Alle Musikreviews


GREYWIND

Albumtitel: Afterthoughts

Genre: Modern Metal/Pop

Label: Spinefarm Records

Anzahl Tracks: 10

Dauer: 39 Minuten

 

Die Biographie der beiden irischen O'Sullivan Geschwister Steph (Gesang) und Paul (Gitarre) liest sich wie ein kitschiger Roman: Aufgewachsen in der abgelegenen Touristen-Provinz Killarney war die Möglichkeit, als Musiker gross rauszukommen, laut Steph und Paul, eher beschränkt. Selbst Steph's vergangene Liebe glaubte nicht daran, dass aus ihr jemals eine erfolgreiche Sängerin werden könne. Also blieb den O’Sullivans nur das Träumen über den grossen Erfolg auf ihrer einsamen, irischen Insel. Als ihr Onkel tragischerweise Selbstmord begann, entschieden sie sich, da das Leben ja so schnell Enden kann, als Duo wieder Musik zu machen. Denn es bot sich niemand, der ernsthaft in ihrer Band spielen wollte. So kam Eins zum Anderen. In einer Woche schrieben sie die Single-Auskoppelung „Afterthoughts“, woraufhin sie sich nach einem Upload im Internet kaum mehr vor Anfragen von Seiten der Musikindustrie retten konnten…, und so weiter, und so fort.

Auf Worte folgen bekanntlich Taten. Also! Was hat ihr Debütalbum, ausser einer grossen Entstehungsgeschichte dahinter, denn musikalisch so zu bieten? Nicht sehr viel Aufregendes, wie ich finde.

GREYWIND versuchen ihren Popsongs mit verzerrten Gitarren metallisches Leben einzuhauchen. Die Gitarren sind aber derart verfälscht und sauberpoliert, da hat der Putzteufel im Studio aber ganze Arbeit geleistet. Tja, immerhin jemand, der hier etwas ordentlich macht. Von Heavy Metal kann hier jedenfalls kaum die Rede sein.

Auch Steph's zierliche Stimme lässt kein Staubkörnchen an sich heran und es wurde alles daran gesetzt, das letzte Quäntchen Leben weg zu digitalisieren, damit das Ding auf Biegen und Brechen auch ja im Radio gespielt werden kann. Hätte denn die junge Dame ein Talent, wurde es spätestens bei der Produktion von „Afterthoughts“ im Keim erstickt.

Jetzt könnte man natürlich alles auf den Producer abschieben. Aber auch rein aus Songwriter-Sicht haben die Stücke weder Arsch noch Füsse und gehen nicht einmal annähernd als gute Popsongs durch. Sowas würde aus meiner Sicht bestenfalls im Disney Channel eine Plattform kriegen.

Gehe ich mit GREYWIND womöglich etwas zu hart ins Gericht? Nein! Das Musikbusiness ist hart. Es entstehen ziemlich sicher genau jetzt wieder tolle musikalische Werke von übermenschlich guten Musikern und überaus kreativen Songschreibern, die es aber nicht schaffen, irgendwie Fuss zu fassen, weil der musikalische Horizont von Mainstream versifften Eintagsfliegen den Tellerrand vor echter, ehrlicher Musik verdeckt. Da reagiere ich nun mal etwas allergisch.

3/10 Punkte

(Text by Pink)


CRYPT OF SILENCE

Albumtitel: Awareness Ephemera

Genre: Doom/Death Metal

Label: Solitude Productions

Anzahl Tracks: 4

Dauer: 54 Minuten

 

Ich war noch nie in Russland. Aber wie man weiss, ist dort der Winter nochmals um einiges länger und härter, als hierzulande. Einen ungefähren Eindruck davon geben uns die russische Doom/Death Metal-Kapelle CRYPT OF SILENCE, die bereits mit dem Opener „Longest Winter“ ihres neusten Eisen ihr Geschütz in Rekord-Slow Motion-Zeit auffahren. „Longest Winter“ ist zwar nicht ihr bestes Stück auf dem Album – mir fehlt es hier eindeutig am Drive und an festen Anhaltspunkten, machen es mit dem zweiten Track „Insignificant Sense“ jedoch schon besser. Das Optimum des Albums erreichen sie damit aber noch nicht, auch wenn der Track viele Defizite des Openers ausbügelt. Auf „Life Passed By“ lassen sie dann nun doch endlich ihre ganz grossen Stärken aus dem Sack. Einprägsame Melodieführung und ergreifendes Setting im Zusammenspiel bei den Gitarren- und den Growl-Vocals im Refrain-artigen Ankerpunkt des Songs heben „Life Passed By“, zumindest in meinen Ohren, auf das Podest Nummer Eins von „Awareness Ephemera“, denn mit „Meridian“ beginnt diese Leistung wieder an, etwas zu bröckeln.

„Awareness Ephemera“ ist sicherlich kein schlechtes Album – für meinen Geschmack sind die schweren Riff-Brocken aber auf etwas wackligem Fundament erbaut, und werde das Werk somit im Ordner unter dem Aktenzeichen „Solide“ abheften müssen.

7/10 Punkte

(Text by Pink)


KOSMOKRATOR

Albumtitel: First Step To Supremacy

Genre: Black Metal/Death Metal

Label: Ván Records

Anzahl Tracks: 4

Dauer: 32 Minuten

 

KOSMOKRATOR kommen aus Belgien. Und das ist schon alles, was die Band von sich preisgibt, deren Mitglieder sich hinter den Namenskürzel J. (Vocals), C.M. (Gitarre), M. (Gitarre), T. (Bass) und E. verbergen. Durch den Antipersonenkult wirkt die EP des Fünfers noch mystischer und bedrohlicher, als er es ohnehin schon ist. Von den ersten Sekunden an entfesselt sich ein wildgewordener Strom aus dunklen Abnormitäten, dessen  unheilvolle Absichten sich über den Hörer entladen. Das Chaos, das mit einem Urschrei den Beginn einer eindrücklichen, aber enorm dunklen halben Stunde einläutet, gebiert in den Fantasien des Konsumenten Geschöpfe aus der tiefsten Hölle, in die kein Licht der Welt jemals hingelangen wird und Ausgeburten von abstrakten Perversionen ihr Dasein fristen, die nicht für das menschlichen Auge bestimmt sind.

„First Step To Supremacy“ ist ein unheiliger Brocken aus Black/Death Metallischen Klangwelten, der für eine EP sehr viel zu bieten hat und die sich jeder, der sich für die extreme Form der musikalischen Ausdrucksweise interessiert unbedingt anhören sollte, bis KOSMOKRATOR doch hoffentlich bald mit einem ebenso starken Fulllenght um die Ecke kommen mögen.

8.5/10 Punkte

(Text by Pink)


GATEWAY TO SELFDESTRUCTION

Albumtitel: Death, My Salvation

Genre: Atmospheric/Depressive Black Metal

Label: Northern Silence Productions

Anzahl Tracks: 8

Dauer: 46 Minuten

 

Black Metal mit Todessehnsucht-Thematik kann man sich mit dem Debüt der deutschstämmigen GATEWAY TO SELFDESTRUCTION geben. „Death, My Salvation“ kopuliert mit vergangenen Tagen, als Katatonia durch ihre Alben wie „Dance Of December Souls“ (1993) und „Brave Murder Day“ (1996) noch weit weg von Salonfähigkeit agierten. Der Erstling lässt sich gut an, vereint melodiöse Black Metal-Linearitäten, die sich meist unter dem Radar der Hypergeschwindigkeit bewegen, mit ganz frühen Paradise Lost-artigen Doom-Riffs, strotzt vor dunklen Aussichtslosigkeiten, denen Frontfrau Mara mit ihrem aus tiefster Verzweiflung aufkeimenden Keif-Gesang die Maske der Hoffnungslosigkeit endgültig aufsetzt.

„Death, My Salvation“ macht vieles richtig und kann somit im Underground sicher positive Akzente setzen.

7/10 Punkte

(Text by Pink)


POSH

Albumtitel: Born Out Of Silence

Genre: Rock

Label: Red X Music

Anzahl Tracks : 12

Dauer: 43 Minuten

 

POSH sind zurück – und das verdammt eindrucksvoll! Das letzte Album liegt sage und schreibe vierzehn Jahre zurück – um ehrlich zu sein, hätte ich nicht mehr damit gerechnet, dass Sängerin Martina Dieziger und Band nochmals mit einem neuen Werk um die Ecke kommen. Nun ist es also da und führt den damals eingeschlagenen Weg fort: Cross-Over-Pop/Rock – und das nahezu in Perfektion. Bereits die Vorgänger-Alben wussten zu gefallen, doch „Born Out Of Silence“ zeigt eine gereifte, erwachsene Band. Natürlich erfindet man das Rad nicht neu, so erinnert z.B. die Bridge von „What Brings The Day“ stark an den Refrain von „Give It Away“ der Red Hot Chili Peppers, während Track Nummer elf „Hero“ einer Alanis Morissette gut zu Gesicht stehen würde.

POSH rocken hart und modern, nehmen aber immer wieder mal das Tempo raus, um mit Songs wie „Is It You“ oder „With You Again“ die Fans sanfterer Klänge zu begeistern – ohne jedoch in Peinlichkeiten abzudriften. Besonders letztgenannter Song ist eine Klasse für sich: Zuerst nur Klavier und Stimme, bevor der Rest der Band miteinsteigt – untermauert von dezent orchestraler Begleitung.

Doch auch wenn die Musik alleine schon zu überzeugen weiss, die Musik von POSH wäre nur halb so gut, wäre da nicht Sängerin Martina Dieziger. Ich gebe zu, wenn es um Gesang geht, gefallen mir männliche Stimmen besser, denn weiblicher Gesang beginnt mich irgendwann zu langweilen. Doch wenn ich Martina’s Stimme höre, mache ich da gerne eine Ausnahme. Sie singt zärtlich umschmeichelnd, wo ich als Mann spontan denke: „Heirate mich!“, doch sie kann auch anders – nämlich derart kraftvoll, dass ich mir denke: Wenn die Dame Streit mit ihrem Freund hat, tut mir der arme Kerl echt leid!

