Lost And Found


GHETTOBLASTER

Genre: Action Adventure

Plattform: Commodore 64

Entwickler: Tony Gibson, Mark Harrison

Verlag: Virgin Games

Veröffentlicht: 1985

 

Wenn man 1985 die Bezeichnung „Open World“-Game für den frei beweglichen digitalen Spielspass verwendet hätte, traf diese sicher auch auf GHETTOBLASTER zu. Obwohl ich nie ganz genau wusste, was ich eigentlich machen musste, lockte mich jenes Spiel immer wieder vor den Bildschirm meines Brotkastens, was vermutlich eben dieser frei erkundbaren, fiktiven Stadt namens „Funky Town“ geschuldet war.

Als wohl eins meiner ersten Spiele dieser Art, steuerte man den Spielhelden „Rocking Rodney“ quer durch die Stadt entlang an Häuserfassaden, bis man auf eine blinkende Tür stoss, die man betreten musste, um das Zielspiel zu erfüllen, das darin lag, die neuen Songs von seinem Arbeitgeber „Interdisc Records“ direkt an die Passanten auf der Strasse zu bringen. Dazu musste man jeweils für seinen überdimensionalen GHETTOBLASTER Batterien im Elektronik-Geschäft und ein Tape mit dem neuen Song darauf besorgen, das man hinter eben diesen blinkenden Türen erhielt. Hatte man beides eingesammelt, galt es, die Lautstäke des Radios aufzudrehen und eine vorgegebene Anzahl an Leuten mit der Musik anzustecken, indem man Noten auf sie abschoss, woraufhin die Fussgänger zu tanzen anfingen. Schwangen schliesslich genügend Passanten ihr Tanzbein hiess es, ab zu „Interdisc Records“, um das Tape abzuliefern und deine Prämie dafür einzustreichen.

Natürlich lauerten in Funky Town allerlei Gefahren und nicht jeder konnte sich für deine Musik aus dem GHETTOBLASTER begeistern. Da waren die sogenannten „Tone Deaf Walkers“ die nichts anderes im Sinn hatten, als deinen Radio mutwillig zu zerstören, woraufhin du das Gerät im „Repairs“-Shop wieder auf Vordermann bringen musstest. Auch die Polizei stand nicht so auf laute Tanzmusik und drehten, wenn sie dich zu fassen kriegten, den Lautstärkepegel am Gerät herunter. Hätten sie sich bloss mehr um die Diebe gekümmert, die dir das Leben in der Stadt schwer machten, und ständig deine Kassetten klauten, hättest du es um einiges leichter bei der Auslieferung gehabt. Auch Drogendealer, die sogenannten „Pusher Man“, trieben sich in „Funky Town“ herum, die dir anscheinend ganz üblen Stoff andrehten. Denn bei einer Berührung mit diesen ominösen, in schwarz gekleideten Gestalten, erschien sofort das Game Over auf dem Bildschirm. Also: Finger weg von den Drogen!“ Ebenfalls kurzen Prozess mit „Rocking Rodney“ machten die „Psycho Killer“, und die „Jolly Green Giants“, wovon letztere sich zum Glück nur im Park aufhielten, wo es dich erst gegen Ende des Spiels hin verschlug, um dort das entsprechende Tape zu erhalten. Dann gab es noch „das Chameleon“, der dich, ganz fies, an einen weit entfernten Ort entführte, woraufhin du dich wieder, in der sowieso schon perfekt zum Verlaufen gemachten Stadt, neu orientieren musstest. Zudem stahl er dir obendrein noch das Tape aus dem Recorder. Na ja! Wenigstens einer gab es, der nicht nach deinem Leben oder deinen Sachen trachtete: „Jumpin' Jack Flash“. Der Gute brachte dich immer direkt vor die Tür des „Interdisc Records“ oder einem Tape.

GHETTOBLASTER spielt sich heute noch sehr gut und ist eine Parabel dafür, wie innovativ die damaligen Spielentwickler waren. Das freie umherstreifen in „Funky Town“ und das interaktive Gefühl, wenn man einen Laden oder ein Haus betrat, oder den Recorder, den man lauter und leiser drehen konnte, fühlte sich irgendwie gross an, auch wenn man die Bildschirme auf der sich das Spiel erstreckte schnell aufgezählt hatte. Aber Quantität ist eben nicht alles. Wenn sich ein Spiel auch nach dreissig Jahren immer noch in einigen Erinnerungen mancher Retro-Fans abspielt, hat es doch vieles richtig gemacht. Oder?

