mit „Schlage mein Herz, schlage...“ aus dem Untergrund zurückmeldeten, war die Freude meinerseits riesig. Denn die Österreicher sind eine absolute Ausnahme und heben sich im musikalischen Einheitsbrei der Mayor-Szene wunderbar ab. MAYFAIR erwecken durch ihre Musik sprichwörtlich die Geister in einem. Der Albumtitel des neuen Albums „My Ghosts Inside“ ist demnach Programm. Dass das Erwecken der inneren Geister nicht immer angenehm sein kann, führt das Quartett hier schonungslos vor.

Das Album ist dabei alles andere als ein Snack für zwischendurch, wie es uns die heutige Download/Stream-Mentalität immer mehr vorlebt. Musik ist für viele leider nur noch etwas, dass man sich schnell in der Mittagszeit über Spotify runterzieht, um es danach mit seinen Freunden in den öffentlichen Medien zu teilen. Sie hat ihren einzigartigen Stellenwert als Kunstform längst verloren. Heute beklatscht die Gesellschafft lieber samstagabends irgendwelche Retorten-Künstler, die durch ein gängiges Fernsehformat passend gemacht wird und mundgerecht an ihre Zuschauer verfüttert werden. Daher ist dieses Album auch nur jenen zugänglich, die sich noch wirklich mit der Materie auseinandersetzen möchten. Allen anderen bleibt die einzigartige Erfahrung, Musik noch zu erleben, verschlossen.

MAYFAIR schreiben keine „Song für Song“-Platten. Das haben sie noch nie, und werden es bestimmt auch niemals tun. „My Ghosts Inside“ sollte daher als Ganzes konsumiert werden, was aber nicht immer einfach ist. Denn das Werk kann mitunter echt verstörende

Bilder auslösen und geht zum Teil tief unter die Psyche.

Wie erwähnt, sind MAYFAIR musikalisch eine einzigartige Spezies. Auch wenn der Stil mit Progressive Metal beworben wird, bekommt man es hier bei Weitem nicht mit einer Art Dream Theater oder Vanden Plas zu tun.

MAYFAIR sind geisterhaft und schweben wie der englische „Fog“ unheilvoll und doch irgendwie angenehm vertraut über dem Hörer. Mystisch, wie sich ihr Sound anhört, möchte man, neugierig wie es eben in der Natur des Menschen ist, immer weiter voranschreiten, um vielleicht doch noch einen Blick hinter den geheimnisvollen Vorhang zu erhaschen, hinter dem sich nichts anderes als die eigene zerbrechliche geistige Hülle verbirgt, der man von Angesicht zu Angesicht entgegenblickt. Eine Konfrontation, dem nicht jeder gewachsen ist…

Der schizophrene Gesang wird begleitet von schrägen akustischen Gitarrenklängen, die von Bass und Schlagzeug am Boden gehalten werden, damit sie sich nicht endgültig entmaterialisieren und zurück in die Geisterwelt entgleiten. Dabei schwingt eine flüchtige Ahnung von Pop mit, die der Musik etwas menschliches, Irdisches geben, eine Art Erinnerung, ein Halt an das Sterbliche, Vergängliche, von dem

nichts weiter übrigbleibt, als ein Lufthauch, wenn man es berührt…

10/10 Punkte

(Text by Pink)


MESHUGGAH

Albumtitel: The Violent Sleep Of Reason

Genre: Progressive Extrem Metal

Label: Nuclear Blast Records

Anzahl Tracks: 10

Dauer: 59 Minuten

 

Wie immer äusserst taktsicher randalieren MESHUGGAH jenseits von Linearität wieder gründlich durchs Oberstübchen. Mit „The Violent Sleep Of Reason“ wird gewohnheitsmässig waghalsige Rhythmik zelebriert die das Gehirn Purzelbäume schlagen lässt. Das genau durchkalkulierte Songwriting des übrigens live eingespielten Albums gibt in der einstündigen kalten Odyssee wenig Möglichkeiten zum Luft holen.