„Born Out Of Silence“ hat mich positiv überrascht. Auf dem ganzen Album gibt es keinen sogenannten „Filler“, sondern Qualitätsarbeit Made in Switzerland!

Wer auf eine Mischung aus Alanis Morissette, den Red Hot Chili Peppers und ganz besonders Dacia & The Weapons Of Mass Destruction (bezüglich der Härte) steht, sollte sich dieses Album zulegen! Geht mal bei www.posh.ch vorbei, dort könnt Ihr in dieses starke Album reinhören.

Ich für meinen Teil zücke hier gerne neun Punkte! Starke Leistung!

9/10 Punkte

(Text by Ralph)


SOEN

Albumtitel: Lykaia

Genre: Progressive Rock

Label: UDR Music

Anzahl Tracks: 8

Dauer: 49 Minuten

 

SOEN. Eine Band, die bisher unbeachtet an mir vorbeigegangen ist, deren beiden Vorgänger „Cognitive“ (2012) und „Tellurian“ (2014) ich aber bestimmt noch in naher Zukunft nachholen werde. Gegründet von Schlagzeuger Martin Lopez, der gut zwanzig Jahre die Taktstöcke bei Opeth geschwungen hat, wurde das Projekt von ihm bereits 2004 ins Leben gerufen, musste das Vorhaben aber aufgrund seiner Aktivität bei Opeth aus Zeitgründen bald wieder hinten anstellen. Nach seinem Weggang der schwedischen Death/Progressive Metal-Pioniere komplettierte er 2010 mit Sänger Joel Ekelöf und dem Bassisten Steve DiGiorgio, der aber mittlerweile nicht mehr mit von der Partie ist, die Band.

SOEN schlagen ganz klar in die progressive Breitseite. Vertrackte Rhythmik, die sich aber nicht allzu verkopft anlässt, freunden sich hier mit wenigen Hooks und Eigensinnigkeiten aus Jazz- und Oriental-Appetizers an. Die Tool-Sympathien sind hier genauso offensichtlich, wie die jahrelange Tätigkeit bei Opeth, die auf „Lykaia“ ganz klare Spuren hinterlassen haben. SOEN verstehen es, ihre musikalische Vergangenheit mit neuen gegenwärtigen Einflüssen und einem reichhaltigen Strom aus ihrem grossartigen Ideenschatz zu kreuzen, ohne dass man hier gleich von einem Zwilling sprechen muss.

9/10 Punkte

(Text by Pink)


ZEAL & ARDOR

Albumtitel: Devil Is Fine

Genre: Black Metal/Blues

Label: MVKA Records

Anzahl Tracks: 9

Dauer: 25 Minuten

 

Der Teufel steckt ja bekanntlich im Detail. Will man die Musik des schweiz-amerikanischen Doppelbürgers Manuel Gagneux begreifen, muss man schon ganz tief in die Materie abtauchen.

Black Metal Meets Blues. Wie geht das denn? Nun. Eigentlich ganz einfach wie auch genial setzt Manuel Gagneux dieses Vorhaben um. Mit einem Gedankenspiel der Umkehrtaktik, also der Vorstellung, hätten die Sklaven sich damals dem Christentum abgewandt und sich stattdessen mit den dunklen Künsten befasst und statt Jesus Luzifer in ihren Herzen getragen. Anstatt Lobpreise an den himmlischen Allvater wären auf den Feldern, auf denen sie sich für den weissen Mann täglich abgeschunden haben, Gesänge an den Lichtbringer erklungen.

ZEAL & ARDOR spielt mit dunkler Mystik, verbindet satanische Sklavengesänge mit nordischer Black Metal-Kälte und setzt dabei Aleister Crowley-Samples und Spieldosen-Musik als Verbindungsglied ein.

Heraus kam ein hochinnovatives Werk, das mit seinen lediglich fünfundzwanzig Minuten Spielzeit enorm langanhaltend wirkt und mehr Eindrücke hinterlässt, als so manch anderer Longplayer, der die einstündige Spielmarke durchbricht.

Aber hört selber. Das hier ist wirklich geiler Shit!

9/10 Punkte

(Text by Pink)


SCREAMER

Albumtitel: Hell Machine

Genre: Rock

Label: High Roller Records

Anzahl Tracks: 8

Dauer: 38 Minuten

 

Ja, ja die Schweden, bekannt für gute Musik, reihen sich auch SCREAMER in die Reihe dieser Bands ein. Im Jahre 2009 haben sie sich das erste Mal formiert und 2011 das Debütalbum raus gebracht. Mit „Hell Machine“ bringen sie nun ihr „schwieriges drittes Album“, wie die Band selbst behauptet raus. Leider gibt es nur acht Songs, aber manchmal liegt die Würze in der Kürze. Dafür haben wir keine Füller, sondern alle Songs von gleichbleibender Qualität.

Was kriegen wir also auf „Hell Machine“ für unser Geld? Acht Rock-Songs, die es in sich haben. Treibende Drums und schrubbende Gitarren ziehen sich wie ein roter Faden durch die Tracks. Voller Energie rocken sie daher und hören einfach nicht auf. OK, nach dem achten Song ist zwar Schluss, aber man kann ja wieder von vorne anfangen.

Wer auf bodenständigen Rock ohne großes Brimborium steht, sollte unbedingt ein oder zwei Ohren riskieren.

8/10 Punkte

(Text by Melanie)


HEAVY METAL KIDS

Albumtitel: Hit The Right Button

Genre: Hard Rock

Label: Dissonance Productions

Anzahl Tracks: 13

Dauer: 47 Minuten

 

Das Album „Hit The Right Button“ ist letztes Jahr noch mal neu auf Dissonance Productions erschienen. Bereits 2003 kam es raus. Ich werde allerdings nicht ganz schlau aus dem Info Sheet, auf dem es heißt, dass das ihr erster Release seit 1988 ist und die Band noch mal neu zusammengefunden hat.

Aber wenden wir uns der Musik zu. Guter, alter Classic British Heavy Rock wird uns serviert. Ein Mix aus Status, Ufo und Sweet, explosiv und eine Spur frischer, aber auch mit einem Hauch achtziger Sound, so präsentieren sich HEAVY METAL KIDS. Die Melodien sind alle sehr eingängig und Radiotauglich. Außerdem sehr abwechslungsreich und machen wirklich Spass beim Hören.

8/10 Punkte

(Text by Melanie)


REKKORDER

Albumtitel: Breaking Silence

Genre: Alternative Rock

Label: Deaf Dog Records

Anzahl Tracks: 12

Dauer: 46 Minuten

 

Mit dem rasanten Einstieg „Hello“ begrüssen die Hamburger Newcomer REKKORDER seine Hörerschaft lautstark. Damit durchbrechen sie aber, wie etwa der Albumname ihres Debüts „Breaking Silence“ vorgibt, nicht nur die Stille. Nein! Aus tiefster Inbrunst schleudert mir die Truppe treibende Riffs entgegen, auf deren Flow ich sogleich aufspringe, um in den musikalischen Wellen zu reiten. REKKORDER mobilisieren das ganze Aufgebot an starken Songideen, damit sie ein Album abliefern können, das sich länger im Erinnerungsvermögen festzusetzen vermag.

Ziel definitiv erreicht, würde ich meinen, denn mit „Breaking Silence“ schaffen sie einen alternativen Spagat zwischen langanhaltender Eingängigkeit zum Einen, versorgen aber zum Anderen die Botenstoffe im Gehirn mit vielerlei Eigenheiten und hängen damit den allzu kommerziellen Zug immer schön knapp ab. Man merkt auf jeden Fall, die Truppe will sich treu bleiben.

Radiotauglich sind die Songs aber irgendwie trotzdem. Mit ihrer Mischung aus fetten Gitarrenverzerrungen, rockigen- und den teilweise ganz hauchdünnen funkigen Ansätzen, über all dem Sängerin Nina Lucia mit ihrem kräftigen, recht ernstem Gesangsorgan stets wacht, würde „Breaking Silence“ mit Sicherheit sehr gut bei so manchen Radiostationen anlaufen.

8/10 Punkte

(Text by Pink)


ONE OK ROCK

Albumtitel: Ambitions

Label: Atlantic Records

Genre: Alternatvie

Anzahl Tracks: 11

Dauer: 47 Minuten

 

Die Japaner von ONE OK ROCK, die seit 2005 bestehen, sind in ihrer Heimat Japan bereits eine bekannte Grösse und haben auch bei uns einige Erfolge verzeichnen können, wie z. B. ausverkaufte Konzerte und einen Auftritt bei Rock Am Ring. Ebenso können sie einen MTV Music Award ihr eigen nennen.

Nun haben sie ihr neues Album „Ambitions“ auf den Markt geworfen und Ambitionen haben sie anscheinend genug. ONE OK ROCK klingen sehr amerikanisch und hauen richtig in die Alternative-Kerbe. Viele radiotaugliche Songs wie z. B. „American Girls“, das nach vorne geht und zum Mitsingen animiert, sind auf dem Album, aber sie können auch gefühlvoll, wie die Ballade „Hard To Love“ zeigt.

Alles in allem eher ein Mainstream-Album, das aber sicher seine Berechtigung und auch seine Hörerschaft hat, wie der Erfolg zeigt.

7,5/10 Punkte

(Text by Melanie)


BEACHHEADS

Albumtitel: Beachheads

Genre: Indie Rock

Label: Fysisk Format

Anzahl Tracks. 11

Dauer: 43 Minuten

 

Vier Jungs aus Norwegen tun sich zusammen und gründen eine Band mit dem Namen BEACHHEADS. Überrascht von ihrem Radioerfolg in UK und Norwegen haben sie nun ihr selbstbetiteltes Debüt-Album mit elf Songs jetzt auf den Markt gebracht. Locker flockig kommen sie um die Ecke. Mit einer Leichtigkeit spielen sie sich durch die elf Songs. Was andere nur mühsam und mit aufwendigem Arrangement auf die Reihe bekommen, gelingt den BEACHHEADS mit gekonntem Songwriting. Die Platte macht einfach Spaß! Manchmal ist weniger einfach mehr. Allerdings legen sie grossen Wert auf ihre Melodien und wollen in allen Lebenslagen Teil der Hörer sein. Ebenso mit Liebesliedern, wie auch mit tiefsinnigeren Themen. Jedoch verlieren sie niemals ihre Leichtigkeit.

