Retro


DARKNESS

Genre: Arcade Adventure

Plattform: Commodore 64

Verlag: Psytronik Software

Veröffentlicht: 2014

Entwickler: Achim Volkers, Trevor „Smila“ Storey, Sascha ‚Linus‘ Zeidler

 

Als Pixelheld-Held Stan, der dem Aussehen nach etwas von Indiana Jones hat, musst du dich auf die Suche nach deiner Freundin Megan machen, die nach einem Flugzeugabsturz verschwunden ist. Dabei gilt es, viele Gefahren zu überstehen, die deine Rettung im tiefen Dschungel vereiteln wollen. Während Spinnen, Elefanten, Affen, Krebse, Schlangen und andere Geschöpfe, die in ihrer Erscheinung immer seltsamer werden, je weiter du dich in den Dschungel voran wagst, deinen Weg kreuzen, stösst du auch auf versteckte Truhen, die unter anderem Schlüssel beherbergen, mit denen du bestimmte Schlösser öffnen kannst, woraufhin du als Belohnung eine Erhöhung deiner Lebensenergieleiste erhältst. Das ist auch dringend nötig. Denn du hast nur ein einziges Bildschirmleben. Segnest du das Zeitliche, heisst es: Von vorne beginnen. Zum Glück ist Stan nicht ganz unbewaffnet und rückt den Feinden mit Wurfgeschossen auf den Leib, die durch Power-Ups, die überall in der Spielwelt verteilt sind, an Schadenskraft aufgestockt werden können. Ebenso finden sich Gegenstände, die für kurze Zeit deine Bewegungsgeschwindigkeit erhöhen oder dich unverwundbar machen.

DARKNESS aus dem Hause Psytronik Software ist ein kurzweiliges Arcade Adventure mit grossem Umfang. Die verwinkelte Spielwelt erstreckt sich als Draufsicht auf etwa einhundert Bildschirme, die liebevoll gestaltet und mit einer passenden Acht-Bit-Musikuntermalung daherkommt.

Wer seinen Brotkasten wieder mal mit einem ergiebigen Spiel neueren Datums füttern will, wird hier optimal bedient. DARKNESS ist zwar relativ schwer zu meistern, aber durchaus machbar, vorausgesetzt man bringt die nötige Geduld und natürlich etwas Geschick mit. Das Spiel ist aber immer fair, die Steuerung leicht zu handhaben als auch flüssig in der Ausführung, sodass die Frustgrenze tief angesetzt ist.

(Text by Pink)  


LEISURE SUIT LEO 2- THE SECRET OF MANIAC ISLAND

Genre: Grafik Text Adventure

Plattform: Commodore 64

Verlag: Protovison

Veröffentlicht: 2014

Entwickler: Out Of Order Softworks (Volker Rust, Stephan Lesch, Tobias Erbsland, Raik Picheta,

         Wolfgang Reszel)

 

 

Retro Zocker und Kinder der achtziger Jahre kennen ihn alle: Larry Laffer, Hauptprotagonist der Leisure Suit Larry Reihe, die damals an keinem Besitzer eines Heimcomputers spurlos vorbeizog. Auf dem Brotkasten, dem Commodore 64, erschien Al Lowe’s schlüpfrige Saga um den Mittvierziger Schwerenöter jedoch nie. Gut, zieht Larry’s Verwandtschaft seine Kreise bis nach Europa und so kamen die C64-Besitzer ebenfalls in einen Exklusivgenuss eines deutschen Leisure Suit-Pendant, dem Leisure Suit Leo.

 

Viel Denkarbeit mit Tiefgang

Leo Feuerstein, der Held des Spiels, scheint mit Larry nicht nur entfernt verwandt zu sein, er hat auch sein Pech mitgeerbt. Was mit dem kurzen Prequel 1992 begann, nimmt jetzt im zweiten Teil seinen unrühmlichen Fortgang. Von seiner Ex-Frau unmissverständlich vor die Tür gestellt und ausgeschlossen, ist Leo gezwungen, sich mitten auf der Strasse irgendwie durch den Dschungel des Lebens zu schlagen. Dabei macht er von den einfachsten Mitteln gebrauch. Auch wenn die Larry’s und Leo’s in den Computerspielen schon immer unter der Gürtellinie gesteuert waren, den Erfindergeist kann ihnen nicht streitig gemacht werden, wenn es darum ging, mitten in der Pampa der urbanen Zivilisation zu überleben und vor allem darum, um das andere Geschlecht zu beeindrucken.

