Retrospektiven


VOIVOD

Albumtitel: Nothingface

Genre: Progressive Metal

Label: MCA Records

Anzahl Titel: 9

Dauer: 43 Minuten

Veröffentlichung: 1989

Mitglieder: Denis „Snake“ Belanger, Denis „Piggy“ D'Amour, Jean-Yves „Blacky“ Theriault,

           Michel „Away“ Langevin

Produzent: Glen Robinson

Coverartwork: Michel Langevin

 

VOIVOD haben mich mit diesem Album zur extremen Musik hingeführt und mir damit sprichwörtlich neue Universen geöffnet. Als Pink Floyd-Maniac war ich schon immer offen für speziellere Klänge. Und das ist, wenn man sich denn an VOIVOD heranwagen will, absolute Voraussetzung. Ein Kumpel von damals liess mir die Platte bei sich zu Hause laufen und wies mich natürlich auf die Pink Floyd Coverversion „Astronomie Domine“ hin. Und spätestens damit hatte mich „Der VOIVOD“ fest in seinen kalten, eisernen Krallen.

„Nothingface“ ist von allen fünf konzeptionellen Alben um den VOIVOD-Krieger das wohl am eingängigste Werk. Waren die vier Vorgänger, speziell das Debüt „War And Pain“ (1984) und dessen Nachfolger „Rrröööaaarrr“ (1986), noch sehr von punkigen Einflüssen dominiert, entfernten sich die vier Kanadier ab „Killing Technology“ immer mehr von ihren Extremen im Härtebereich. Mit „Nothingface“ nahm die Geschichte 1989 ihr vorläufiges Ende, bevor der Antiheld in „Phobos“ (1997) und „Voivod“ (2003) seine finale Erlösung fand.

Auf der fünften Station seiner Reise geht der VOIVOD erstmals in Sich und lässt seine kriegerischen Erlebnisse die ihn durch die Weiten des Kosmos führten Revue passieren. Psychologisch- philosophische Fragen nach der eigenen Existenz werden aufgeworfen welche ihn schliesslich hin bis zum gedanklichen Selbstmord führen.

Zum ersten Mal in der Geschichte ist die monströse Robotergestalt richtig fassbar, öffnet seine innerste, aus Schaltkreisen bestehende Gedankenwelt und wird somit nicht mehr nur als personifizierte Kampfmaschine verstanden, sondern als fühlendes, in Fleisch- und Blut gewordenes Wesen erlebt.

Dementsprechend relaxter geht es auch auf „Nothingface“ zu und her. Hier sucht man das kriegerische Chaos der Voralben vergebens. Der Krieg findet mehr im Mikrokosmos, dem Kopf von VOIVOD und zugleich auch in den Gehirnen seiner Hörerschaft statt. Das wirre Gedankenkarussell wird durch psychotische Klänge, dem unverkennbaren schrägen, unglaublich kalkulierten und überaus genialen Gitarrenspiel von Denis D'Amour (†2005), Denis Belanger’s stimmlichen Wandelbarkeit und der rhythmischen Fussnote von Jean-Yves Theriault und Michel Langevin veranschaulicht. Letzterer vertieft die hypnotische Reise durch sein kurioses Coverartwork nochmals mehr, welche er im Übrigen für jedes einzelne VOIVOD-Album von Anbeginn her selbst anfertigt.

(Text by Pink)


WISHBONE ASH

Albumtitel: Argus

Genre: Hard Rock

Label: Decca Records

Anzahl Titel: 7

Dauer: 48 Minuten

Veröffentlichung: 28.April 1972

Mitglieder: Martin Turner, Andy Powell, Ted Turner, Steve Upton

Produzent: Derek Lawrence

Coverartwork: Hipgnosis

 

WISHBONE ASH, die Wegbereiter der Doppellead-Gitarren brachten Grössen mit ebendiesem Markenzeichen wie Iron Maiden zu Weltruhm. Im Gegensatz zur Eisernen Jungfrau, die etwa sechs Jahre später auf der Bildfläche erschien, fristen WISHBONE ASH eigentlich ein Schattendasein und ist doch mehr etwas für die

„ernsthaften“ Rockinteressierten bestimmt.

Andy Powell, letztes aktives WISHBONE ASH Originalmitglied (Martin Turner macht in Solo) und seine aktuellen Mitmusiker spielen ihre auserlesenen Konzerte heute vorwiegend in kleineren Clubshows, während Harris und sein Gefolge Fussballstadien am Laufmeter füllen.

Aber um ehrlich zu sein, der Sound von WISHBONE ASH eignet sich für die grossen Arenen dieser Welt irgendwie auch nicht.

Ihren Stil perfektionierte das Quartett in meinen Augen auf ihrem dritten Album „Argus“. Obwohl es kein Konzeptalbum im engeren Sinne ist, klingt die Scheibe wie aus einem Guss. Die Thematik aus Krieg und Mittelalter zieht sich wie der berühmte rote Faden durch das komplette Album. Hat man das Ding erstmal

aufgelegt, muss man die Platte einfach komplett durchhören.

Das geniale Coverartwork von Hipgnosis reiht sich dabei mit in den Hörgenuss ein. Man sattelt sozusagen gemeinsam mit dem Ritter das Pferd, während gemächlich der Anfang von „Time Was“ durch die Boxen plätschert und nach und nach Fahrtwind aufnimmt. Dabei nimmt der Hörer im Unterbewusstsein die Sichtweise des einsamen Protagonisten ein. Durch die Augen des tapferen Kriegers besteht man seine Abenteuer, erkundet die verschiedenen Schauplätze des Albums, buhlt in „Blowin’ Free“ um eine holde Maid mit ihren „goldenen wehenden Haaren“, macht Bekanntschaft mit dem König des Landes, rafft sich mit

dem direkten „Warrior“ zum letzten Kampf um sich schliesslich mit „Throw Down The Sword“ zur wohlverdienten Ruhe zu Betten.

Der unverwechselbare Musikstil der Band ist ihr für ein derartiges Szenario wie auf den Leib geschneidert. Mit ihrem Bardenhaften Dreigesangsstil in dem sie die Texte stets in Erzählform vorgetragen lassen die Briten den

aufmerksamen Hörer an den innersten Gedanken von „Argus“ teilhaben. Der Ritter nimmt ihn hierfür ihn an der Hand, und führt ihn in seinem Reich herum wobei die Wehmut beinahe greifbar wird.

„Argus“ ist der Beweis dafür, dass es nicht immer Alben in Überlänge sein müssen, was ja heute vor allem im progressiven Bereich fast zu einem ungeschrieben Gesetz geworden ist, um echte Tiefe zu vermitteln. Ich bin schon unzählige Male mit „Argus“ auf die Reise gegangen und bin jedes Mal wieder über alle Massen ergriffen von der Intensität der Atmosphäre.

„Argus“ steht für ein Meisterwerk ohnegleichen, dass auch nach vierundvierzig Jahren nichts an Qualität eingebüsst hat, trotzdem aber auch heute noch immer wie ein Geheimtipp gehandelt wird.

(Text by Pink)