(Text by Pink)



BENEATH A STEEL SKY

Genre: Point & Click Adventure

Plattform: Amiga, MS-DOS

Entwickler/Studio: Revolution Software

Publisher: Virgin Interactive

Veröffentlicht: März 1994

 

Eine echte Steilvorlage für eine Comicserie bot das im 1994 erschienene Cyberpunk-Adventure BENEATH A STEEL SKY, das zur Einleitung der Vorgeschichte von Robert Foster alle Register einer guten Story zog. Gezeichnet wurde das Prequel von niemand geringerem als Dave Gibbons, der grafische Schöpfer hinter Werken wie „Watchmen“ oder „Green Latern“. Dave Gibbons Handschrift wird übrigens auch in dem demnächst erscheinenden und von mir sehnlichst erwartenden „No Man's Sky“ zu sehen sein. Aber das nur am Rande.

Der Held des Spiels, so wird in der Vorgeschichte erzählt, hat es nicht so mit Helikoptern. Bereits als kleiner Junge überlebte er knapp einen Helikopterabsturz in der Einöde Australiens. Dort wird er von australischen Ureinwohnern aufgenommen und grossgezogen. Die Ureinwohner verstehen sich nicht nur im Überleben im Outback sondern wissen auch hervorragend über technische Dinge Bescheid. Mit dem angeeigneten Wissen bastelt sich Robert seinen Roboterfreund „Joey“ zusammen.

Aus unerfindlichen Gründen wird Robert's Heimat später durch ein Militärkommando vollkommen zerstört und er selber verschleppt. Doch Glück im Unglück sei Dank, stürzt der Helikopter des Einsatzteams aufgrund einer technischen Störung ab und Robert und sein sprechender Roboter, den er während der Entführung noch knapp mit sich reissen konnte, landen in der hochkomplex-konstruierten Stadt Union City wo sie vor die Aufgabe gestellt werden, sich zum Ausgang in die Freiheit durchzuarbeiten. Bei dem Versuch die Freiheit zu erlangen, erfährt Robert so manch hintergründiges aus seiner Vergangenheit.

 

Gameplay, Präsentation und Umfang

BENEATH A STEEL SKY ist ein klassisches Point & Click Adventure in einem futuristisch-angesiedeltem Szenario. Die Steuerung erfolgt daher ganz bequem durch die Maus, mit der man sich durch die fantasiereiche und mit viel Humor versehende Geschichte bewegt.

Wie üblich in  Spielen dieser Art muss der Protagonist darin so einige Knackrätsel lösen sowie mit den Stadtbewohnern aus Union City kommunizieren und ihnen dabei mit der richtigen Gesprächstaktik die gewünschten Antworten entlocken. Einige Aufgaben können nur gemeinsam mit seinem blechernen Freund „Joey“ gelöst werden.

Klar verschlägt es den Spieler auf der Suche nach der Lösung wieder und wieder in eine bereits besuchte Location in Union City, worin echt obskure Charaktere ihrem Tagwerk nachgehen. Mit etwas Geduld und Einfallsreichtum sollte dem Ziel aber nichts im Wege stehen, die ganze Geschichte hinter Robert Forster zu enthüllen.

Das Adventure macht auch heute noch eine gute Figur und dürfte selbst Leute ansprechen, die nur bedingt etwas mit Retro Gaming anfangen können, auch wenn es vor allem für die verwöhnteren Spieler der Gegenwart etwas mühsam erscheinen muss, wegen jeder Kleinigkeit die man vielleicht im Rätselpuzzle vergessen hat, Zeitaufwendige Minuten in Kauf zu nehmen um zum Ort

des Vergessens zurückzukehren.

Die Neugier um den Fortgang der originellen Cyberpunk-Story sollte aber Grund genug sein, um das abendfüllende Spiel bis zum Abspann zu verfolgen.

Das Spiel gibt es übrigens auf www.gog.com gratis zum Download. Für die ganz schlimmen Retro-Allergiker gibt es seit 2009 eine kostenpflichtige Version für die gängigen Androiden.