Über seine Ex scheint er ziemlich schnell hinweg zu sein. Denn kaum ist er wieder sich selbst überlassen, nimmt sein Instinkt wieder vollen Kurs auf neue weibliche Gesellschaft. Was daher als unkontrolliertes umherwandern in der Münchner Innenstadt beginnt, entwickelt sich immer mehr zu einem kuriosen Abenteuer mit ähem, „Tiefgang“.

 

Das Ziel bei LEISURE SUIT LEO 2­­- THE SECRET OF MANIAC ISLAND ist eigentlich nie genau ersichtlich. Aber erfahrungsgemäss will man zum Schluss der Leisure Suite-, und das wird beim deutschen Ebenbild von Larry Laffer wohl auch nicht anders sein, den einsamen Helden sicher und glücklich im Schoss einer neuen weiblichen Gesellschaft wissen. Bis das aber soweit ist, muss noch einiges an Denkarbeit und Laufmeter bewältigt werden.

 

Alles nur geklaut?

LEISURE SUIT LEO 2- THE SECRET OF MANIAC ISLAND ist eine Neuauflage des 1997 erschienen Titels. Grafisch hat sich dabei so gut wie nichts geändert. Das Spiel ist aber bedienerfreundlicher geworden. Die Wortanwahl bestehend aus den im Spiel benötigten Verben können jetzt bequem im Interface per Maus, Tastatur oder Joystick angewählt werden. Ebenfalls integriert wurde dankenswerter Weise nun eine Speicherfunktion, womit man immer und überall abspeichern kann. Es muss jetzt also nicht mehr alles in einem Rutsch durchgespielt werden, oder der Rechner bis zum nächsten Auftritt angeschaltet bleiben.

Um das Abenteuer durchzuspielen, muss man aber sicher kein ausgebufftes Genie sein. Immer schön herumprobieren und das Gelände nach Objekten absuchen sollte auch jeden weniger erfahrenen Adventure-Spieler früher oder später ins gelobte Ziel führen.

 

Das Spiel führt bildlich mit einer Menge spritzigem Wortwitz durchs das Geschehen, wobei dem Kenner von Leisure Suit Larry so einiges sehr bekannt vorkommen wird. Ob es nur Zufall ist, dass irgendwo im Abenteuer sogar ein Poster der deutschen Pop-Rock Band „Die Prinzen“ hängt auf die der Titel „Alles nur geklaut“ zurückgeht? Die versteckten Hinweise Easter Eggs sollten auf alle Fälle auskundschaftet werden und als Hommage an Al Lowe verstanden werden. Erkundet man wirklich alles, macht das Spiel am meisten Spass.

 

Die limitierte Box-Version ist inzwischen vergriffen. LEISURE SUIT LEO 2- THE SECRET OF MANIAC ISLAND kann aber nach wie vor auf der Protovision Homepage als digitalen Download geholt werden.

(Text by Pink)


SPACEMAN SPLORF-Planet Of Doom

Genre: One Button/Geschicklichkeit

Plattform: Commodore 64

Verlag: Pond Software Ltd./SDW Developments

Veröffentlicht: 2016

Entwickler: Andreas Gustafsson, Vanja Utne

 

Bei der Ausführung einer seiner Wartungsarbeiten verliert der Weltraummechaniker Splorf seinen Schraubenschlüssel. Gerade, als er endlich den Planeten erreicht hat auf dem sich sein Werkzeug befinden muss, deaktiviert sich sein Schutzschirm.

Nun gibt es nur noch eins: Augen zu und durch. Hol dir den Schraubenschlüssel schnellstmöglich zurück da er durch die Kollision den Schutzschild des Planeten ausser Kraft gesetzt hat und die peinliche Angelegenheit zu einer ernsthaften Gefahr werden kann.