So muss Indie Rock klingen. Und Norwegen zeigt, dass sie mehr drauf haben als Death Metal.

9/10 Punkte

(Text by Melanie)


LIGHT & SHADE

Albumtitel: The Essence Of Everything

Genre: Symphonic Power Metal

Label: Scarlet Records

Anzahl Tracks: 11

Dauer: 56 Minuten

 

Der Line Up-Bestand aus der Sängerin Adrienne Cowan (Seven Spires), Gitarrist Marco Pastorino (Temperence, Secret Sphere), Bassist Luca Negro (Temperence) Schlagzeuger Alex Landenburg (Luca Turilli's) sind alles andere als grün hinter den Ohren. Ob LIGHT & SHADE nur als Projekt der Musiker gilt, weiss ich nicht. Fakt ist: Die Frontfrau und ihre Jungs machen hier vieles richtig.

Die stilistische Ausrichtung des Vierers weist eine Mixtur aus typischen Female Fronted Power Metal mit viel epischem Brimborium auf, wie man es in etwa von Within Temptation oder Evanescence her kennt, wobei bei Adrienne Cowan oft das italienische Temperament durchgeht. Denn Adrienne macht dankenswerterweise nicht auf Prinzesschen und statt Feenstaub holt sie lieber die harte Keule raus. So singt sie auch bei den cleanen Parts oft und gerne kaltschnäuzig, ja, schreit die Wörter mehr, als das man es Gesang nennen könnte. Auch das Handwerk des Growlings beherrscht die Dame ganz ordentlich und macht einer Sabina Classen (Holy Moses) alle Ehre. Als Vergleichs-Massstab könnte man hier auch In This Moment heranziehen. Nur mit etwas progressiverer und- immer gut, metallischerer Ausrichtung.

Die Scheibe verliert zwar nach hinten ab ihre Wirkung langsam, wobei ich hierzu sagen muss, dass diese Stilrichtung sowieso nicht meine bevorzugte ist, und ich bei „The Essence Of Everything“ eine grössere Portion an Objektivität walten lassen musste.

Ich vergebe den Italienern 7.5 Punkte. Stilliebhaber der Sparte dürfen aber gerne etwas dazu addieren.

7.5/10 Punkte

(Text by Pink)


GLENN HUGHES

Albumtitel: Resonate

Genre: Hard Rock

Label: Frontiers Music s.r.l.

Anzahl Tracks: 11

Dauer: 52 Minuten

 

GLENN HUGHES war mitunter Mitbegründer der durch vielen Besetzungswechsel gezeichneten Trapeze, hauchte den viel zu unterbewerteten Deep Purple-Platten „Burn“ (1974), „Stormbringer“ (1974) und „Come Taste The Band“ (1975) stimmliches Leben ein, wirkte am Musikprojekt Phenomena mit und war Austauschsänger beim Black Sabbath-Album „Seventh Star“ (1986). California Breed gehören auch schon wieder der Geschichte an. Mit Black Country Communion wurde immerhin von einigen Mitgliedern bestätigt, dass sie in diesem Monat die Arbeiten für ein neues Album aufnehmen werden. Dies sind nur einige Stationen des britischen Sängers und Bassisten.

So unbeständig seine Bandaktivitäten auch waren, am treusten war er schon immer zu sich selber. So steht nun mit „Resonate“ sein zwölftes Soloalbum ins Haus. GLENN HUGHES heizt sowohl mit bodenständigen Rocknummern, funkigem Brennmaterial und benutzt so einige Referenzen aus seiner vergangenen Tätigkeit zum Anfeuern. Vor allem aus der Deep Purple-Kerbe kramt der Altrocker vieles hervor, wobei das Markenzeichen Hammond Orgel natürlich nicht fehlen darf.

Stimmlich ist der Mann über alle Ehren sehr gut gealtert. Einfach der Wahnsinn, was Glenn aus dem Pensionsalter mit fünfundsechzig Lenzen immer noch aus sich herausholt und wie wandlungsfähig er dabei ist. Hier muss nicht staubgewedelt werden. Denn Flusen hat er so gut wie keine angesetzt.

Natürlich hat der Gute mit Soren Andersen (Gitarre), Pontus Enborg (Schlagzeug), Lachy Doley (Keyboards) auch eine enorm talentierte Band im Rücken, die so ziemlich alles spielt, was der Mann ihnen vorgibt.

Hammer!

9/10 Punkte

(Text by Pink)


DISCO ENSEMBLE

Albumtitel: Afterlife

Genre: Rock

Label: Fullsteam Records

Anzahl Tracks: 11

Dauer: 43 Minuten

 

Die Finnen von DISCO ENSEMBLE treiben bereits seit zwanzig Jahren ihr Unwesen im Musikzirkus und haben es schon mit vier Alben in die Top Ten in Finnland geschafft. Man sagt den Finnen eine große Traurigkeit nach, die sich meist auch in deren Musik widerspiegelt, allerdings sucht man die bei DISCO ENSEMBLE vergebens. Mit ihnen und ihrer Musik will man eine große Party feiern, auf der das Bier nie ausgeht. Sie machen einfach Freude und man hört die Platte gern wieder und wieder durch. Sie haben ihre Wurzeln im Punk und das hört man immer noch etwas raus.

Aber wie sie selbst von sich behaupten sind sie einfach eine simple Rockband. So simpel ist es dann aber doch nicht, wenn man sich so lange im Geschäft halten kann.

Ihre Musik ist eine gelungene Mischung aus Gitarrenschneisen, die sich sicher gut in Clubs und live machen und auch Synthesizer-Einsatz, mit denen sie Akzente setzen.

DISCO ENSEMBLE zeigen, dass die Finnen mehr drauf haben als traurig und melancholisch zu sein. „Afterlife“ macht auf alle Fälle Spaß. Hört mal rein.

8/10 Punkte

(Text by Melanie)


SAOR

Albumtitel: Guardians

Genre: Celtic Black Metal

Label: Northern Silence Productions

Anzahl Tracks: 5

Dauer: 55 Minuten

 

Den passenden Soundtrack zur verträumten Winterlandschaft, welche sich genau jetzt vor meinen Augen offenbart, bietet die schottische Einmann-Institution SAOR, die das winterliche Gefühl und die Abgeschiedenheit, die man in der tiefen Innerschweiz ohnehin schon hat, noch um einiges verstärkt.

Während Andy Marshall als alleiniger Chef über seine Kompositionen herrscht, ist er sich nicht zu schade, einige Gastmusiker um sich zu scharen, um seinen Songs Leben einzuhauchen. Mit Meri Tadic (ex-Eluveitie, Irij) an der Fidel, John Becker (Austaras) für diverse Saiteninstrumente, Kevin Murphy am schottischen Aushängeinstrument, den Bagpipes und Bryan Hamilton (Cnoc An Tursa) am Schlagzeug sind einige namhafte Leute dabei, die grossartige produktive Inputs für das neue Werk „Guardians“ beigetragen haben.

„Guardians“ klingt anfänglich enorm wirr und man hat zuerst etwas Mühe, all die Klänge, die auf einen herunterprasseln, richtig einzuordnen. Man muss sich also schon etwas eingehender mit der Scheibe befassen, um die Klangwelten zu entwirren und das Optimum an Erleben daraus zu ziehen. Und genau das ist „Guardians“ auch: Ein Erlebnis. Andy Marshall zeichnet mehr musikalische Geschichten, als dass es Songs im eigentlichen Sinne sind. Mir ist sowas auch viel lieber, als mittelalterliche Schunkellieder, die für mich schon immer nur mit mehreren Trinkhörnern an Met im einigermassen erträglichen Bereich waren.

SAOR ist da ganz anders. Nebst den traditionellen Klängen tunkt Marshall diese in tiefschwarzes Eiswasser aus Black Metal, ohne aber jemals in Stumpfsinn zu ertrinken. Die Blasts werden stets mit Bedacht gewählt und auch das gesangliche Gekeife wütet mehr am Rande. „Guardians“ erinnert sogar irgendwie an Mike Oldfield, der, ebenfalls wie Marshall, als Multiinstrumentalist mir vor allem auf seinen Frühwerken sehr imponierte.

Wer wieder einmal ein originelles Exponat aus nordischer Kälte, dunklen Welten und traditionellen Instrumentalen geniessen will, ist bei SAOR genau richtig.

8/10 Punkte

(Text by Pink)


CROBOT

Albumtitel: Welcome To Fat City

Genre: Rock/Stoner

Label: Nuclear Blast Records

Anzahl Tracks: 11

Dauer: 40 Minuten

 

Der Albumtitel „Welcome To Fat City“ zogen CROBOT aus der wahren Begebenheit des US-amerikanischen Schriftstellers und Journalisten Hunter S. Thompson, der 1970 in Aspen, Colorado als Sherriff kandidierte und im Zuge seines Wahlkampes versprach, wenn er denn gewählt würde, den Namen Aspen in „Fat City“ umzuwandeln, um es den Geldschneidern, Immobilienhaien und sonstigen menschlichen Schakalen unmöglich zu machen, aus dem Namen Aspen Kapital zu schlagen. Er verlor damals nur knapp.

So Far, So Good. CROBOT münzen den Titel nicht nur auf eine Stadt, sondern widmen ihn gleich einem ganzen Planeten und vertonen dies mit eingängigem Rock der besten Sorte, um den Schurken und Halunken eine Plattform zu geben. Knackig, funky und schnörkellos präsentieren die Amis ihren Sound und haben ersichtliche Freude daran.

Dass die Band noch sehr jung ist, merkt man der Truppe zu keiner Sekunde an, denn die Jungs geben sich dermassen authentisch, als wären sie gerade mittels Zeitreise bei uns gelandet.

Grossartig!