Bei „The Violent Sleep Of Reason“ bleibt relativ wenig hängen, denn die Scheibe wirkt mehr wie ein einziger konzeptioneller Song, dessen eisige Weltraumatmosphäre MESHUGGAH bis zum Ende hin aufrechterhalten. Schlachten auf Gedeih- und Verderb werden ohne Nachsicht auf Verluste geführt.

Die Schweden erfüllen aber auch auf dem neusten Werk alle Kriterien, die die Band seit je her ausmacht. Wer ihnen also bisher gefolgt ist, wird bestimmt auch Gefallen an diesem neusten Werk finden.

8/10 Punkte

(Text by Pink)


THE MISSION

Albumtitel: Another Fall From Grace

Genre: Gothic Rock

Label: Eyes Wide Shut Recordings

Anzahl Tracks: 12

Dauer: 64 Minuten

 

Wayne Hussey und Craig Adams haben sich 1985 von The Sisters Of Mercy abgewendet um ihre eigene Vorstellung von dunkler Musik zu kreieren, was sich bald darauf in der Band THE MISSION bündelte.

Auf „Another Fall From Grace“, dem zehnte Werk der Briten, zeigen sie sich auch nach vier Jahrzehnten nach Bandgründung von der besten Seite. Das Album besticht durch eine getragene Melancholie das nicht zwanghaft versucht, Hits zu produzieren. Obwohl „Met-Amor-Phosis“ ganz klar radiotauglich und tanzbar ist, ist der Grossteil des Werks tiefgehender als man zuerst vermuten will. „Met-Amor-Phosis“ fasst also nicht alles zusammen, was man auf „Another Fall From Grace“ zu hören bekommen wird.

Schaut man unter die Oberfläche der Songs, kristallisiert sich, von der Produktion ganz zu Schweigen, enormes Gespür und Geschick für detailreiches Songwriting heraus. Indische Klänge a la The Tea Party oder hypnotische Mantras wie es ein Johan Edlund in den späteren Tiamat-Alben verwendete, finden offensichtlichen Einzug aufs neue Album.

Was im Hintergrund aber in Form von Percussions, Synthesizers und produktionstechnischer Raffinesse stattfindet, muss dabei erst noch erforscht werden.

„Another Fall From Grace“ verzeichnet auf der einstündigen Reise zwar auch Ausfälle, die sich vor allem gegen das Ende hin Abzeichen. Beim Überangebot an überragender Songqualität fallen diese aber kaum ins Gewicht.

8/10 Punkte

(Text by Pink)

 


NASH B.C.

Albumtitel: Burning Babylon

Anzahl Tracks: 9

Label:  Rockshots Music

Genre: Heavy Rock

Dauer: 34 Minuten

 

Griechenland ist ja nun nicht gerade bekannt für seine großen Rock Bands, aber ab und zu gibt es Lichtblicke. NASH B.C. sind so einer.

Ganz frisch und unverbraucht sind sie mit ihrem Debüt „Burning Babylon“ am Start. Sie klingen als ob sie noch nie was anderes als gerockt hätten. Kaum zu glauben, dass hier nur drei Mann zu Gange sind. In dem Promotion-Text hieß, es Alter Bridge meets D-A-D- okay, so weit würde ich zwar nicht gehen, aber das Trio ist auf einem guten Weg.

Die Gitarren rocken, treiben nach vorne und der Sound ist sleazy und doch hart und heavy.

„Bunring Babylon“ rockt durch die ganze Länge der neun Songs. Keine Ballade in Sicht. Die Songs sind mal schneller und mal im Midtempo-Bereich angesiedelt.

NASH B.C. sind auf alle Fälle auf dem richtigen Weg. Freunde des erdigen Rocks, die sich mal nach was Neuem umsehen, sollten mal ein Ohr riskieren.

7/10 Punkte

(Text by Melanie)