 

Simples Spielprinzip mit sehr viel Fun

SPACEMAN SPLORF wird lediglich mit dem Feuerknopf des Joysticks oder der Space-Taste auf der Tastatur gesteuert. Hält man drauf, steigt Splorf in die Luft, lässt man los, verliert er an Höhe. Hiermit gilt es, den gefährlichen Asteroiden auszuweichen, ohne mit dem sumpfigen Boden oder der elektrischen Decke zu kollidieren.

Während Splorf ungebremst durch die Weiten des Alls fliegt behält er die Position im hinteren linken Bereich bei. Es braucht schon etwas an Geschick und der nötigen Feinmotorik, um an den horizontal scrollenden Gegenständen mit der perfekt ausbalancierten Steuerung unbeschadet vorbeizuhuschen.

 

Nur noch einmal, dann hör ich auf

Das Spiel ist ein typischer Highscore-Jäger für die Mittagspause zwischendurch. Bei dem kurzweiligen Spielprinzip kann es aber durchaus sein, dass man bei der Jagd nach dem Topscore des Tages, der nach jedem Bildschirmtod fortlaufend gespeichert wir, die Zeit komplett vergisst. Obwohl man nur ein Leben hat, halten sich die Frustmomente in Grenzen und kaum versieht man sich, ist man mit ein paar Tastendrücken wieder mitten im Spielgeschehen.

Ob die Geschichte vom knuffigen SPACEMAN SPLORF irgendwann ein Ende findet, ist mir bis anhin nicht bekannt.

 

„Just For Freaks?“

SPACEMAN SPLORF ist ein Spiel für Jung und Alt mit liebevoller gestalteter Grafik und Animation, das Liebhaber der Retrokultur sofort ins Herz schliessen wird. Aber auch nicht so nostalgisch eingestellte Zocker könnten am Spaceman ihre Freude haben.

Den Seitwärtsscroller gibt es auf der Homepage von Pondsoft als Freeware zum Download. Eine physische Veröffentlichung als Cartridge für den Brotkasten ist bereits in Planung.

(Text by Pink)


HEROES AND COWARDS

Genre: Grafik Adventure

Plattform: Commodore 64

Verlag: Protovision

Veröffentlicht: 2015

Entwickler: Sebastian Broghammer, Steve Kups, Stephan Lesch, Helfried Peyrl,

     Phillip Bergmann, Martin Schemitsch

 

 

Mit HEROES AND COWARDS findet ein Spiel der legendären Byteriders, dass die beiden in den Neunzigern angefangen und nicht mehr fertiggestellt haben, aus den tiefsten verstaubten Archiven ihren Weg ins digitalisierte einundzwanzigste Jahrhundert. Zu Ende programmiert wurde das Ding von Out Of Order Softworks.

 

Gameplay, Präsentation und Umfang

Im Grafik Adventure übernimmst du die Rolle als Du selber in der Ego-Perspektive ein und wirst in ein mittelalterliches Szenario katapultiert. Die Bewohner von Dartenwood, so heisst die Gegend, wurden von Magier Morlon in Stein verwandelt und du wurdest auserkoren, den armen Teufeln zu helfen, was du durch das Auffinden der Rubine des Pentagramms der Macht bewerkstelligen kannst.

Ist natürlich klar, dass die besagten Teile, fünf an der Zahl, nicht direkt vor deiner Nase liegen, sondern du dich vorher durch mühselige Rätsel plagen musst.

 

In Dartenwood bewegst du dich mit Hilfe des zweigeteilten Bildschirms mit Tastatur oder Joystick in alle vier Himmelsrichtungen. Dabei nimmst und kombinierst du die gefundenen Gegenstände in bester Point & Click-Manier. Es muss also nicht durch Texteingaben nach dem richtigen Parser gesucht werden, wie es bei früheren Meisterwerken wie Logan, The Yawn (1990) und Stümp der Fall war.

 

Grafisch begnügt sich das Spiel mit wunderschönen, nicht animierten Zeichnungen in der oberen Bildschirmhälfte, wobei bei jedem erstmaligen Betreten der Beschrieb des Bildes in typischem Byterider-Humor im unteren Bildschirmbereich auftaucht.