8/10 Punkte

(Text by Pink)


TESTAMENT

Albumtitel: Brotherhood Of The Snake

Genre: Thrash Metal

Label: Nuclear Blast Records

Anzahl Tracks: 10

Dauer: 45 Minuten

 

Thrash Till The Fucking End! Chuck Billy und seine Crew sind wieder am Start. Und mit „Brotherhood Of The Snake“ lassen sie auch wieder überhaupt nichts anbrennen. Hier jagt ein Killersong den anderen. TESTAMENT müssen sich überhaupt nichts vormachen. Sie gehören nicht nur ihres Namens wegen noch zu den oberen Rängen des Thrash Metals und suhlen sich etwa auf den Lorbeeren der Vergangenheit. Nein. Die Jungs machen auch noch nach drei Dekaden in der Praxis gerne die Finger schmutzig und liefern allerbeste Glanzarbeit.

Chuck Billy ist immer noch das stimmliche Reibeisen in Bestform, das auch melodisch mithalten kann und mitunter auch Death/Black Metallische Variablen ins Spielgeschehen miteinbringt. Und die Saitenfraktion Eric Peterson, Alex Skolnick, Steve DiGiorgio spielt sich einen Bär, bringen astreine Solis aufs Parkett, wobei der Name Gene Hoglan hinter den Drums allein der Name schon Programm ist.

Bei dieser Konsequenz, die TESTAMENT ihre Alben raushauen, können sich immer noch viele ein Beispiel nehmen, was eine echte stilistische Konstante ist und dabei noch immer frisch und vital zu klingen.

Hut ab, Matte schwingen!

10/10 Punkte

(Text by Pink)


DEMON

Albumtitel: Cemetery Junction

Genre: Classic Rock

Label: Spaced Out Music

Anzahl Tracks: 11

Dauer: 55 Minuten

 

Mit Album Nummer dreizehn sind DEMON sozusagen gleichauf mit ihren Landeskollegen von Black Sabbath. Doch der DEMON schleicht sich auf leiseren Sohlen heran und fällt ohne grosse Ankündigungen über einen her, wie es beim schwarzen Sabbat mit „13“ (2013) der Fall war.

Sänger, Dave Hill, ist mittlerweile das einzige verbliebende Gründungsmitglied- man könnte eigentlich fast schon von einem Soloalbum sprechen.

Nun. Was erwartet man von einer Band wie DEMON denn anno 2016? Ich denke, man schraubt seine Erwartungen bei alternden Bands automatisch zurück- wieso auch immer. Bei DEMON trifft diese Erwartungshaltung für einmal zu.

Obwohl „Cemetery Junction“ sicher kein schlechtes Werk ist, ergreift mich der Metal-DEMON diesmal nicht so richtig. Die Songs plätschern irgendwie wenig beachtenswert vor sich hin und liefern mit ihrem einstündigen Manifest ein etwas trockenes Endergebnis ab.

Stimmlich steht Dave Hill noch immer gut im Saft, und auch seine Bandkollegen liefern durchwegs saubere Arbeit aus. Klar, ich nehme als Vergleich ihr Debut „Night Of The Demon“ (1982) oder ihre progressivere Phase wie „The Plague“ (1983) und „British „Standard Approved“ (1984) zu Rate und habe damit wohl auf das ganz hohe Ross gewettet. Und dabei fällt ihre dreizehnte Veröffentlichung vergleichsweise solide aus, was unter dem Strich aber immer noch als akkurate Leistung angesehen werden kann.

7/10 Punkte

(Text by Pink)


CYANNA MERCURY

Albumtitel: Archetypes

Genre: Psychedelic Folk

Label: Eigenvertrieb

Anzahl Tracks: 10

Dauer: 42 Minuten

 

Dieses tolle Scheibchen veröffentlichten die griechischen CYANNA MERCURY im November letzten Jahres. Eigentlich eine Schande, dass die Band noch ohne vernünftigen Plattendeal dasteht. Anyway.

Die Jungs gehen sehr ambitioniert an die Sache heran. Ihren Musikstil nennen sie selbst Psychedelic Folk. Und ja, die Platte weist so einige psychedelische Facetten auf, die sich unter anderem durch schräge Orgelklänge zu manifestieren versuchen. Auch der griechische Folk floss ohne Frage in ihre Kompositionen ein. Dieser schlägt sich in Mantra-artigen, hypnotisch-berauschenden, okkult-angesäuselten Sounds nieder. Ich habe den bewusstseinserweiternden Substanzen mittlerweile abgeschworen. CYANNA MERCURY schaffen es, auch ohne derlei Einwirkungen, alleine mit ihrer Musik, ein rauschartiges Gefühl zu erzeugen.

Ihre klanglichen Trips vermischt das Quartett mit gegenwärtigen Subtanzen wie The Tea Party oder Danzig und der altbewährten Früh-Sechziger Mischung, die sich vor allem aus der Mutterpflanze von The Doors zusammensetzt.

CYANNA MERCURY schaffen es, stilistisches in die Neuzeit zu portieren, ohne angestaubt zu klingen. „Archetypes“ ist aber keine blosse Konservierung aus Altertümlichem, sondern mehr eine Liebeserklärung an die Wegbereiter vergangener musikalischen Glanztaten, die sie mit vielerlei Eigenkreationen zu würdigen versuchen, was ihnen hier optimal gelungen ist.

9/10 Punkte

(Text by Pink)


TOKYO MOTOR FIST

Albumtitel: Tokyo Motor Fist

Genre : Rock

Label : Frontiers Music s.r.l.

Anzahl Tracks : 11

 

Es gibt nur wenige Sänger, die ich wirklich toll finde. Neben Donnie Vie gehört sicherlich auch Ted Poley (Danger Danger) dazu. Umso neugieriger war ich, als ich hörte, dass Ted zusammen mit Steve Brown (Trixter) gemeinsame Sache macht und die beiden Musiker eine neue Band am Start haben: TOKYO MOTOR FIST. Zu Ted und Steve gesellen sich noch Greg Smith (Ted Nugent, Rainbow, Alice Cooper) und Chuck Burgi (Rainbow, Joe Lynn Turner) dazu- was kann da schon schiefgehen?

Das positive zuerst: Auf dem selbstbetitelten Debut findet man das, was man als Fan dieser Jungs erwartet- melodiösen Hardrock mit starkem 80ies-Einschlag. Auch technisch kann man nix kritisieren: Die Produktion drückt schön und dass die Jungs ihre Instrumente im Griff haben, war eh klar.

Doch als ich voller Freude diesen Rundling das erste Mal angehört habe, passierte etwas, womit ich nicht gerechnet habe: Es berührte mich nicht! Die Songs plätscherten so dahin. Klar, nette Melodien, die bekannte Stimme von Ted, Gitarren-Solis, einprägsame Refrains… Doch wo ich beim letzten Danger Danger-Album noch mit breitem Grinsen vor der Anlage sass und auch beim letztjährigen Solo-Album von Ted Poley noch fusswippend mitgegroovt habe, fand sich auch beim dritten Durchgang der TOKYO MOTOR FIST-Scheibe kein Song, der sich so richtig in meinem Gehör festsetzen konnte. Mittlerweile höre ich mir die Scheibe zum fünften Mal an und ja, die Balladen („Love“, „Don’t Let Me Go“, „Get You Off My Mind“) können durchaus was, doch von Sternstunden des 80ies Rock zu sprechen, wäre übertrieben. Die rockigen Songs dieses Debuts sind auch ganz nett, aber eben… Da gibt’s einfach besseres auf diesem Gebiet.

Vielleicht benötigt diese CD noch weitere fünf Durchläufe, wer weiss, doch aktuell zücke ich nicht mehr als 6,5 Punkte, mit leichter Tendenz nach oben.

6,5/10 Punkte

(Text by Ralph)


AARON KEYLOCK

Albumtitel. Cut Against The Grain

Genre: Hard Rock/Blues

Label: Provogue Records

Anzahl Tracks: 11

Dauer: 47 Minuten

 

AARON KEYLOCK, die Gitarren-Sensation aus England, hat mit gerade einmal acht Jahren angefangen Gitarre zu spielen. Beeinflusst wurde der blutjunge Aaron durch Rockgrössen wie Black Sabbath, den Rolling Stones, Led Zeppelin und vielen anderen, denen ein Platz im Olymp des Rocks sicher ist.

Die ersten Berührungen sind, wie wir alle wissen, oftmals massgeblich. Daher ist es kein Wunder, dass sich deren Einflüsse auch auf das Debütwerk „Cut Against The Grain“ niederschlagen.

Nebst den typischen Hard Rock-Attitüden, die Aaron mit einer Coolness As Fuck verschiesst, fliesst in ihm der Blues ungefiltert durch die Venen, den er auf direktem Wege aufs Griffbrett transportiert. Hinzu gesellen sich leichte Folk-Suggestionen als auch funkige Parts, sowie tiefenwirksame Hintergrund-Ovationen bestehend aus Hammond-Orgelklängen. Überaus massgeblich auf „Cut Against The

Grain“ sind die Slide-Gitarren, von denen AARON KEYLOCK stets Gebrauch macht.

Somit ist „Cut Against The Grain“ ein überaus empfehlenswertes Album für Rock- und Blues-Begeisterte und ganz wichtig, wieder einmal ein sicheres Zeugnis dafür, dass auch mit den langsam in Rente-gehenden Altrocker, das Überleben des Rock' n Roll gesichert ist. Gut zu wissen.

8.5/10 Punkte

(Text by Pink)


LORD VIGO

Albumtitel: Blackborne Souls

Genre: Epic/Doom Metal

Label: No Remorse Records

Anzahl Tracks: 8

Dauer: 56 Minuten

 

Viele sind sich einig: Das Jahr 2016 war ein richtiges Scheissjahr ohnegleichen. Und es stimmt. Über so viel Sinnlosigkeit und fragwürdiges gab’s in einem Jahr schon lange nicht mehr zu berichten. Die Welt steht ohne Zweifel am Abgrund, der sich vor uns als riesiges, schwarzes, tiefes Loch offenbart, welches wir uns selbst zuschreiben können.

Das Musikbusiness hat ebenfalls schon bessere Zeiten gesehen und scheint finanziell aus den letzten Löchern zu pfeifen. Das Fleisch hängt nur noch in Fetzen lose vom Musikantenknochen herunter. Der Mainstream vergnügt sich mit Retorten-Babys, die in den vielen Casting-Shows im Fernsehen fleissig herangezüchtet werden. Schutzlos ausgeliefert werden diese, von den Massen ausgesaugt, achtlos weggeworfen, bevor sie sich gierig auf das nächste Opfer stürzen können, das schon bereitwillig für einen kurzen Erfolg darauf wartet, zerfleischt zu werden.

Dem Hard Rock- und dem Heavy Metal wurde vor nicht mal allzu langer Zeit prophezeit, er stehe ebenso am Ende. Ha! Denkste! Genau hier zeigt sich, für wen Musik noch eine Herzensangelegenheit ist und wer sich nicht vom grossen Ruhm blenden lässt.

2016 war zumindest, was es an Releases an der Hard- und Heavy Metal-Front zu verzeichnen gab, ein tolles Jahr. Und die Zeichen stehen gut, dass dies auch 2017 so weitergehen wird.

Mit „Blackborne Souls“ steht ein Output ins Haus, der mit allen Wassern gewaschen ist. Da können auch noch so viele unverständig mit Weihrauch- und Weihwasser vor sich her wedeln- so einfach lassen sich echte Metaller nicht verscheuchen.

Die Scheibe geht auf das Konto der Deutschen LORD VIGO. Das grossartige Cover lässt vermuten, dass man es hier mit einer Black Metal-Combo zu tun bekommt. Zwar geht es auf „Blackborne Souls“ ebenso unheilig zur Sache, doch LORD VIGO haben ihre Seele dem Doom verschrieben. Das Album ist dermassen mit Epik vollgestopft, da trifft der Stilbeschrieb Epic/Doom Metal wirklich einmal ins Schwarze.

LORD VIGO schlagen ihre Vampirzähne in saftig- pulsierende Halsschlagadern und veranstalten ein Fest, das reichhaltig mit allem gedeckt ist, was das durstige Metal-Herz begehrt. Bei der Bewirtung, die aus saftigen Doom-Happen, umfangreich- hergerichteten Hauptspeisen, geziert mit detailreich- atmosphärischem Ambiente, bestehend aus Chören, Orgelklängen und anderen Hintergrundszenarien, bleiben so gut wie keine Wünsche offen. Gesanglich schlägt sich auch Vinz Clortho überirdisch gut und macht damit das üppige Gelage schliesslich vollkommen.

Wenn das kommende Jahr musikalisch so weitergeht, wie es mit „Blackborne Souls“ beginnt, so bin ich bereit für den Biss des Vampirs.

10/10 Punkte

(Text by Pink)


ORDOG

Albumtitel: The Grand Wall

Genre: Doom/Death Metal

Label: MFL Records

Anzahl Tracks: 6

Dauer: 49 Minuten

 

Die Finnen ORDOG bringen es mit „The Grand Wall“ auf den Punkt und zelebrieren schnörkellosen Doom/Death Metal, so wie er im Buche steht. Passend zur sterbenden Jahreszeit lassen ORDOG kein Grün durch die weisse Leichendecke hindurchschimmern und musizieren fern jeglicher Hoffnung weiter, während sie unentwegt ins Antlitz des Todes starren.

„The Grand Wall“ ist relativ leicht zu fassen. Ein Midtempo-Riff folgt auf das Andere, wobei die Schwere der Riffs mit minimalen, aber festen Stichen aus Keyboardklängen und eingängigen Leads verwebt wird.

Aleksi Martikainen versucht der titelgebenden grossen Mauer mit seinen tiefen Growls die Stirn zu bieten, doch das Gemäuer scheint unüberwindbar, kalt, starr und dunkel und gewährt weder Einlass nach drinnen noch nach draussen.

Scheinbar in Ewigkeit verdammt und in der Düsternis gefangen, müssen ORDOG tausend Tode sterben, ohne jegliche Aussicht darauf, jemals wieder auch nur einen einzigen Sonnenstrahl erblicken zu dürfen.

Für die von Schmerz- und Mühsal geplagten Seelen dieser Welt ist „The Grand Wall“ Balsam, aus der sie zwar keine Hoffnung, zumindest aber etwas Verständnis- und Mitgefühl schöpfen können.

8/10 Punkte

(Text by Pink)


KARG

Albumtitel: Weltenasche

Genre: Black Metal

Label: Art Of Propaganda

Anzahl Tracks: 8

Dauer: 71 Minuten

 

V. Wahntraum, auch bekannt unter einem anderen Pseudonym, als J.J. bei Harakiri For The Sky, steckt in sein nunmehr fünftes Album „Weltenasche“ sein ganzes Wesen hinein. Statt, wie die meisten seiner Black Metal-Genossen, den Deibel und sein Gefolge anzubeten oder zu beschwören, dringt Wahntraum tiefenpsychologisch in die Köpfe seiner Hörerschaft ein. Labilere Gemüter könnten bei KARG’s neustem Werk durchaus ins seelische Wanken kommen.

KARG blickt tief herunter in den dunklen Abgrund der zerbrechlichen, menschlichen Psyche, in der nur wenig Hoffnungsvolles aufzublitzen vermag. Kalt, frostig und mit einem eisernen hämischen Grinsen auf ihren gefrorenen Lippen, schaut uns diese aus der Schlucht gleichgültig entgegen, wendet sich ab und lässt uns allein in der kargen Landschaft aus Verderbnis und Dunkelheit zurück.

V. Wahntraum nimmt den einsamen Wanderer auf seiner Reise nicht an der Hand um ihm den richtigen Weg zu weisen und hält ihm ebenso wenig einen warmen Mantel oder ein wärmendes Feuer bereit, sondern lässt ihn auf seiner langen Reise der verzweifelten Suche nach Sinn- und Zweck seines Daseins im dunklen tappen, straucheln und sich wieder aufraffen. Ob er am Ende seiner Odyssee das erlösend- tröstende Licht erblicken wird, liegt ganz allein an der Stärke, dem Willen und dem Durchhaltevermögen des Suchenden.

„Weltenasche“ ist vielschichtig und kann durch einmaliges Hören nur schlecht gefasst werden. Doch mit der notwendigen Hingabe beginnt der Hörer inmitten der klirrenden Gitarren, dem geisterhaften, dämonisch- monotonen Kreischgesang, der nur durch das Wechselspiel der akustischen Passagen kurz besänftigt wird, das Dickicht zu entwirren, findet Vertrauen und sich selbst somit immer besser zurecht.

Was Wahntraum uns hier vorsetzt ist ein Halluzinogen aus wahnhafter- melancholischer Symbiose das sich an unseren psychisch- nackten Urängsten labt und dem Album eine Tiefe gibt, vor dessen Intensität durchaus nicht jeder so schnell wieder zurückkehren könnte.

9/10 Punkte

(Text by Pink)


GOYA

Albumtitel: The Enemy

Genre. Doom/Stoner Metal

Label: STB Records

Anzahl Tracks: 6

Dauer: 31 Minuten

 

GOYA läuten mit ihrer EP „The Enemy“ ihre Veröffentlichung zum Longplayer „Doomed Planet“ ein, wobei, wenn ich richtig recherchiert habe, keiner dieser Tracks auf dem Fulllenght stehen wird. Überhaupt ist mir von der Truppe sehr wenig bekannt, deren Scheibe mir freundlicherweise von STB Records eingeflogen wurde.

Lässt man ganz einfach die Musik für sich sprechen, hört man unschwer heraus, dass sich die Dreier-Combo an den frühen Type O Negative, Carnivore und den unantastbaren Black Sabbath orientieren. Letztere werden abschliessend auf der Scheibe mit „Who Are You“ sogar mit einem Cover abgefeiert, das sich zeigen lassen darf.

Wer mit den oben genannten Referenzen also etwas anfangen kann, darf sich diese EP getrost zu Ohren führen und sich auf weitere

Aktivitäten der Amerikaner aus dem sonnigen Phoenix in Arizona freuen.

Keine Wertung

(Text by Pink)


ROBERT PEHRSSON'S HUMBUCKER

Albumtitel: Long Way To The Light

Genre: Classic Rock

Label: High Roller Records

Anzahl Tracks: 9

Dauer: 29 Minuten

 

Robert Pehrsson kann nicht nur gut Gitarre, er hat auch einen guten Jahrgang. So wie ich, 1975 geboren, hat er den Rock 'n Roll scheinbar mit der Muttermilch aufgesogen. 1975 stand auch eine irische Band mit dem charismatischen Sänger- und Bassisten Phil Lynott kurz vor dem Zenit ihres Erfolgs. Die Rede ist natürlich von Thin Lizzy, die ROBERT PEHRSSON'S HUMBUCKER nicht gerade Eins zu Eins kopieren, aber zumindest gebührend huldigen.

ROBERT PEHRSSON'S HUMBUCKER schaffen es von den ersten Takten an, einfach und verständlich, ihren Classic Rock an den Hörer zu bringen, schiessen locker und unverkrampft jede Menge treffsichere Rockakkorde aus der Hüfte und hauen ihm eine Rockhymne um die andere vor den Latz.

Wie das dünne Lieschen, bekleidet man sich auf „Long Way To The Light“, der leider mit neunundzwanzig Minuten alles andere als „Long“ ist, mit harmonischen Twin-Leadgitarren, welche die eingängigen Refrains der Songs mit ihrem grossen Mitsing-Charakter, unterstützen.

Grossartige Solos als Beiwerk und die zum Teil enorm tanzbaren, funkig angehauchten Parts vermengen das Pulver zu einer explosiven Mischform, die sich in einem lauten Knall kurz, aber knackig, und überaus eindrucksvoll entladen.

8/10 Punkte

(Text by Pink)


YEAR OF THE COBRA

Albumtitel: In The Shadows Below

Genre: Doom/Sludge

Label: STB Records

Anzahl Tracks: 8

Dauer: 43 Minuten

 

Die Band YEAR OF THE COBRA setzt sich aus nur zwei Mitgliedern zusammen- der Sängerin und Bassistin Amy Tung Barrysmith und dem Schlagzeuger Jon Barrysmith. Anfänglich hielten die beiden noch nach Gitarristen Ausschau, merkten aber bald, dass genau diese Zusammenstellung den typischen Sound von YEAR OF THE COBRA ausmachte.