 

Die Rätsel sind relativ knifflig, aber durchaus lösbar. Der Spieler sollte aber mit ausreichend Durchhaltevermögen und Geduld ausgestattet sein, wenn er denn beabsichtigt HEROES AND COWARDS durchzuspielen. Geübte Grafik Adventure-Akrobaten dürften das Spiel problemlos in wenigen Stunden in einem Rutsch durchgespielt haben.

(Text by Pink)


CAREN AND THE TANGLED TENTACLES

Genre: Point & Click Adventure

Plattform: Commodore 64

Verlag: Prior Art

Veröffentlicht: 2015

Entwickler: Martin Wendt, Oliver Lindau, Kamil Wolnikowski

 

Mit CAREN AND THE TANGLED TENTACLES veröffentlichten Prior Art 2015 ihr bisher erstes Spiel, welche durch grosszügige finanzielle Kickstarter-Unterstützung aktive Geburtshilfe erhielt. Es ist nicht schwer erkennbar wer beim Spiel Pate gestanden ist. Bereits das Wort „Tentacles“ im Titel weist darauf hin, dass vor allem die Spieleschmiede Lucas Film Games, die sich für Meilensteine wie „Maniac Mansion“, „Zack Mc Kracken And The Alien Mindbenders“ oder der „Secret Of Monkey Island“-Reihe verantwortlich zeichnen und in der Mitte bis Ende der blühenden Achtziger ihre grössten Erfolge verbuchten, für die Entwickler massgebend war. Mehrere hinweise dazu werden dem Spieler ebenfalls durch ein paar eingestreute Easter Eggs im Spiel aufs Auge gedrückt.

 

Gameplay, Präsentation und Umfang

Die Steuerung, die je nach Wunsch sowohl mit Joystick als auch mit der Tastatur vonstattengeht ist bedienerfreundlich und schnell erlernt: Man peilt den gewünschten Gegenstand in der Umgebung an, daraufhin werden im Inventar die verschiedenen Möglichkeiten wie „Anschauen“ als Augensymbol oder „Benutzen“ durch ein Handsymbol weiss hervorgehoben. Durch permanentes drücken der Feuertaste des Joysticks oder der Aktionstaste der Tastatur kann man mit den Richtungstasten

die gewünschte Aktion ausführen. Ist eine Interaktion durch kombinieren der Gegenstände möglich öffnet sich das Pfeilsymbol. Daraufhin kann man den gewünschten Gegenstand anwählen, was Caren zur jeweiligen Handlung oder Kommentar veranlasst.

 

Der zweigeteilte Bildschirm der liebevoll animierten Umgebungsdarstellung durch die sich Caren bewegen und interagieren kann im oberen- sowie der Aktions- und Inventarleiste mit den Gegenständen im unteren Bereich ist gewohnt klassisch gehalten. Abgespeichert kann im Spiel jederzeit werden. Aber keine Angst. Caren müsste in ihrem Abenteuer nichts Ernsthaftes zustossen. Optional einstellbar ist der Sprachtext in Deutsch oder in Englisch sowohl die Geschwindigkeit der Texte.

 

Die Rätsel sollten eigentlich für jedermann gut lösbar sein. Wer sich in der interaktiven Umgebung stets gut umschaut und die Gegenstände im Inventar fleissig mit den Hotspots zu kombinieren versucht sollte dem Finale sporadisch Schritt für Schritt näherkommen. Alles ist logisch nachvollziehbar. Vorsicht geboten sei lediglich vor Objekten die nichts mit der Lösung zu tun haben und den Spieler somit in die Irre führen können.

 

Leider ist die Handlung nach meinem Geschmack etwas zu kurz geraten und das Ende kommt etwas abrupt um die Ecke geschossen. In gut ein bis zwei Stunden, vorausgesetzt man kundschaftet alles aus, dürfte das Spiel komplett durchgespielt sein.

 

Trotzdem ist CAREN AND THE TANGLED TENTACLES für jeden der sich auch nur ansatzweise für klassische Spiele interessiert ein Muss, zumal das Adventure im Netz überdies auch noch kostenlos zum Download erhältlich ist. Die erweiterten Kickstarter-Versionen die komplett mit Box, Cover und Modul daherkamen sowie der USB-Variante mit gleichem Spielumfang daherkamen waren ausschliesslich für die Spender reserviert, welche das tolle Spiel finanziell erst ermöglichten.

(Text by Pink)