Mit der leichten Verzerrung im Basssound fällt zuerst gar nicht gross auf, dass die Band lediglich als Duo musiziert. Auch stimmlich ist Amy fit, und schneidert mit ihrem Stimmvolumen ein melodiöses Strickmuster auf den Rhythmus-lastigen Leib.

YEAR OF THE COBRA schaffen mit den einfachsten zur Verfügung stehenden Mitteln echte Tiefe und versprühen ein mystisches Feeling, das bei vielen Bands oft einfach wegproduziert und im Keim erstickt wird.

Doom-Köpfe und Sludge orientierte Klangliebhaber bekommen bei „In The Shadows Below“ ein richtiges Verwöhn-Programm geboten, dass sie zumindest einmal durchlaufen haben sollten.

7.5/10 Punkte

(Text by Pink)


VADER

Albumtitel: The Empire

Genre: Death Metal

Label: Nuclear Blast Records

Anzahl Tracks: 10

Dauer: 33 Minuten

 

Wer aufgrund der im Sommer erschienenen EP „Iron Times“ vermutete, dass es VADER auf ihrem neuen Album etwas gemächlicher angehen werden, hat sich geirrt. Denn hier dröhnen die Doubelbass-Salven weiterhin unaufhaltsam durch den Death Metal-Highway. Von Mässigung zeigen die Polen überhaupt keine Anzeichen. Wenn VADER denn in die Eisen steigen, dann mit der Voraussicht, den Groove kurz über die Strasse zu lassen. Bremsen für einen guten Zweck also.

Von Alterserscheinung ist dem Quartett überhaupt nichts anzumerken, auch wenn Mainman Piotr Wiwczarek schon seit den Achtzigern mitmischt, der, je älter er wird, umso angepisster seine Vocals zu klingen scheinen.

Auch nach fünfzehn Alben haben VADER nichts an Energie eingebüsst und verbraten diese in einem halbstündigen Marathonlauf zwar etwas schnell, aber dafür gezielt.

Todesblei-Fans können auf die langjährige Verlässlichkeit der polnischen Death Metal-Instanz setzten und sich das Album ohne Bedenken

krallen.

8/10 Punkte

(Text by Pink)


AC ANGRY

Albumtitel: Appetite For Errection

Genre: Kick Ass Rock

Label: Steamhammer

Anzahl Tracks: 10

Dauer: 37 Minuten

 

Da haben aber ein paar Musiker echt Pfeffer im Arsch. AC ANGRY zeigen uns schon beim Opener „I Hate AC Angry“ wo der Frosch die Locken hat. Die rocken was das Zeug hält und treten uns damit heftig in den Arsch.

Doch sie haben auch andere Seiten, z. B. bei „No Way To Go But Down“ greifen sie zur Akustik-Gitarre und erzählen von der bitteren Realität. Ansonsten sind ihre Texte eher provokativ, was man ja schon am Titel des Albums erahnen kann.

Bis auf das langsamere „Cry Idiot Cry“ gehen alle Songs direkt vom Gehör ins Bein und die Nackenmuskulatur. Innovation oder gar Experimente findet man zwar nicht auf dieser CD, aber wer will das schon bei einem waschechten Kick-Ass-Album.

8/10 Punkte

(Text by Melanie)


KORN

Albumtitel: „The Serenity Of Suffering“

Genre: Modern Metal/Nu Metal

Label: Roadrunner Records

Anzahl Tracks: 13

Dauer: 48 Minuten

 

Bereits 2013 zeichnete sich die Rückbesinnung zu alten Glanztaten mit dem Album „The Paradigm Shift“ ab. Dass diese Entwicklung mit der Rückkehr von Gründungsmitglied Brian “Head” Welch (Gitarre) einherging, ist dabei auffallend.

Das zwölfte Album „The Serenity Of Suffering“ hebt die ganz grossen Stärken der Band, die für sehr viele Newcomer seit Mitte der Neunziger enorm wegweisend war, auf eine neue Ebene. Der grösste Teil dieser Newcomer sind heute bereits wieder Geschichte, KORN aber sind immer noch da.

Dass mit ihnen noch lange zu rechnen ist, zeigt sich in der Energie, die sich auf „The Serenity Of Suffering“ kreativ entladet. Groove, Groove und nochmals Groove. Das Album ist ein einziges Brett, und ein echt interessantes noch dazu.

KORN pressen die ganze Breitseite ihres Könnens auf den neuen Silberling, der sich in Wut, Verzweiflung und Melancholie niederschlägt.

Dass der Fünfer keine einfachen Charaktere sind, ganz allen voran Sänger Jonathan Davis, zeigt sich bereits im Albumtitel, der laut dem Frontmann alles auf dem Album zusammenfasst, was er lyrisch von seinen abgrundtiefsten, dunkelsten Erfahrungen durch seine zahlreichen Gefühlsachterbahnen preisgibt, die er anschaulich mit seinen Vocals vor Augen führt, wobei er auch oft amtliche Growls aus der Bauchkehle hervorholt.

Musikalisch weisen sich ebenso zahlreiche psychotische Anzeichen aus psychedelischen Klängen und sonderbaren tonalen Aussonderungen auf, die sich nebst der alles übermannenden Grooveness in die Kompositionen schlichen und dem Album eine grosse Langlebigkeit attestieren.

9/10 Punkte

(Text by Pink)


MASCHINE

Albumtitel: Naturalis

Genre: Progressive Rock/Metal

Label: InsideOut Music

Anzahl Tracks: 6

Dauer: 51 Minuten

 

Die Band mit dem deutschen Namen kommt nicht aus Deutschland, sondern ist in England zu Hause. Die noch sehr junge Truppe hat mit „Rubidium“ (2013) bereits schon vor drei Jahren ein Album veröffentlicht.

Auf ihrem Zweitwerk „Naturalis“ ziehen sie alle Register eines gelungenen Progressive-Albums. Der Opener „Resistance“ zeigt so ziemlich alles auf, was die Band drauf hat und man in den kommenden fünfzig Minuten vom Album erwarten darf. Und diese werden allesamt erfüllt.

Zeigt sich der spannende Opener noch von der metallischen Seite, schrauben MASCHINE ihre Verzerrungen danach zurück, geben sich etwas leichtfüssiger, wühlen ausgiebig in der Jazz-Schublade, trumpfen mit intelligenten Gitarrensolos, eindrücklichen Bassläufen und ebenso präzisen Drums sowie minimalistisch gestreuten Keyboardklängen von Marie-Eve de Gaultier, die auch gesangdienlich Luke Machin (Gitarre/Gesang) zur Seite steht.

„Naturalis“ gibt sich die Klinke mit Bands wie Sieges Even, Fates Warning oder Dream Theater („Megacyma“), spielen gefühlsmässig nicht selten in floydianischen Universen oder sympathisieren auch mal mit Jethro Tull und macht somit ein gutes Bild in jeder optimal sortierten Prog-Sammlung.

8.5/10 Punkte

(Text by Pink)


MIRACLE FLAIR

Albumtitel: Angels Cast Shadows

Genre: Symphonic Metal

Label: Massacre Records

Anzahl Tracks: 13

Dauer: 48 Minuten

 

Bei „Angels Cast Shadows“ handelt es sich um das zweite Album der Schweizer Symphonic Metal Band MIRACLE FLAIR, der Band von Sängerin Nicole Hartmann und Gitarrist Daniel Maurizi.

Auch wenn man solche Klänge sonst eher aus dem Norden kennt, machen MIRACLE FLAIR ihre Sache durchaus gut. Im Vergleich zum Erstling hat man mit „Angels Cast Shadows“ eine etwas härtere Richtung eingeschlagen- und die Gitarren operieren bis auf wenige Ausnahmen im Metal Bereich- ja, ich würde sogar behaupten, dass die Gitarrenarbeit in vielen Momenten auch einer Nu Metal-Band gut zu Gesicht stehen würde.

Hier liegt vielleicht meine einzige Kritik begraben, denn die oft angewendeten Stakkato-Riffs wirken auf Dauer etwas eintönig und ermüdend. Lichtblicke sind hingegen genau die Momente, wo man die harten Klänge zurückfährt und die Musik atmen lässt. Ebenfalls gut gefällt mir Sängerin Nicole Hartmann, welche mit ihrer samtigen Stimme die nötige Wärme beisteuert. Auch versucht sie nicht ständig in höchsten Höhen zu Trällern- das machen schon genug ähnlich gelagerte Bands und nervt mich persönlich je länger je mehr.

Die beteiligten Musiker bieten eine technisch einwandfreie Darbietung und auch die Produktion von Tommy Vetterli gibt sich keine Blösse- natürlich soweit ich das mit der Kombination Laptop-Boxen und Download-Link beurteilen kann.

Mit „Angels Cast Shadows“ ist MIRACLE FLAIR ein durchaus guter Nachfolger geglückt, der mit viel Licht und wenig Schatten zu überzeugen weiss. Das Songwriting weiss zu gefallen- besonders für interessante Refrains hat man hier ein gutes Händchen. Mir persönlich fehlen ein- bis zwei wirklich Hits, die sich von der Masse an guten, aber nicht überragenden Songs abheben.

Gerne möchte ich abschliessend noch zwei Songs speziell hervorgeben: Einerseits der titelgebende Song „Angels Cast Shadows“, da er mit einem Hammer-Refrain überzeugt, andererseits SOUL WITNESS, da hier das Wechselspiel zwischen harten Klängen und ruhigen Parts perfekt gelingt.

„Angel Cast Shadows“ ist kein Album, welches dem Symphonic Metal neue Impulse geben wird- ebenso wenig wird es kein Klassiker dieses Genres werden- doch Freunde dieser Stilrichtung sollten MIRACLE FLAIR durchaus mal ihr Gehör widmen. Ich denke nicht, dass sie es bereuen werden.

7/10 Punkte

(Text by Ralph)


LIES

Albumtitel: Abuse/Plague

Genre: Brutal

Punk Label: Southern Lord

Anzahl Tracks: 15

Dauer: 20 Minuten

 

„Stumpsinn At Its Best“. In gerade mal zwanzig Minuten rattern die Kalifornier LIES ihre Songs in Rekordzeit herunter. Wären darauf nicht noch acht Songs ihrer bereits erschienenen ersten EP vertreten, hätte die Scheibe noch zeitiger ihr Ende gefunden.

Das man hier nicht hochklassisches Niveau erwarten kann, ist klar. Die Tracks, die gerade Mal knapp an der Zweiminuten-Marke kratzen, hinterlassen zwar keine nennenswerten bleibenden Eindrücke. Authentisch ist „Abuse/Plague“ aber allemal und man wird sich an das Ding vermutlich trotzdem irgendwie erinnern, so wie ich mich auch heute noch an Napalm Death's „Scum“ (1987) und „From Enslavement To Obliteration“ (1988) oder S.O.D.'s „Speak English Or Die“ (1985) zurückbesinne, die ja auch nicht unbedingt durch ihre technische Versiertheit oder überlangen Nummern aus der Masse herausfielen.

Ob man sich dieses rotzig-  brutale Punk-Album wirklich in die Sammlung stellen will, muss natürlich jeder für sich selbst ausmachen.

6.5/10 Punkte

(Text by Pink)


DOMKRAFT

Albumtitel: The End Of Electricity

Genre: Doom/Sludge

Label: Magnetic Eye Records

Anzahl Tracks: 7

Dauer: 41 Minuten

 

Auf dem Debütwerk der Stockholmer Band DOMKRAFT geht man minimalistisch zu Werke und baut die Songs grösstenteils auf nur ein- bis zwei Riffs auf. Das Hauptgericht wird rundum mit Psychedelicatessen garniert, die den Tracks etwas mehr Intensität verleiht und so eine hypnotische Tiefenwirkung erzeugt.

Die Songs weisen in ihrer Gesamtheit gute Eigenschaften auf, die aber oft durch die Überlänge und Monotonie negativ überschattet werden. Somit werden die stets guten Ansätze leider wie eine reife Frucht bis auf den letzten Saft ausgepresst, wo man sich doch lieber ein etwas schnelleres Ende herbeisehnt.

„The End Of Electricity“ ist im Grunde ein gutes Scheibchen, das bei mir aber mehr als Hintergrundbemalung dient.

7/10 Punkte

(Text by Pink)


NAEVUS

Albumtitel: Heavy Burden

Genre: Doom Metal

Label: Meta Matter Records

Anzahl Tracks: 11

Dauer: 55 Minuten

 

Vor achtzehn Jahren züngelte nur ganz kurz unter Lee Dorrians (With The Dead, ex-Napalm Death/Cathedral) Schirmherrschaft und dessen Label Rise Above Records in Form von „Sun Meditation“ das Debütalbum der süddeutschen Band NAEVUS auf. Die Wenigsten werden dieses kurze Aufflackern wohl wahrgenommen haben.

Seit rund vier Jahren sitzen die Jungs jedenfalls wieder fest im Sattel und geben dem Doom-Metal erneut zünftig die Sporen. Nach einigen kleineren Live-Aktivitäten wollte das Quartett schliesslich erneut Studioluft schnuppern, die sich nun endlich mit „Heavy Burden“ im August dieses Jahres physikalisch verfestigte.

Das neue Album orientiert sich nicht minder an den Grossmeistern von Black Sabbath, wobei Sänger/Gitarrist Uwe Groebel eine ordentliche Schwade Ozzy Osbourne inhaliert zu haben scheint.

NAEVUS schreiben sich aber nicht wie die Hure Babylons nur die Namen vergangener Sünden (im positiven Sinne) auf ihren Körper, sondern können ohne weiteres ganz gut alleine glänzen, wobei sie ihre Kerbe auch irgendwo im Stoner Rock oder zuweilen im klassischen Hard Rock einschlagen.

Die Tracks wandern zwischen Eingängigkeit und Verspieltheit um die sie ihre lyrisch-philosophischen Abhandlungen abstecken.

Leider fällt als grosses Manko der Sound der Scheibe zum Teil ganz arg hinten ab. Hier wäre man mit etwas mehr Durchschlag für den doomsicheren Durchbruch um einige Punkte näher dran gewesen.

Es bleibt aber zu hoffen, dass sich NAEVUS diesmal länger halten, und man schon bald in den Genuss eines weiteren Werks kommen darf.

8/10 Punkte

(Text by Pink)


SNAKESKIN BOOZEBAND

Albumtitel: Snakeskin Boozeband

Genre: Rock

Label: Non Stop Music Records

Anzahl Tracks: 10

Dauer: 56 Minuten

 

Die jüngste Veröffentlichung der Schweizer Band SNAKESKIN BOOZEBAND ist eine dieser Scheiben, die nach meinem Geschmack erst hinten raus die richtig guten Geschütze auffahren. Bietet die CD anfänglich relativ sachdienlichen und gediegenen Blues Rock, machen die Jungs genau in der Mitte, mit dem fünften Track, dem instrumentalen Intermezzo J.A.M., einen sauberen Schnitt.

Daraufhin lernt man die Basler von einer anderen, härteren Seite kennen, die sich teilweise fast schon in punkigen Eskapaden zeigt. Dazu gesellen sich ebenso AC/DC-mäßiges Hard Rock-Riffing, sowie ein Spürchen Seventies-Feeling und eine gute Portion an hartmetallischen Schmiedekünsten, die sie fachmännisch in ihren Songs verbauen.

Damit hätte ich zu Anfang wirklich nicht gerechnet. Umso schöner, wenn sich das baslerische Trio derart abwechslungsreich gibt, was sich auf der Haben-Seite positiv in der Langlebigkeit des selbstbetitelten Debüts auszahlt, das übrigens unter der Regieanleitung von Gurd/Poltergeist Haudegen V.O. Pulver gemixt und gemastert wurde.

7.5/10 Punkte

(Text by Pink)


OVO

Albumtitel: Creatura

Genre: Noise Metal/Black Metal

Label: Dio Drone

Anzahl Tracks: 11

Dauer: 41 Minuten

 

Das italienische Duo um OVO veröffentlicht mit „Creatura“ ein echtes Kunstwerk. Bruno Dorella und Stefania Pedretti gehen minimalistisch zu Werke, zeichnen aber mit ihren Möglichkeiten aus einem spartanisch zusammengestellten Schlagwerk, experimentellem Gesang und den obligaten Saiteninstrumenten eine traumatisch-kranke Welt, wovon viele Bands mit massiv grösseren Equipments im Schlepptau nur träumen können.

Die Musik der beiden Kunstschaffenden tendiert dabei mehr in Richtung Filmmusik, die auf Geräuschkulissen basiert, organisch aus psychedelischen Gitarrenklängen, Percussion, epileptischen Trommeleien und rhythmischen Rahmenbedingungen zusammengehalten werden. Eine sehr spezielle Angelegenheit, die durchaus interessant wäre, sie einmal Live zu begutachten.

Aber auch ohne visuelle Stütze veranstalten OVO ein makabres, eindrucksvolles Kopfkino, deren Klänge man sich am besten direkt per Kopfhörer zuführt, um die bestmögliche audiovisuelle Wirkung zu erzielen.

8/10 Punkte

(Text by Pink)


HIGHLY SUSPECT

Albumtitel: The Boy Who Died Wolf

Genre: Rock

Label: 300 Entertainment

Anzahl der Tracks: 11

Dauer: 45 Minuten

 

HIGHLY SUSPECT konnte ja schon einiges an Erfolg einfahren. Ihr Debüt-Album 2015 wurde gleich für zwei Grammys nominiert: „Best Rock Album“ (Mister Asylum) und „Best Rock Song“ (Lydia). Jetzt hat das Trio ihren zweiten Longplayer rausgebracht, mit dem Titel „The Boy Who Died Wolf“.

Hm, ich bin hin und her gerissen. Am Anfang dachte ich: Boah, die Jungs können richtig abrocken! Jedoch beim weiteren Hören wurde das ganze immer wirrer. Die Musik wurde zu einem großen Wirrwarr, dem man nicht mehr so ganz folgen konnte.

Das ist etwas schade, da die Texte recht gut sind. Also, die Songs, die nicht ganz so wirr sind, sind echt der Hammer, guter, harter Rock, bei dem man einfach mitgehen muss. Und der Rest... Tja...

6/10 Punkte

(Text by Melanie)


THE DILLINGER ESCAPE PLAN

Albumtitel: Dissociation

Genre: Mathcore

Label: Party Smasher Inc.

Anzahl Tracks: 11

Dauer: 50 Minuten

 

Für die etwas durchgeknalltere Sippschaft gibt es mit der neuen Scheibe von THE DILLINGER ESCAPE PLAN wieder was auf die Lauscher. Und auch die grauen Zellen werden durch ihr sechstes Studiowerk, dass den Anfang für eine angekündigte ausgedehntere Auszeit der Band markiert, wieder massgeblich strapaziert.

An „Dissociation“ wird man jedenfalls eine Zeit lang zu knabbern haben. Aber es war ja von vornherein klar, dass THE DILLINGER ESCAPE PLAN nicht im Traum daran denken, es sich musikalisch irgendwie bequem zu machen.

So gibt es auch auf dem neusten Output wieder geniale Abnormitäten zu bestaunen, die sich in wahnsinnigen Auswüchsen entfalten, wo man sich fragen muss: Sind denn die Herren überhaupt noch zurechnungsfähig? Doch THE DILLINGER ESCAPE PLAN kommen in ihrer vermeintlich musikalischen Instabilität stets wieder zur Besinnung, schlagen ruhigere Töne an, die sich unter anderem in jazzig/klassischen Ensembles offenbaren, oder in Mastodon-ähnlichen Midtempos und einer gezähmten Form äussert, wie man sie in den Krankheitsakten von Mr. Bungles nachlesen kann. Der Wahnsinn obsiegt aber zumeist und wütet so, wie es ihr vermutlich geistiger Vater John Zorn vor Jahren schon vererbt hat.

8/10 Punkte

(Text by Pink)


SIXX:AM

Albumtitel: Vol.2, Prayers For The Blessed

Genre: Rock

Label: Eleven Seven Music

Anzahl Tracks: 11

Dauer: 46 Minuten

 

Die Band um Nikki Sixx (Mötley Crüe) legt schon nach einem halben Jahr das nächste Album „Vol.2, Prayers For The Blessed“ nach. Es handelt sich hierbei um Songs, die bei derselben Aufnahme-Session entstanden sind wie schon Vol.1. Man habe sich bewusst für kein Doppel-Album entschieden, sondern für zwei getrennte.

Ok, also hier ist das Werk. Und was erwartet uns? Klar, bombastische, radiotaugliche Rocksongs, wie es in den USA üblich ist. Knallig und voller Energie rocken SIXX:AM daher. Die powervollen Songs stehen ihnen astrein, nur bei den Balladen trieft der Schmalz nur so, dass es wirklich zu viel des Guten ist.

7/10 Punkte

(Text by Melanie)


BIG JESUS

Albumtitel: Oneiric

Genre: Rock

Label: Mascot Label Group

Anzahl Tracks: 10

Dauer: 38 Minuten

 

Eins kann ich euch sagen, BIG JESUS aus Atlanta klingen anders, als andere Rockbands. Ihr Sound ist verträumt, die Stimme dazu ätherisch und leicht. Frisch und anders rocken sie mit viel Energie durch die zehn Tracks und erinnern durch den Gesang ein bisschen ad die Smashing Pumpkins.

BIG JESUS überzeugen durch Können ihres Handwerkes und starkem Songwriting. Das ganze zusammen ergibt ein überschäumendes und für die doch eigentlich noch recht junge Band einen erstaunlich abgeklärten Sound. Es ist ein Mix aus poplastiger- jedoch nie Mainstream- Musik-und Metal, mit ein paar Punkeinflüssen, leichte Gitarrenarbeit und luftig leichtem Singsang. Für Fans des etwas anderen Rocks.

8/10 Punkte

(Text by Melanie)


ETERNAL DELYRIA

Albumtitel: Letting Go Of Humanity

Genre: Melodic Death/Black Metal

Label: Eigenvertrieb

Anzahl Tracks: 10

Dauer: 48 Minuten

 

Dass der atmosphärische Black Metal noch lange nicht ausgedient hat, beweisen uns ETERNAL DELYRIA, die mit „Letting Go Of Humanity“ ein Album vorlegen, dass an die golden-dunkel schimmernden Zeiten erinnern, als Bands wie Dimmu Borgir und Cradle Of Filth den schwarzmetallischen Himmel verdunkelten.

ETERNAL DELYRIA kommen aus der italienisch sprechenden Schweiz, dem Kanton Tessin, der auch vielen Deutschen Lesern ein Begriff sein sollte. Denn an Ostern und den hochsaisonalen Sommerzeiten stehen alljährlich stundenlang deutsche Touristen vor dem berühmten Gotthardtunnel im Stau, um auf der anderen Seite für ein paar Tage- oder Wochen etwas Sonne zu tanken.

ETERNAL DELYRIA verbreiten, wie erwähnt, nicht heiteren Sonnenschein, sondern fühlen sich auf der dunklen Seite zu Hause. Um ihre unheilige Botschaft zu verbreiten, satteln sie ihr schwarzes Pferd und halten an traditionellen Überzeugungen fest, die Ende der Neunziger ihren Zenit feierten, als melodisch-atmosphärische Black Metal-Combos wie Pilze im Herbst aus dem Boden schossen. Mittlerweile haben viele derartiger Bands Fahnenflucht begangen und übrig blieb nur eine Handvoll solcher Überzeugungstäter, wie es ETERNAL DELYRIA sind.

2011 gegründet, führen sie als Sprösslinge das Erbe ihrer geistigen Väter weiter und machen ihnen dabei keine Schande. Sattelfest und selbstsicher tragen sie ihre dogmatischen musikalischen Grundsätze vor. Ganz klar spielen die Keyboards darin eine tragende Rolle, die zur Grundstimmung einen ganz grossen Anteil beiträgt und die melodieversierten Gitarren nicht nur zeremoniell unterstützt, sondern auch als einzelnes Element mit den grossen Stunden wie Limbonic Art mithält.

Gesanglich wir das Paket pflichtbewusst mit den obligaten Growls verschnürt, das mit meinem Schweizer Bonus acht Punkte als Gesamtwertung erhält.

8/10 Punkte

(Text by Pink)


CROWBAR

Albumtitel: The Serpent Only Lies

Genre: Sludge

Label: Steamhammer

Anzahl Tracks: 10

Dauer: 45 Minuten

 

Kirk Windstein darf sich nach fast dreissig Jahren Bandbestehens von CROWBAR zum nunmehr elften Longplayer auf eine Rückkehr des Gründungsmitglieds und Bassisten Todd „Sexy T“ Strange freuen, der 2000 seinen Rücktritt antrat. Somit bleibt er nicht mehr das einzige Originalmitglied der Band. Stiltechnisch konnten bei CROWBAR aber auch die Besetzungswechsel seit der Gründung so gut wie nichts anhaben und allfällige Änderungen waren nur in feinen Nuancen auszumachen.

Auch Album Nummer elf, „The Serpent Only Lies“, reiht sich ohne grosses Aufsehen nahtlos in die CROWBARsche Diskografie ein. Fast schon mit orthodoxischer Strenge referiert die Louisiana-stämmige Truppe ihre Marschrichtung von der Kanzel. Wie eh und je spielt man dabei mit der Wechselwirkung aus Hardcore-lastigem Glaubensprinzip und Midtempo-Aufsätzen, die Kirk Windstein stets mit heiserem Nachdruck gesanglich unterstreicht.

Wer also seit Anbeginn mit CROWBAR etwas anfangen konnte, hat hier nichts zu befürchten und kann bedenkenlos zugreifen.

8.5/10 Punkte

(Text by Pink)


HOLY SERPENT

Albumtitel: Temples

Genre: Stoner Rock

Label: Riding Easy Records

Anzahl Tracks: 5

Dauer: 43 Minuten

 

HOLY SERPENT rauchen mit „Temples“ zum zweiten Mal die Bude mit dicken Jointschwaden zu. Der Raum füllt sich langsam aber stetig mit Weed-Weihrauch, bis man sich komplett stoned nur noch blindlings vortasten kann, in der Hoffnung, etwas Vertrautes zu ergreifen, das für einen stabileren Halt sorgt.

Das neue Album der Australier bemüht sich. Doch richtigen Halt bekomme ich beim Hören des Albums auch beim x-ten Durchgang nicht zu Greifen. Die Songs packen mich nicht da, wo sie es sollten. Bei HOLY SERPENT spüre ich zwar, dass sie den Groove intus hätten, was bei vielen Ansätzen auf dem Album auch hörbar zu Tage tritt. Doch leider verlieren sich die Jungs stets irgendwo im Nirvana der Belanglosigkeiten, wo die immer gleichen Abfolgen unbeachtet wie das Plätschern eines Baches an mir vorbeischwimmen. Auch der abschliessende Mammut-Brocken „Sativan Harvest“ hinterlässt bei mir nur wenig bleibende Eindrücke.

„Temples“ hat zwar viel Potenzial, dass es aber leider in grossen Mengen verschenkt. Trotzdem sollten Genre-Liebhaber mal ein Ohr riskieren.

6.5/10 Punkte

(Text by Pink)


SUBTERRANEAN DISPOSITION

Albumtitel: Contagiuum And The Landscapes Of Failure

Genre: Doom Metal

Label: Hypnotic Dirge Records

Anzahl Tracks: 6

Dauer: 60 Minuten

 

Wenn es um sperrige Namen geht, ist die Einmanninstitution SUBTERRANEAN DISPOSITION sicher ganz vorne mit dabei. Auch in Sachen Innovation weiss das vorliegende Album Akzente zu setzen. Jedem Doom Metal-Fan wird allerdings die Kombination eines Saxophons mit den düster-schleppenden Doom/Death-Riffing im allgemeinen Trauermarsch wahrscheinlich nicht schmecken. Ist auch gewöhnungsbedürftig. Aber es funktioniert.

Der Australier Terry Vainoras beweist das vorbildlich auf seinem Zweitwerk „Contagiuum And The Landscapes Of Failure“ Das Organ des Saxophons vermag durch seine musikalische Ausdrucksform ein Bild zu zeichnen, dass das Projekt nicht bloss von der Masse abhebt. Nein. Hier spürt man förmlich das pulsierende Leben, die Hitze der Luft, die feuerspeienden Vulkane und die mit Lava durchtränkten Landschaften, durch welche uns Terry Vainoras geleitet.

SUBTERRANEAN DISPOSITION zeichnet Bilder und Emotionen. Stücke, die am Besten in der Gesamtheit und über Kopfhörer ihre volle Wirksamkeit entfalten.

8/10 Punkte

(Text by Pink)


KING DUDE

Albumtitel: Sex

Genre: Dark Folk/Gothic

Label: Ván Records

Anzahl Tracks: 11

Dauer: 40 Minuten

 

Alles andere als schlicht, so wie es hier beim Albumtitel der Fall ist, präsentiert sich das neue Werk des selbsternannten Königs KING DUDE. Auf „Sex“ werden einerseits eingängige Songstrukturen, die in der gotischen Spielart zu Hause sind, vorgetragen. Anderseits verlangt der König einiges von seinem Volke ab, indem er psychedelische Klänge aus Samples mit schrägen Melodiebögen kreuzt.

Ganz vorn dabei ist seine dunkle, tiefe, charakteristische Stimmfarbe, die an einen Herr Johan Edlund, zeitlebens als Tiamat-Frontmann bekannt, erinnert.

„Sex“ ist eine pervertierte Form eines Rockalbums, auf dem Licht nur spärlich und sporadisch durchzusickern vermag. Ist man einmal in diesem dunklen Verlies aus kranken Ideen gefangen, kommt man so schnell nicht mehr daraus weg. Einziger Ausweg: Die Stopp-Taste des Musikplayers. Aber wie man bekanntlich weiss, siegt die Neugierde meistens über die Vernunft. Und ich kann euch sagen, dass es sich bei diesem Album lohnt, unvernünftig zu sein.

7.5/10 Punkte

(Text by Pink)